02. Februar 2021 / 12:53 Uhr

Grimmas Jackisch weiterhin torgefährlich und dem FC treu

Grimmas Jackisch weiterhin torgefährlich und dem FC treu

Tom Rietzschel
Dresdner Neueste Nachrichten
Grimmas Christoph Jackisch (r.) im Spiel gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf.
Christoph Jackisch (r.) weiß, wo das Tor des Gegners steht. © hanni
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Christoph Jackisch ist aus dem Team der Grimmaer nicht wegzudenken. Der Torjäger sammelte beim 1. FC Lok Leipzig erste Oberliga-Erfahrungen unter Trainer Uwe Trommer, welcher ihn später zum FC lotste. Der Linksaußen erzielte für die Muldestädter bisher sensationelle 130 Treffer.

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Grimma. Nach einer katastrophalen Hinrunde dümpelt der FC Grimma mit 14 Punkten auf Abstiegsplatz 15 herum – einzig vier Siege konnte man in der ersten Halbserie einfahren. Die Zeit war reif für Veränderungen an der Mulde, schließlich sollte die höchste Spielklasse im Freistaat unbedingt gehalten werden.

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Im Januar 2012 ersetzte Uwe Trommer den bisherigen Trainer Daniel Wohllebe, welcher als Assistenzcoach jedoch weiterhin zur Stange hielt. Zusätzlich stießen mit Stephan Knoof (1. FC Lokomotive Leipzig), Marco Weichert und Benjamin Wagner (beide SV Naunhof) potenzielle Verstärkungen nach Grimma. Komplettiert wurde die Personalpolitik mit der Verpflichtung eines Spielers, der seitdem an der Mulde nicht mehr wegzudenken ist. Vom Bezirksligisten SG Taucha wurde Christoph Jackisch losgeeist – ein Transfer, welcher neben der damaligen Rückholaktion von Schlussmann Jan Evers im Sommer 2011 wohl als der Wichtigste der vergangenen Jahre angesehen werden kann.

Karrierebeginn in Waldheim

Der damals 20-Jährige begann im Alter von vier Jahren beim SV Aufbau Waldheim dem runden Leder nachzujagen. „Unter Jens Enigk und Lutz Vandereike habe ich dort als kleiner Junge meine ersten Schritte auf dem grünen Rasen gemacht“, erinnert sich Jackisch an seine Anfänge in Waldheim. Bei Aufbau spielte er bis in den B-Junioren-Bereich, ehe der Linksfuß im Sommer 2007 zum Döbelner SC wechselte. Jackisch: „In Waldheim spielten wir auf Kreisebene, beim DSC konnte ich in der Bezirksliga kicken.“

In Döbeln ragte er anschließend so sehr heraus, so dass einige Späher höherklassiger Vereine schnell auf Jackisch aufmerksam wurden. „So wechselte ich im Januar 2009 in die A-Jugend des 1. FC Lokomotive Leipzig, welche damals in der Regionalliga auf Torejagd ging.“ Auch dort erarbeitete sich Jackisch schnell einen Stammplatz und spielte sich mit fortlaufender Zeit immer mehr in den Fokus – vor allem für die eigene erste Herren-Mannschaft, die damals in der Oberliga spielte.

Unter Trainer Uwe Trommer trainierte Jackisch fortan in der Ersten mit und wurde so Schritt für Schritt an den Herrenbereich herangeführt. Im März 2010 war es dann soweit: Vor knapp 7.500 Zuschauern im Leipziger Zentralstadion debütierte Jackisch im Herrenteam des 1. FC Lok, als er ausgerechnet gegen RB Leipzig (0:1) in der 41. Minute für Rico Engler eingewechselt wurde.

