11. Januar 2022 / 15:03 Uhr

Grimmaer Schiri Sather besteht Bundesliga-Feuertaufe mit Bravour

Grimmaer Schiri Sather besteht Bundesliga-Feuertaufe mit Bravour

Tom Rietzschel / lvz
Leipziger Volkszeitung
Zeigt an, wo es langgeht und hat in Berlin alles im Griff: Alexander Sather. 
Zeigt an, wo es langgeht und hat in Berlin alles im Griff: Alexander Sather.  © imago images
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Alexander Sather pfeift für gewöhnlich in der 2. Bundesliga. Am Sonntag kam der Grimmaer nun überraschend zu seinem Debüt im Fußball-Oberhaus. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 35-Jährige über das Spiel in Berlin, Lampenfieber und die Unterschiede zwischen erster und zweiter Liga.

Grimma. Der Grimmaer Alexander Sather war am Sonntag in der Bundesliga-Begegnung zwischen Hertha BSC Berlin und dem 1. FC Köln eigentlich als vierter Offizieller angesetzt. Mit Beginn der zweiten Halbzeit übernahm Sather nach einer Verletzung jedoch die Spielleitung. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 35-Jährige über sein unerwartetes Debüt im Fußball-Oberhaus.

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SPORTBUZZER: Herr Sather, Glückwunsch zu Ihrem ersten Bundesliga-Einsatz – auch wenn er für sicherlich etwas überraschend kam. Schiedsrichter Tobias Stieler verletzte sich im Verlauf der ersten Halbzeit, sie übernahmen daraufhin die Leitung der Partie.

Alexander Sather: Es passierte wohl beim letzten Sprint in der ersten Halbzeit. Ein Vorzeigeathlet wie Tobias Stieler ist eben auch nur ein Mensch. Ich hoffe sehr, dass er der Bundesliga schnellstmöglich wieder zur Verfügung steht. Daher auch noch mal gute Besserung an dieser Stelle.

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Welche Vorkehrungen waren in der Halbzeitpause zu treffen?

Beim Gang in die Kabine wurde schnell klar, dass es für mich jetzt ernst werden könnte. Tobias Stieler wurde zunächst von unserem Physiotherapeuten erstversorgt. Aber nach etwa fünf bis zehn Minuten nach dem Halbzeitpfiff stand fest, dass ich die Spielleitung übernehmen werde. Danach musste alles ganz schnell gehen: raus aus der warmen und wetterfesten Kleidung eines vierten Offiziellen, rein in die Funktionsbekleidung eines Lizenzliga-Schiedsrichters. Und dazu gehören auch sämtliche technische Hilfsmittel wie Sprechfunk zu dem Schiedsrichterteam, aber auch zum Video-Assistenten in Köln, Goal-Line-Uhr für die Torlinien-Technologie, Empfänger für die Funkfahnen der Schiedsrichter-Assistenten, Freistoßspray und natürlich nicht zu vergessen, die Pfeife. Und das Ganze noch im Laufschritt, weil die Wege in den Berliner Katakomben recht lang sind.

Die Aufgaben eines vierten Offiziellen sind andere, als die eines Schiedsrichters. Wie schwer war es, sich von jetzt auf gleich umzustellen?

Viel Zeit zur individuellen Vorbereitung blieb natürlich nicht. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Austausch mit Tobias Stieler zu allen spielrelevanten Situationen, um den Schiedsrichterwechsel für alle Beteiligten so harmonisch wie möglich zu gestalten. Die Anforderungen der Aufgabe waren mir ja aber durch die vielen Einsätze in der 2. Bundesliga sehr wohl bekannt. Durch die langjährige Erfahrung funktioniert man einfach.

Wie groß war Ihr Lampenfieber, als Sie den Rasen des Berliner Olympiastadions zu Beginn der zweiten Halbzeit betraten?

Ich gebe gern zu: eine höhere Anspannung als sonst war schon vorhanden. Aber die legte sich rasch, da das Tempo einen schnell fordert und man sich auf die komplexen Situationen fokussieren muss.

Wie haben die Fußballer auf den Schiri-Wechsel reagiert?

Schon leicht verwundert, weil das ja auch für die Spieler und alle Beteiligten keine häufige Situation ist. Und zum Glück auch nicht oft vorkommt.

Ist es in so einer Situation ein Vorteil, wenn man die Kicker und Offiziellen durch die diversen Einsätze als vierter Offizieller bereits kennt?

Es ist auf jeden Fall ein sehr großer Vorteil, ein bekanntes Gesicht zu sein. Ganz gleich, ob im Einsatz als vierter Offizieller, als Assistent oder selber als Schiedsrichter bei diversen Freundschaftsspielen. Aber meine Feuertaufe musste ich in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit natürlich durchlaufen. Die Spieler testen sehr schnell nach dem Wechsel der Spielleitung ihre Grenzen aus, um den neuen Schiedsrichter abzuchecken.

Worin sehen Sie nach dem ersten Einsatz im Oberhaus die größten Unterschiede als Schiedsrichter zwischen 1. und 2. Bundesliga?


Nach ‚nur‘ 45 Minuten kann ich im Grunde keine solide Aussage treffen. Ich würde aber sagen, dass die Spielgeschwindigkeit, die Komplexität der Situationen und vor allem auch das mediale Interesse enorm hoch sind. Es sind diese Punkte, durch welche die 1. Bundesliga ihrem Ruf, eine der besten Ligen der Welt zu sein, aus meiner Sicht gerecht wird.

Sie sind 35 Jahre alt und leiten seit sechs Spielzeiten Begegnungen in der 2. Bundesliga. Was sind Ihre lang- und kurzfristigen Ziele als Schiedsrichter?

Langfristig ist es natürlich mein Ziel, so lange wie möglich meinen Traum als Referee im Profibereich weiter träumen zu dürfen.

Wie viele Nachrichten hatten Sie am Sonntag im Anschluss auf dem Handy?

Unzählige! So viele, dass auf der Rückfahrt sogar mein Akku schlapp gemacht hat. Die Nachrichten und Anrufe waren ausschließlich positiv, das motiviert schon für die nächsten Aufgaben. Aber man sollte seiner Rolle als Ersatzmann nicht gesteigertem Wert beimessen. Getreu dem Motto: neues Spiel, neues Glück.