17. November 2020 / 12:32 Uhr

FC Grimmas Coach Kunert hofft auf baldige Einkehr der Normalität: "Fußball fehlt ungemein"

FC Grimmas Coach Kunert hofft auf baldige Einkehr der Normalität: "Fußball fehlt ungemein"

Tom Rietschel
Leipziger Volkszeitung
Alexander Kunert
Alles unter Kontrolle: Alexander Kunert (v.) und Mannschaftsleiter Malte Banko. © Karsten Hannover
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Alexander Kunert, Trainer des FC Grimma, spricht im SPORTBUZZER-Interview über die aktuelle Lage, Cybertraining und den bisherigen Saisonverlauf.

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Grimma. Der Spielbetrieb in der Fußball-Oberliga pausiert. FC Grimmas Trainer Alexander Kunert sind derzeit die Hände gebunden. Wie er die aktuelle Pause überbrückt, erklärt der Coach der Muldestädter im SPORTBUZZER-Interview.

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Neun von 34 Spieltagen sind absolviert, ehe die Corona-Pandemie nun bereits zum zweiten Mal einem geregelten Spielbetrieb einen Strich durch die Rechnung macht. Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf der Mannschaft?

Als erstes muss man sagen, dass man ergebnistechnisch gänzlich zufrieden sein kann. Wir haben 17 Punkte auf der Habenseite. Das ist was, was dir erstmal keiner nehmen kann. Das mussten wir uns hart erarbeiten, zumal auch die verletzungsbedingten Ausfälle von einigen Leistungsträgern nicht die besten Vorzeichen waren. Wie die Mannschaft dies weggesteckt hat und dabei noch enger zusammengerückt ist, zeigt, dass es nur im Verbund geht. Jeder Einzelne ist wichtig und hat zu dem bisherigen Ergebnis beigetragen.

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Im Vergleich zur vergangenen Saison hat sich der Kader im Sommer nur geringfügig geändert. Mit Moritz Griesbach (Lichtenberg), Felix Mertes (FC Eilenburg) und Lukas Kunath (eigener Nachwuchs) kamen drei junge Kicker hinzu. Wie sind Sie mit der Integration der neuen Spieler zufrieden? Wie schätzen Sie ihr Leistungsvermögen ein?

Mit den drei Neuzugängen bin ich zum jetzigen Stand sehr zufrieden. Wie schnell sie sich integriert haben, zeigt, dass die Mannschaft intakt ist und ein homogenes Klima herrscht. Mit Moritz Griesbach haben wir einen willigen und dynamischen Stürmer geholt, der sich leider nach drei Spielen schwer verletzt hat, nun aber auf dem Weg zurück ins Mannschaftstraining ist. Von ihm erhoffe ich mir, dass wir noch mehr Durchschlagskraft im letzten Drittel haben. Mit Felix Mertes, der vorrangig auf der linken Abwehrseite zum Einsatz kommt, haben wir noch einmal einen Spieler bekommen, der sowohl nach vorn für Belebung sorgen kann, als auch die Abwehr stabilisiert. Den Sprung zum Stammspieler hat er aber noch nicht geschafft. Lukas Kunath, einer der Youngster, hat in den Spielen in denen er zum Einsatz gekommen ist, gezeigt, welches Talent er hat. Frei von der Leber weg, ohne großartig nachzudenken.

Insgesamt ist auffällig, dass Ihre Mannschaft von den 17 Punkten immerhin zehn auf fremden Plätzen geholt hat. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die derzeitige Auswärtsstärke?

Das kann ich mir im Moment auch nicht erklären, warum wir gerade auswärts mehr Punkte geholt haben als zu Hause. Vielleicht liegt es daran, dass wir es in den Heimspielen besonders gut machen wollen, weil mehr eigene Fans da sind. Eventuell lastet dadurch ein wenig Druck auf den Schultern der Spieler. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Weiterhin war – beziehungsweise ist – die bisherige Hinrunde gekennzeichnet von langwierigen Verletzungen einiger Leistungsträger. Wie ist der aktuelle Stand?