Lockruf zu Lok Leipzig

Auf insgesamt sieben Teileinsätze kam er als damals 18-Jähriger letztlich in besagter Oberliga-Saison 2009/10. Beim 1. FC Lok blieb er noch eine weitere Spielserie, wo sich allerdings seine Einsatzzeiten im Kollektiv stark in Grenzen hielten. Unter dem neuen Trainer Joachim Steffens machte Jackisch kein einziges Spiel, unter Steffens‘ Nachfolger Mike Sadlo kam er nur zu zwei Kurzeinsätzen. Umso mehr machte Jackisch in dieser Saison in der Reserve-Mannschaft von sich reden. Unter Coach Jörg Seydler gehörte er in der Bezirksliga Leipzig zu den absoluten Leistungsträgern (23 Spiele, 5 Tore).

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Im Sommer 2011 folgte er schließlich den Lockrufen seines ehemaligen Nachwuchstrainers Andreas Schmidt, der Jackisch bei den A-Junioren des 1. FC Lokomotive Leipzig unter seinen Fittichen hatte. Von den Probstheidaern wechselte der Linksfuß zur SG Taucha. Doch dass dieses kurze Intermezzo nur wenige Monate andauern sollte, überraschte Jackisch selbst. In der Hinrunde der Saison 2011/12 hatte er für die SG in der Bezirksliga in elf Begegnungen sechs Treffer beigesteuert, ehe der Linksfuß nach Grimma weiterzog.

„Ausschlaggebend waren Alexander Kunert und Jan Evers, mit denen ich zusammen bei Lok kickte, beide zu dem Zeitpunkt aber schon nach Grimma zurückkehrten. Hinzu kam, dass Uwe Trommer gerade neuer Trainer beim FC wurde, unter dem ich ebenfalls bei Lok Leipzig in der Oberliga spielte“, erzählt Jackisch. „Dann ging alles ganz schnell – ich war sehr froh, dass ich mich der Herausforderung Sachsenliga stellen konnte.“

Herausforderung Sachsenliga

Sehr schnell etablierte sich Jackisch in der Stammformation des FC Grimma. Er absolvierte alle 14 Rückrundenspiele für die Muldestädter und erzielte dabei sechs Treffer. „Trotzdem war mein erstes halbes Jahr in Grimma sportlich schwierig, schließlich spielten wir bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg.“ Doch mit einem 3:2-Heimsieg über Gelb-Weiß Görlitz gelang dem FC der Last-Minute-Klassenerhalt – auch weil Konkurrent VFC Plauen II daheim gegen Radebeul nicht über ein 2:2-Remis hinauskam.

„Das war schon Wahnsinn. Wir mussten gegen Görlitz unbedingt gewinnen und Plauen durfte zeitgleich nicht siegen. Bis zehn Minuten vor Schluss lagen wir mit 1:2 zurück und waren eigentlich abgestiegen. Doch in der Schlussphase konnten wir das Ding dank der Tore von Marc Werner noch zu unseren Gunsten drehen“, schwelgt er in Erinnerungen. „Trotzdem wussten wir nach dem Abpfiff noch nicht, ob es reicht, denn in Plauen wurde noch gespielt und es stand dort 2:2“, berichtet Jackisch, als ob es gestern gewesen wäre.

„Im Anschluss daran versammelte sich die ganze Mannschaft am Mittelkreis um unseren Teammanager Tom Rietzschel herum, der am Handy hing und schon über die gesamten 90 Minuten Kontakt ins Vogtland hatte. Nach schier endlosen fünf Minuten vermeldete er: „Schluss in Plauen – 2:2. Wir haben es geschafft!“ Anschließend hatte der Jubel im Stadion der Freundschaft natürlich keine Grenzen. „Dieses Spiel und speziell diesen Augenblick werde ich nie vergessen, das alles war absolut prägend.“

