24. September 2021 / 18:19 Uhr

Greuther Fürth gegen den FC Bayern – David gegen Goliath: Der Vergleich zum ungleichsten Duell der Bundesliga

Greuther Fürth gegen den FC Bayern – David gegen Goliath: Der Vergleich zum ungleichsten Duell der Bundesliga

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fürth-Trainer Stefan Leitl (l.) und Bayern-Coach Julian Nagelsmann stehen sich in einem ungleichen Duell gegenüber.
Fürth-Trainer Stefan Leitl (l.) und Bayern-Coach Julian Nagelsmann stehen sich in einem ungleichen Duell gegenüber. © IMAGO/Jan Huebner/ActionPictures/Zink (Montage)
Anzeige

Mehr Fans, mehr Marktwert, mehr Erfolg: Im Freitagsspiel des sechsten Bundesliga-Spieltags messen sich mit Greuther Fürth und dem FC Bayern München zwei Teams mit extrem unterschiedlichen Vorzeichen. Der SPORTBUZZER macht den Vergleich.

Was hatte die damalige SpVgg Fürth vor exakt 100 Jahren, was der FC Bayern seinerzeit noch nicht hatte? Einen Meistertitel, den von 1914. Zwei weitere (1926 und 1929) kamen hinzu, ehe die Münchner erst 1932 ihre mittlerweile Museen füllende Titelsammlung aufzubauen begannen. Seit der ersten Bundesliga-Schale 1969 sind bis dato weitere 29 Meisterschaften hinzugekommen, während man in Mittelfranken nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich auf einen Titel verweisen kann: Als Meister der Zweiten Bundesliga stieg man 2012 als SpVgg Greuther Fürth auf. Und ein Jahr später – ohne einen einzigen Heimsieg – als Schlusslicht wieder ab. Beides will man im zweiten Bundesliga-Jahr verhindern.

Anzeige

Die aktuelle Prognose nach nur fünf Spieltagen mit lediglich einem Pünktchen und 3:13-Toren? Wird schwer. Das sieht auch Bayerns Trainer Julian Nagelsmann vor dem Duell an diesem Freitag (20.30 Uhr, DAZN) im Sportpark Ronhof so. "Die Vorzeichen der beiden Klubs sind total unterschiedlich. Fürth ist aufgestiegen. Sie merken jetzt zu Beginn der Saison, dass es nicht so leicht ist, sich in der Bundesliga zu behaupten." Besteht die Gefahr, den Underdog zu unterschätzen? Nagelsmann meinte erst spöttisch: "Ich liebe ja solche Fragen." Und erklärte dann vehement: "Es ist absolut sinnbefreit, einen Gegner in der Bundesliga zu unterschätzen."

Fürth gegen Bayern – David gegen Goliath

Siehe das ziemlich deutliche, aber noch milde ausgefallene 7:0 vergangenen Samstag gegen den anderen Aufsteiger, den VfL Bochum. Folgt nun Teil zwei des Schützenfestes? Da hilft dem Kleeblatt nur ein Haufen Dusel beim Duell: Der Letzte gegen den Ersten, der Kleinste gegen den Größten – mehr David gegen Goliath geht nicht. Das zeigt ein Vergleich der beiden Vereine, deren Welten nicht verschiedener sein könnten. Für Fürths Sportchef Rachid Azzouzi sind es "Galaxien". Ein – zugegeben – unfairer, aber spannender Vergleich:

Die Erfolge: Neben der Zweitligameisterschaft 2012 errangen die Fürther zwei Titel mit einem großen „Aber“ – immerhin. 1969 gewann man den Intertoto-Cup, der damals eher eine Testspielreihe denn ein richtiger Europapokalwettbewerb war. Im Jahr 2000 wurde man DFB-Hallenpokalsieger – aber nur, weil nach dem Finale, das Borussia Mönchengladbach mit 3:2 gegen die Franken gewonnen hatte, Gladbach-Profi Quido Lanzaat positiv auf Doping getestet wurde. Für die Grün-Weißen ein Erfolg am Grünen Tisch. Und die Bayern? Es seien nur die beiden Triple-Triumphe 2013 und 2020 erwähnt.

Der Umsatz: Hier 22,6 Millionen Euro, dort 698 Millionen Euro (so der Jahresabschluss 2019/2020). Dass Bayerns Umsatzverlust durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie rund 150 Millionen Euro beträgt, macht die Zahlen im Vergleich noch unwirklicher.

Der Marktwert: Bei Fürth kommt der Kader laut transfermarkt.de auf einen Gesamtmarktwert von 38,88 Millionen Euro, bei Bayern sind es 852,9 Millionen Euro. Allein zehn Bayern-Spieler liegen über dem Wert der Fürther Elf. Joshua Kimmich etwa kostet 90 Millionen Euro, wertvollster Fürther ist passenderweise die Bayern-Leihgabe Adrian Fein mit 4 Millionen Euro.


Das Gehaltsvolumen: Der Etat von Fürths Profikader beträgt 17,5 Millionen Euro – bescheidener und günstiger geht es kaum. Das Jahresgehalt von Robert Lewandowski liegt weit drüber, Manuel Neuer Thomas Müller, Joshua Kimmich, Leroy Sané, Leon Goretzka und Lucas Hernández dürften ebenfalls in dieser Region liegen.

Die Fans: Auf Fürther Seite stehen 58 Fanklubs mit etwa 2500 Mitgliedern zu Buche, die Bayern melden auf ihrer Vereinshomepage 4417 Fanklubs mit 359 142 Mitgliedern (Stand: 1. September).

Die Stadien: Fürths Sportpark Ronhof ist aktuell mit einer Kapazität von 16 636 das kleinste Stadion der Liga. In Bayerns Allianz Arena, mit den 75 000 Fans bei Vollauslastung eine Goldgrube, findet nach 2012 auch das Champions-League-Finale 2025 statt.

Immerhin gibt es eine Statistik, in der die Fürther den Bayern etwas voraushaben: Die SpVgg rangiert auf Platz eins der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga – kein Kunststück bei 1126 Spielen im Unterhaus.