Bis auf Konzok, der vergangenen Freitag erstmals wieder mit Stabilisationstraining begonnen hat, sind die Spieler Schwarz, Tröger und Griesbach wieder im Mannschaftstraining oder trainieren individuell. Die aktuelle Zwangspause kommt ihnen damit zu Gute, da sie so keine Spiele verpassen.

Laut einer kürzlichen Videokonferenz zwischen dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) und den Oberliga-Klubs bestrebt der Verband im günstigsten Fall, am 23. November den Trainingsbetrieb der Vereine wieder aufleben zu lassen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Mich jetzt dazu zu äußern, würde den zeitlichen Rahmen sprengen und wäre im Nachgang eh nicht mehr zu ändern. Ich wünsche mir, dass zumindest der Trainingsbetrieb so schnell wie möglich wieder stattfinden kann, und am liebsten natürlich auch Spiele, am besten mit Zuschauern. Der Fußballsport mit all seinen Facetten, der mich drei Viertel meines Lebens begleitet – der fehlt ungemein!

Worin liegt der Fokus, wenn der Trainingsbetrieb wieder gestartet werden kann?

Im Moment hat jeder Spieler einen Trainingsplan mit Lauf- und Kräftigungseinheiten von mir erhalten. Des Weiteren werden wir zweimal in der Woche ein sogenanntes Cybertraining vornehmen. Via virtuellem Trainingsraum werden wir dort Kraft- und Stabilisationsübungen abhalten. Natürlich ist mir auch bewusst, dass dies kein Mannschaftstraining oder ähnliches ersetzen kann. Ziel ist es, damit einen gewissen Fitnesszustand zu erhalten.

Halten Sie zwei Wochen Vorbereitung vor dem Re-Start für ausreichend oder halten Sie eine weitere Woche für sinnvoll?


Das wird sich erst zeigen, wenn es wieder los geht. Wie gut hat jeder Einzelne seine Hausaufgaben gemacht, wie fit ist dann jeder? Fußballspielen verlernst du nicht in drei oder vier Wochen. Da mache ich mir weniger Sorgen.

Wenn anschließend weitergespielt wird – was sind Ihre Ziele mit der Mannschaft für die Saison 2020/21?

Man muss klar sagen, dass der Klassenerhalt im Vordergrund steht. Das ist so und wird auch so sein, wenn es wieder weitergeht. Natürlich haben wir als Mannschaft ein internes Ziel, welches wir gemeinsam vor Saisonbeginn definiert haben. Das ist aber nicht das große Ganze, sondern da geht es auch um einzelne Etappen.

Wenn es dann weitergeht, folgt das Auswärtsspiel beim heimstarken VfL Halle. Die Elf von René Behring bestimmt in dieser Saison das Niveau in der Oberliga mit. Passt Ihnen diese Ansetzung nach dem Lockdown oder hätten Sie lieber erst gegen eine Mannschaft aus der unteren Tabellenregion gespielt?

„Behre“ spielt mit seinem Team bis dato eine richtig gute Saison. Eine Mannschaft mit Erfahrung und „jungen Wilden“. Ob mir die Ansetzung passt oder nicht – am Ende spielst du gegen jede Mannschaft der Liga. Und da spielt es für mich sowieso keine Rolle, ob die Mannschaft oben oder unten in der Tabelle steht. Wir müssen jedes Spiel mit Leidenschaft, Mut und Mentalität bestreiten, sonst hast du keine Chance.

Was sind Ihre Wünsche für die kommenden Wochen und Monate?

Mein Wunsch ist in erster Linie, dass dieser Spuk bald ein Ende hat, dass wieder Normalität einkehrt. Dass die Saison ohne Abbruch zu Ende gespielt wird, es sportlich entschieden wird und nicht am „grünen Tisch“. Wir wollen weiter unseren Weg gehen, mit all seinen Höhen und Tiefen.