Ruhigeres Fahrwasser

Glücklicherweise schipperten die Grimmaer im Anschluss daran in extrem ruhigem Fahrwasser. „In der Folgezeit kamen wir immer unter die ersten sieben Mannschaften, Jahr für Jahr steigerte sich die Qualität innerhalb der Truppe“, gibt Jackisch einen recht guten Überblick über die nächsten Jahre. „Schade war, dass wir 2016 den Aufstieg in die Oberliga am letzten Spieltag nicht realisieren konnten, als wir Chemie Leipzig nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses den Vortritt lassen mussten.“ Als Spieler reifte der mittlerweile 28-Jährige in dieser Zeit immer mehr zum Leistungsträger. Bis zum Ende der Saison 2017/18 streifte er sich in 188 Pflichtspielen das Trikot der Muldestädter über und erzielte dabei 78 Treffer – dabei oftmals ganz entscheidende.

Nicht zu toppen war jedoch die Sachsenliga-Saison 2018/19. „Dort funktionierte einfach alles“, erinnert sich Jackisch. Mit nur zwei Saisonniederlagen schaffte der FC in eindrucksvoller Art und Weise den langersehnten Aufstieg in die Oberliga, in 29 Meisterschaftsspielen erzielte Jackisch sagenhafte 30 Tore. „Die Saison war der Hammer. Vor allem, als wir nach dem 4:0-Heimsieg über Neusalza-Spremberg den Aufstieg auch rechnerisch perfekt machten, das werde ich immer in Erinnerung behalten. Es war mit Abstand meine beste Spielzeit in Grimma, auch weil die Entwicklung für viele so überraschend kam.“

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Großen Anteil hat laut Jackisch dabei Coach Alexander Kunert, der im Sommer 2018 das Traineramt von Daniel Wohllebe übernahm. „Er überlässt nichts dem Zufall, arbeitet sehr akribisch und versucht uns immer besser zu machen.“In seiner bereits zehnten Saison in Grimma fasst der Freistoß-Spezialist auch die beiden bisherigen Oberliga-Spielserien sehr positiv zusammen. „Zwar wurde die letzte Saison aufgrund der Corona-Pandemie im März vorzeitig abgebrochen, doch wir haben uns in der neuen Spielklasse insgesamt gut zurechtgefunden. Wir waren als Aufsteiger von Beginn an niemals in der unteren Region und hätten definitiv auch sportlich die Klasse gehalten.“ Jackischs 17 Saisontreffer in 18 Begegnungen taten dabei ihr Übriges.

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„Auch in dieser Saison spielen wir bisher eine richtig gute Runde. Wir sind eine eingeschworene Truppe, wo jeder auf dem Platz alles für den anderen gibt“, beschreibt er das Erfolgsgeheimnis der Mannschaft. Durch einen Muskelfaserriss konnte Jackisch allerdings nur in sechs der neun Begegnungen mitwirken – doch auch hier traf er bereits vier Mal ins Schwarze. In seiner FC-Zeit kommt der Linksfuß somit auf 246 Pflichtspiel-Begegnungen, in welchen er satte 130 Treffer für die Muldestädter beisteuerte – eine schier phänomenale Bilanz!

„Situation nervt gewaltig“

Die aktuelle Situation mit dem unterbrochenen Trainings- und Spielbetrieb „nervt zwar gewaltig, zumal weil wir das in der letzten Saison alles schon einmal hatten.“ Nichtsdestotrotz gibt sich Jackisch optimistisch und kämpferisch, dass die Saison bald fortgesetzt werden kann. „Wir arbeiten derzeit mit unseren Cyber- und Individual-Einheiten sehr konzentriert und fokussiert, auch wenn man dies natürlich nicht mit Mannschaftstraining vergleichen kann. Ziel ist es, beim Re-Start auf den Punkt gut vorbereitet und topfit zu sein, damit wir unsere bisher gute Saison fortsetzen können.“

Bleibt zu hoffen, dass Jackisch diese Ziele mit seinem Team erreichen kann. Dann wird auch der 130. Pflichtspiel-Treffer von Christoph Jackisch nicht der letzte im Trikot des FC Grimma sein.