14. Januar 2021 / 19:46 Uhr

Grizzlys Wolfsburg: Cortina braucht einen Sieg, sonst droht ihm das Aus

Grizzlys Wolfsburg: Cortina braucht einen Sieg, sonst droht ihm das Aus

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Foto: Boris Baschin, Wolfsburg, SPORT, Eishockey, Grizzlys Wolfsburg - Kölner Haie
Ein Sieg ist dringend nötig: Ansonsten droht Grizzlys-Coach Pat Cortina (M.) das Aus. © Boris Baschin
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Die Iserlohn Roosters kommen - und mit ihnen erstmals Ex-Wolfsburg-Liebling Brent Aubin zurück zu den Grizzlys. Er will einen Sieg mit seinen neuem Team bei Wolfsburgs Eishockey-Erstligist und bei dem droht Coach Pat Cortina das Aus.

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Auch nach üblen Auftritten bezieht Charly Fliegauf in der Regel Stellung. Nach dem 1:2 n. V. gegen die Düsseldorfer EG am Mittwoch blieb Wolfsburgs Manager aber wortkarg. Und das verheißt nichts Gutes. Höchst unbefriedigende Auftritte und Ergebnisse, im Grunde läuft ein Ultimatum für den Trainerstab, das in erster Linie Chefcoach Pat Cortina und Co-Trainer Petteri Väkiparta betreffen könnte. Die Partie am Freitag (18.30 Uhr) gegen die Iserlohn Roosters, sie könnte die letzte sein für Cortina als Coach der Grizzlys.

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Das Ultimatum: „Schnell“ hatte Fliegauf vergangene Woche Veränderungen gefordert. Defensiv war es gegen Düsseldorf ein wenig besser als zuvor, doch alles andere war fast ein Offenbarungseid. Unsicher wirkte das Team, ungenau, ideenlos, die Körpersprache war schlecht, das Powerplay schwach. Mit „schnell“ hatte Fliegauf sicher nicht gemeint, dass im folgenden Spiel ein Wunder passieren muss. Allerdings sollte nun zwei Tage später etwas erkennbar werden. Danach könnte eine Analyse erfolgen, denn es ist wieder bis Mittwoch Pause.

Die Serien: Es ist nicht die erste Negativ-Serie. Früh in der vergangenen Saison setzte es mal sieben Pleiten am Stück, zum Ende noch einmal fünf in Serie. Jüngst folgten nach einem Sieg im Liga-Cup fünf Pleiten am Stück und in der DEL ging es mit einem glatten Sieg los – gegen Schlusslicht Krefeld. Es blieb der einzige Drei-Punkte-Sieg.

Bei den Fans hatte Cortina nie Kredit, in den sozialen Medien steigert sich die Kritik am schlechten Spiel und an seiner zu passiven Art an der Bande mal wieder.


Das Team: Die Grizzlys haben mit die längste Vorbereitungszeit aller Teams gehabt, sie gelten als das vielleicht teuerste Team im Norden, weil im Gegensatz zu anderen Klubs hier der Kader früh stand (andere Teams konnten ihre Kader spät günstiger füllen). Und andere Vereine vereinbarten teils Gehaltsreduktionen um bis zu 60 Prozent. So weit runter ging es in Wolfsburg nicht.

Bei den Grizzlys enttäuschen viele vermeintliche Leistungsträger. Von den neuen Import-Feldspielern macht Verteidiger Julian Melchiori einen guten Eindruck, als einziger. Alle anderen – nichts Besonderes. Und das ist von Import-Spielern, von Phil Bruggisser, Max Görtz, Matti Järvinen oder Jordan Boucher zu wenig. Und auch die meisten schon länger in Wolfsburg spielenden Akteure sind maximal durchschnittlich unterwegs. Überzeugend sind Jeff Likens in seinem letzten Karriere-Jahr und die Youngster Valentin Busch und Jan Nijenhuis.

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Das Schweigen: Dass die Grizzlys so gut sind, wie viele – nicht nur die Verantwortlichen – dachten, ist bislang nicht erkennbar. Der Trainer ist das schwächste Glied in der Kette. Ex-Kapitän Tyler Haskins, der gerade erst in eine Trainer-Karriere einsteigt und Torwarttrainer Ilari Näckel dürften fester im Sattel sitzen als der Chef und sein Wunsch-Co-Trainer Väkiparta. Auffällig: In der Sieben-Spiele-Serie in der vergangenen Saison stellte sich Fliegauf offensiv hinter Cortina, damals folgte sofort ein Sieg. Diesmal forderte er „schnell“ Veränderung. Und blieb wortkarg, teilte gestern nur mit: „Wir wollen uns ohne große Kommentare vorbereiten.“

Kandidaten: Cortinas Vertrag läuft aus, die Abfindung würde nicht mehr so hoch ausfallen. Fliegauf ist immer in der Lage, einen Neuen zu finden. Ein denkbarer Nachfolge-Kandidat: Mike Stewart, der mit Bremerhaven und Augsburg Riesenerfolge hatte. Bis Saisonende steht er noch in Köln unter Vertrag, wo er in der vergangenen Saison nach Rekord-Pleiten-Serie beurlaubt worden war. Finanziell sollte es lösbar sein – zumal als längerfristige Lösung. Kölns Pleitenserie von 17 Spielen (!) endete damals übrigens mit einem krachenden 5:0 gegen Wolfsburg.

Pikantes Wiedersehen: Womöglich schießt Brent Aubin die Grizzlys noch tiefer in die Krise. Wolfsburg wollte ihn nicht mehr, die Iserlohner aber einen Zielspieler im Powerplay. Nun hat Aubin vier Powerplay-Tore (fünf insgesamt) und acht Scorerpunkte, mehr als jeder Grizzly. Der langjährige Wolfsburger Publikumsliebling sagt vor der ersten Rückkehr: „Nach dem plötzlichen Ende ohne Play-Offs und ohne richtigen Abschied ist es nun auch eine traurige Rückkehr. Ohne Fans, ohne meine Familie, die sicher auch mitgekommen wäre, ist es nicht das Gleiche.“ Aber: Er fühle sich superwohl in Iserlohn, „die Atmosphäre ist so gut, wie ich sie auch in Wolfsburg erlebt habe. Spiele bei den Grizzlys werden für mich immer besonders bleiben. Aber ich komme zurück, um mit den Roosters zu gewinnen.“