02. April 2019 / 22:15 Uhr

Internationale Pressestimmen zum DFB-Rücktritt von Reinhard Grindel: "Eine Erlösung"

Internationale Pressestimmen zum DFB-Rücktritt von Reinhard Grindel: "Eine Erlösung"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
So kommentiert die internationale Presse den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel.
So kommentiert die internationale Presse den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel. © Verwendung weltweit
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Die internationale Presse begrüßt den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel und bezeichnet das Ende seiner Amtszeit als folgerichtig. Zudem üben die Medien heftige Kritik an der Arbeitsweise des 57-Jährigen.

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Nach fünf Minuten hatte Reinhard Grindel sein Mea-culpa-Statement hinter sich gebracht. Fünf Minuten, in denen der gescheiterte DFB-Präsident sich auch selbst die Frage stellte: „Wie ist das passiert?“ Eine geschenkte Luxus-Uhr von einem umstrittenen Funktionärs-Kollegen aus der Ukraine hat den viel kritisierten Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) letztlich endgültig stolpern lassen. Nur 1082 Tage nach seiner Wahl zum DFB-Präsidenten ist die Amtszeit des selbst ernannten Erbauers eines „neuen DFB“ schon wieder vorbei - kürzer war in 119 Jahren DFB nur Friedrich Wilhelm Nohe von 1904 bis 1905 an der Verbandsspitze.

Die Bild schreibt davon, dass "das Amt für Grindel ein paar Nummern zu groß" gewesen sei, der Stern wird sogar noch deutlicher und meint, dass Grindel "auf ganzer Linie versagt" habe. Grindel, der bei den Medienvertretern nie wirklich hoch im Kurs stand, wird nach seinen Fehltritten von der Presse harsch kritisiert. Auch im Ausland sorgt der Rücktritt für großes Interesse. Die internationalen Pressestimmen in der Übersicht:

Pressestimmen zum DFB-Rücktritt von Reinhard Grindel

So kommentiert die internationale Presse den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel. Zur Galerie
So kommentiert die internationale Presse den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel. ©
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Uhr aus der Ukraine war nur Auslöser und nicht Kern des Problems

Schon der erste große Wunsch von Grindel als DFB-Präsident war nach wenigen Monaten passé. Aus dem EM-Titel 2016, den er sofort nach seiner Wahl als Ziel ausrief, wurde bekanntlich nichts. Vorzuwerfen war ihm zumindest das nicht. Aber Grindel ist im höchsten deutschen Fußball-Amt vor allem an sich selbst gescheitert. Der Prediger eines moralisch unantastbaren Fußball-Funktionärswesens musste sich letztlich an seinen Maßstäben messen lassen. Ob er mit diesem Malus seine Posten bei UEFA und FIFA noch bis zum Ablauf der Amtszeiten in zwei und vier Jahren behalten wird, darf ernsthaft bezweifelt werden.

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Die Uhr aus der Ukraine war aber nur Auslöser und nicht Kern des Problems. Ausgerechnet der einstige Berufspolitiker mit Bundestagsmandat stürzte schnell im Fußball-Geschäft, weil ihm in entscheidenden Situationen der richtige Instinkt und vor allem die nötigen Seilschaften fehlten. Mit seinem Führungsstil machte sich Grindel angreifbar - auch deshalb sickerten seine gravierenden Fehler nun nach und nach an die Öffentlichkeit durch.

Reinhard Grindel: Seine Zeit als DFB-Präsident in Bildern

Am 15. April 2016 wurde Reinhard Grindel auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag als neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes vorgestellt. Grindel folgte auf den am 9. November 2015 zurückgetretenen Wolfgang Niersbach. Das Motto des 41. DFB-Bundestages lautete damals Fußball ist Zukunft. Zur Galerie
Am 15. April 2016 wurde Reinhard Grindel auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag als neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes vorgestellt. Grindel folgte auf den am 9. November 2015 zurückgetretenen Wolfgang Niersbach. Das Motto des 41. DFB-Bundestages lautete damals "Fußball ist Zukunft." ©

Grindel: "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig bin"

Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und Zusammenhalt sichern, predigte Grindel als oberstes Ziel für den DFB und fiel letztlich über das Geschenk von Grigori Surkis, seinen für Ethikzweifel bekannten UEFA-Kollegen aus der Ukraine. Die wenige Tage zuvor publik gewordenen Bonuszahlungen von 78 000 Euro als Aufsichtsrat einer DFB-Tochterfirma erwähnte Grindel in seinem Rücktrittsstatement gar nicht mehr. „Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln im Zusammenhang mit der Uhr Vorurteile bestätigt habe. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig bin“, sagte Grindel.

Geldgier wäre auch lange nicht der Vorwurf gegen den gebürtigen Hamburger gewesen. Eher enorme Ungeschicklichkeit in Führungsfragen wie die unnötige Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw vor der WM 2018 und fehlendes Rückgrat, als es darum ging Mesut Özil in der Erdogan-Affäre vor rechten Parolen zu schützen, kreidete man ihm an. Schnell waren Aussagen des Politikers ausgekramt, die ihn als Integrationsgegner outeten - konträr zur ausländerfreundlichen DFB-Politik.

Zur Nachfolge-Suche sagte Amateur-Boss Koch: „Unser Ziel ist es jetzt, einen gemeinsamen Kandidaten von DFB und DFL außerhalb des Präsidiums zu finden, der die Anliegen des Amateurfußballs ebenso im Blick hat wie den Spitzenfußball.“ Rauball sieht durch den Rücktritt Grindels den Weg „für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB“ frei. Weder im Präsidium noch bei weiteren deutschen Spitzenfunktionären schien Grindel in den vergangenen Tagen noch irgendeine Form von Kredit zu haben - zu viel war passiert in den vergangenen zwölf Monaten.

DFB-Ehrenspielführer Philipp Lahm wehrte noch am Vorabend des Rücktritts Spekulationen ab, er werde Grindel beerben. „Heute ist der 1. April. So will ich das mal stehen lassen“, sagt der 35 Jahre alte Weltmeister von 2014. Gerüchte gibt es auch um ein mögliches Interesse an Ex-Profi Christoph Metzelder (38), der aber auch als Sportchef beim FC Schalke 04 im Gespräch ist.

DFB-Präsident Grindel tritt zurück

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