04. April 2019 / 20:19 Uhr

DFB-Präsident und Grindel-Nachfolger gesucht: Calmund plädiert für Rudi Völler

DFB-Präsident und Grindel-Nachfolger gesucht: Calmund plädiert für Rudi Völler

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Suche nach einem neuen DFB-Präsidenten läuft. Folgt Rudi Völler auf Reinhard Grindel?
Die Suche nach einem neuen DFB-Präsidenten läuft. Folgt Rudi Völler auf Reinhard Grindel? © imago/Eibner/Xinhua
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Nach dem Rücktritt von DFB-Boss Reinhard Grindel sucht Fußball-Deutschland einen Nachfolger. Während die ersten Namen kursieren, stehen dem DFB umfassende Strukturreformen ins Haus.

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Dürften Deutschlands Fußball-Fans entscheiden, hätte der 90er Weltmeister Rudi Völler gute Karten auf die Nachfolge des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. 35 Prozent stimmten laut einer Bild-Umfrage bei einer Auswahl von sechs Kandidaten für den früheren DFB-Teamchef und aktuellen Geschäftsführer Sport von Bayer Leverkusen, der damit auch vor den Ex-Nationalspielern Christoph Metzelder (28) und Thomas Hitzlsperger lag. In einer SPORTBUZZER-Umfrage liegt dagegen Matthias Sammer klar vorn. Der Eurosport-Experte war vom SPD-Ostbeauftragten Martin Dulig empfohlen worden.

Der ehemalige Leverkusener Fußballmanager Reiner Calmund hält Völler für einen geeigneten Kandidaten. „Der Rudi bringt alles mit, um ein perfekter Repräsentant an der Spitze des Verbands zu sein“, sagte der 70-Jährige der Rheinischen Post. Calmund schränkte allerdings ein: „Aber man muss einen solchen Job auch wollen.“ Völler hat sich bislang nicht öffentlich zu den Spekulationen um seine Person geäußert.

So reagierte Fußball-Deutschland auf den Rücktritt von Reinhard Grindel

Lothar Matthäus (Ehrenspielführer und Rekordnationalspieler bei Sky): Eine kluge Entscheidung, die Geschichte mit der Uhr und auch mit den jüngsten Zahlungen ließen keine andere Entscheidung zu. Es gab auch Uneinigkeiten und Unstimmigkeiten beim DFB. Wenn man alles zusammen nimmt, ist es die beste Entscheidung für den deutschen Fußball. Der DFB unter der Führung von Herrn Grindel hat in den letzten Monaten einiges falsch beurteilt. Eine Neuaufstellung ist dringend notwendig. Zur Galerie
Lothar Matthäus (Ehrenspielführer und Rekordnationalspieler bei Sky): "Eine kluge Entscheidung, die Geschichte mit der Uhr und auch mit den jüngsten Zahlungen ließen keine andere Entscheidung zu. Es gab auch Uneinigkeiten und Unstimmigkeiten beim DFB. Wenn man alles zusammen nimmt, ist es die beste Entscheidung für den deutschen Fußball. Der DFB unter der Führung von Herrn Grindel hat in den letzten Monaten einiges falsch beurteilt. Eine Neuaufstellung ist dringend notwendig." ©
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Der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbands, Hermann Winkler, hat dagegen wie Dulig Sammer für das Amt ins Gespräch gebracht. Der 51-Jährige „wäre ein geeigneter Kandidat für viele Dinge, weil er über so viel Erfahrung verfügt und so viele gute Sachen hinterlassen hat“, sagte Winkler in einem Interview der Sächsischen Zeitung. „Ich schätze ihn sehr. Doch ich möchte ihn jetzt auch nicht verbrennen, indem ich ihn ins Spiel bringe.“

Grindel-Rücktritt kam nicht mehr überraschend

Wer Grindel tatsächlich beerben wird, kristallisiert sich momentan aber noch nicht heraus. Der 57-Jährige war am Dienstag zurückgetreten und hatte dabei die Annahme einer Uhr bestätigt, deren Wert er mit rund 6000 Euro angab. Schon in den Tagen und Wochen zuvor hatte es heftige Kritik an Grindels Führungsstil und Krisenmanagement gegeben, so dass der Schritt nicht mehr überraschend kam.

