21. Januar 2020 / 17:14 Uhr

Grizzlys-Shooting-Star Raabe: So läuft es für ihn in der Oberliga

Grizzlys-Shooting-Star Raabe: So läuft es für ihn in der Oberliga

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
steven raabe montage
Shooting-Star in Wolfsburg, jetzt starker Verteidiger in Hannover (r.): Steven Raabe spielt bei den Indians eine tragende Rolle. © Boris Baschin / Florian Petrow
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Er war der Shooting-Star der Grizzlys Wolfsburg in der vergangenen Saison, hatte viele Einsätze in der DEL. Da war Steven Raabe erst 17. Er will Profi werden – die Ochsentour auf dem Weg dorthin läuft für den Schüler jetzt erst richtig – „nach einem verrückten Jahr“. Bei Oberligist Hannover Indians verdient er sich nun seine richtigen Sporen im Männer-Eishockey.

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Raabes erstes Tor für Hannover war ein spezielles

Enorme Personalnot hatte den Nachwuchsspieler bei den Grizzlys hochgespült. Coach Hans Kossmann hatte Potenzial in dem begabten Angreifer gesehen. Doch weil Raabe als Stürmer in der DEL die Physis gefehlt hätte, er aber schnell, geschickt und clever ist, schulte er ihn zum Verteidiger um. Zur neuen Saison war klar, dass Raabe kaum mehr Eiszeit in der DEL bekommen würde. Spielpraxis woanders zu sammeln – irgendwie ein Rückschritt. Doch in Gesprächen mit den Grizzlys-Verantwortlichen reifte die Überzeugung, dass das der richtige Weg sein könnte.

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Manager Charly Fliegauf prüfte diverse Optionen, die Entscheidung fiel in Absprache mit Raabe auf Oberligist Hannover Indians, wo mit Lenny Soccio ein DEL-erfahrener Ex-Profi das Sagen hat. Raabe begeistert: „Mit ihm komme ich gut klar, er gibt mir Vertrauen, und ich hoffe, ich zahle ihm das auch zurück.“ Die Zahl der Einsätze (32) spricht für sich. Raabe ist praktisch immer dabei, hat inzwischen zwei Tore geschossen, neun Vorlagen gegeben, ist nach Punkten der zweitbeste Verteidiger. Und: Weil er inzwischen 18 ist, spielt er nun ohne Gitter

Beim 1:0 gegen Krefeld schoss er sogar das Tor des Tages. Ein besonders schöner Moment, denn es war das Teddybear-Toss-Spiel, danach flogen die Plüschtiere für den guten Zweck aufs Eis. „Es läuft ganz gut“, sagt Raabe, „ich spiele in den Special Teams, bin gefühlt bei jedem zweiten Wechsel auf dem Eis. Die Tore sind ein schöner Nebeneffekt, meine Aufgabe ist eher, das Toreverhindern.“

Jetzt geht es auch mal gegen Holländer

Kassel wäre auch eine Option gewesen. Doch abgesehen von der Frage, ob der Zweitligist ihm genug Eiszeit hätte gewähren können, wären dort die Reisen zu weit gewesen. Denn der Gymnasiast soll und will die Schule zu Ende bringen. Die Strecke Hannover-Salzgitter, wo er zu Hause ist, kann der 18-Jährige gut bewältigen. Und anders als in der Vorsaison, als ihn die Eltern oder Grizzlys-Nachwuchsmitspieler Jakob Ceglarski (jetzt auch bei den Indians) oft chauffierten, kann er nun allein fahren. Den Führerschein hat er, ein Auto stellt ihm sein Stammverein, die Grizzlys, wo er Kadermitglied ist. Ab und an ist er auch in Wolfsburg beim Training, stand sogar schon wieder zweimal im DEL-Spielkader, hatte dabei einmal auch Eiszeit.

Tilburg Trappers in den Niederlanden, Krefeld Juniors, Duisburger Füchse, Halle heißen jetzt die Gegner. Und natürlich Hannover Scorpions – das Stadtduell, das die Halle am Pferdeturm und das Icehouse in Mellendorf wie in früheren höherklassigen Jahren beider Teams immer noch zum Kochen bringt. Trotzdem verfolgt Raabe natürlich weiterhin die Grizzlys. „Ich schaue mir auf Magentasport möglichst alles an.“

Raabes Weg ins Profi-Eishockey hat jetzt erst richtig begonnen. Und die erste dezente, verständliche Enttäuschung, nicht mehr so oft in der DEL aufzutauchen, ist längst einem neuen Selbstbewusstsein gewichen. Raabe: „In Wolfsburg kann ich mich doch zum Beispiel mit einem Jeff Likens nicht messen, aber in der Oberliga kann ich mit den besten Spielern mithalten.“ Wobei dort durchaus gute Akteure spielen, viele haben mehr DEL-Erfahrung als der junge Grizzly. Sein Plan: "Ich nehme mir vor, dass die Oberliga eine Station ist." Die kann er gut mit der Schule verbinden. Im Mai steht das Abitur an. "Danach möchte ich sportlich höher hinaus. DEL 2 oder DEL sind mein Ziel. Die Leistungen müssen dafür natürlich stimmen."

Weder bei seinem Stamm-Klub noch im Nationalteam ist er aus dem Blick geraten. Vergangene Saison hatte ihn seine DEL-Erfahrung ins U18-DEB-Team gebracht. Zuletzt stand Raabe auf Abruf bereit für die U20-WM und wurde nun für das Fünf-Nationen-Turnier Anfang Februar in die deutsche U19 berufen. Zudem schaffte er im vergangenen Jahr mit der U18-Nationalmannschaft den Aufstieg in die Eliteklasse, gewann Gold bei der B-WM.

Teamevent der Grizzyls Wolfsburg

So lief das Team-Event der Grizzlys Wolfsburg. Zur Galerie
So lief das Team-Event der Grizzlys Wolfsburg. ©

Pfohls Zauber-Penalty in den Top Ten

Erst am Sonntag, 2. Februar (19 Uhr) gegen Herne haben die Indians ihr nächstes Heimspiel, die Grizzlys spielen dann auswärts. Auf Wolfsburg wartet das nächste Heimspiel bereits am kommenden Sonntag (19 Uhr) gegen Spitzenreiter München. Vielleicht hat der jüngste Heimerfolg Auftrieb gegeben. Das 2:1 gegen Bremerhaven stellte Fabio Pfohl mit einem traumhaften Penalty sicher. Der findet sich auf Platz neun der DEL-Top-Ten wieder.

Die MagentaSport-Top-Ten der DEL-Woche 17 
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Das Video wurde von MagenaSport zur Verfügung gestellt.