11. November 2020 / 07:22 Uhr

Grizzlys-Hüne Melchiori: Die Freundin durfte nicht mitfliegen

Grizzlys-Hüne Melchiori: Die Freundin durfte nicht mitfliegen

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Julian Melchiori.
Neu bei den Grizzlys Wolfsburg: Julian Melchiori. © Grizzlys Wolfsburg
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Der Transfer zog sich über Monate, war eigentlich schon als gescheitert abgehakt. Was Tatarstan damit zu tun hat, warum Eishockey-Profi Julian Melchiori noch auf seine Freundin warten muss und was der den Grizzlys Wolfsburg bringen kann - eine spannende Geschichte.

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Julian Melchiori - 1,95 Meter groß, üver 100 Kilo schwer, er ist der letzte Schlüsseltransfer der Grizzlys Wolfsburg. Der Wechsel zog sich lange hin, was mit einer Reise zusammenhängt, die der Kanadier gar nicht antrat. Und mit der Hartnäckigkeit von Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf.

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In Binghamton, seiner letzten Station, war Melchiori Vize-Kapitän, zuvor auch schon für die Manitoba Moose in der AHL. Insgesamt bestritt er 446 AHL-Partien (89 Scorerpunkte), kam zudem zu 30 NHL-Einsätzen zwischen 2013 und 2017 für die Winnipeg Jets. Erfahrung hat er, bringt die Leadership mit, die sich die Grizzlys gewünscht haben. Und Härte auch. Wenn es sein muss. Auffällig: Melchiori sammelt nicht sonderlich viele Strafzeiten, geht aber Fights nicht aus dem Wege und sieht dann ziemlich souverän aus. In dieser Hinsicht wird er in der DEL einen alten Bekannten treffen: Augsburgs Adam Payerl, der mal einen Kampf gegen Grizzly Jeff Likens, der es drauf angelegt hatte, gewann. In der AHL bekam Payerl mal von Melchiori vor einigen Jahren eine Lektion.

AHL-Fight zwischen Grizzlys-Zugang Julian Melchiori und Adam Payerl (heute Augsburg)

Die Grizzlys hatten den Verteidiger, der für seine Größe sehr beweglich sein soll, schon seit dem Frühjahr auf dem Zettel. Er entschied sich dann für den Klub Neftekhimik Nizhnekamsk in der KHL. Sein Intermezzo in Tatarstan (Hauptstadt Kasan) war übrigens letztlich gar keins, führte aber zu einem der langwierigsten Transfers, den Fliegauf je für die Wolfsburger abwickelte, denn: „Wir wollten ihn schon im Frühjahr, wir haten öfter gesprochen, dann entschied er sich für den russischen Klub. Ich habe ihn dann aber wieder kontaktiert, als ich gesehen habe, dass er dort gar nicht spielt und er antwortete ,Sorry, Charly' und erklärte, dass er den Vertrag beim KHL-Klub im fernen Tatarstan (600 Kilometer östlich von Moskau) wegen der ungewissen Situation durch Corona nicht antreten wolle.“

Der Manager nahm es mit Interesse zur Kenntnis. Fliegauf: „Bei uns war die Tür noch auf, er musste allerdings seinen Kontrakt mit Neftekhimik noch lösen.“ Wie heißt dieser Klub aus der KHL nochmal genau? „NN“, sagt Fliegauf trocken. Neftekhimik Nizhnekamsk. Die Stadt Nizhnekamsk hat rund 240.000 Einwohner.

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Inzwischen ist der Profi in Wolfsburg, hat schon mit dem Team trainiert, dürfte am Samtag beim Wolfsburger Magentasport-Cup gegen die DEG vielleicht schon dabei sein.

Nach dem Transfer mit Hindernissen gab es zuvor noch eine Anreise mit Hindernissen für ihn. Wegen der Corona-Pandemie gelten Ausreisebeschränkungen aus Kanada. Fliegauf: „Erst durfte die Reise nicht losgehen, am nächsten Tag durfte dann seine Freundin nicht mit.“ Weil sie eben Freundin und nicht Ehefrau ist. „Aber das ist geregelt, sie kommt nach“, so Fliegauf.