Vor der Personenwahl sollen aber ohnehin zuerst zeitgemäße Strukturen beim DFB geschaffen werden. Eine entscheidende Frage wird sein, ob der nächste DFB-Chef weiter als Ehrenamtler den Posten ausüben soll.

Mehr zum Grindel-Rücktritt

„Mit Blick auf die aktuelle Situation ist es erst einmal wichtig, die Strukturen des DFB bis zum Bundestag im Herbst so zu gestalten, dass der zukünftige Präsident seinen Aufgaben nicht nur erfolgreich, sondern vor allem auch langfristig nachgehen kann“, sagte Rainer Koch bei einem Kamingespräch der International School of Management (ISM) in München. DFB-Vize Koch hat zusammen mit Ligapräsident Reinhard Rauball interimsweise den Chefposten des mit 7,09 Millionen Mitglieder größten Sportfachverbandes der Welt übernommen.

Transparency International fordert Strukturveränderung

Eine Strukturveränderung schlägt auch Sylvia Schenk als Anti-Korruptions-Expertin von Transparency International vor. „Einfach eine Person austauschen und alles bleibt wie's ist, bringt überhaupt nichts“, sagte sie. Schenk selbst - die 66-Jährige führte einst den Bund Deutscher Radfahrer - traut sich das Amt zu. „Wenn die Leute es wollen und reif für eine Frau sind“, sagte sie der Bild-Zeitung. Eine eigene Bewerbung schloss sie aber aus. Der „Welt“ (Donnerstag) sagte Schenk unterdessen: „Ich glaube, um dem DFB zu helfen, kann ich andere Sachen machen. Da muss ich nicht Präsidentin werden.“

Das Verhalten von Grindel machte Schenk fassungslos. „Denn egal, wie wertvoll die Uhr ist, selbst wenn es ein Fake ist, nimmt man eine Rolex-Uhr schon ob der Symbolik nicht an.“ Bei der Uhr soll es sich nicht um eine Rolex, sondern um ein Modell der Marke Ulysse Nardin handeln.

Pressestimmen zum DFB-Rücktritt von Reinhard Grindel

So kommentiert die internationale Presse den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel. Zur Galerie
So kommentiert die internationale Presse den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel. ©

Grindel-Uhr wird Ethikkommission beschäftigen

Die Uhr, die nach Grindels Angaben ein Geschenk des früheren ukrainischen Verbandschefs Grigori Surkis war, wird auch noch die DFB-Ethikkommission beschäftigen. Wie der kommissarische Vorsitzende Nikolaus Schneider der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte, werde sich das Gremium am 10. April „mit der Berichterstattung über Herrn Grindel beziehungsweise den daraus entstehenden Fragen“ beschäftigen. Die Kommission werde dann entscheiden, ob und wenn ja wie sie in der Sache weiter vorgehen werde. Weitere Vorwürfe seien der Kommission nicht bekannt. Über den Sitzungstermin der Ethikkommission hatte auch die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Nach Informationen der FAZ soll der DFB prüfen, ob er Vergütungen von Grindel für sein Aufsichtsratsmandat bei der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 zurückfordern kann. Im Raum steht eine Summe von 78 000 Euro. Grindel hatte sich in seiner Rücktrittserklärung dazu ebenso nicht geäußert wie zu seinen Mandaten bei den internationalen Verbänden FIFA und UEFA. Sie sind nicht an das Präsidentenamt beim DFB gebunden.

Der Weltverband FIFA erklärte dem Bericht zufolge, Grindel habe die Annahme des Uhren-Geschenks gemeldet. „Ich gehe davon aus, dass alle drei Organisationen - DFB, UEFA und FIFA - mögliche Verstöße von Herrn Grindel gegen die jeweiligen Ethikregeln prüfen werden“, sagte Hans-Joachim Eckert, bis Mai 2017 Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission war.

Hier abstimmen: Wer soll auf Grindel folgen?

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