26. Mai 2020 / 18:29 Uhr

Grizzlys Wolfsburg: Gehaltsverzicht durch, Saison-Aus für die DEL aber nicht ausgeschlossen

Grizzlys Wolfsburg: Gehaltsverzicht durch, Saison-Aus für die DEL aber nicht ausgeschlossen

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
 Grizzlys-Manager Charly Fliegauf.
Erleichtert: Grizzlys-Manager Charly Fliegauf hat nach vielen Gesprächen die Lizenzunterlagen und die Zustimmung zum möglichen Gehaltsverzicht seiner Profis komplett. © Boris Baschin
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Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg hat laut Manager Charly Fliegauf seine Lizenzunterlagen inzwischen komplett abgegeben. Inklusive der Unterschriften für den umstrittenen geplanten Gehaltsverzicht, um den bei einigen Klubs noch gestritten wird. Die Corona-Krise liegt als Schatten über der Zukunft der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

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Unabsehbare finanzielle Einbußen

Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf hatte lange geschwiegen, weil hinter den Kulissen eifrig an dem Plan gestrickt worden war, zu dem sich die DEL-Klubs kurzfristig bekannt hatten: zu sparen, weil auf sie unabsehbare finanzielle Einbußen durch nicht anlaufenden Dauerkartenverkauf, zu erwartende Sponsorenverluste und geringere Zuschauerzahlen (auch durch möglicherweise verkürzte Saison) zukommen. Fliegauf bestätigte die Grundzüge: Spieler, die Zwölf-Monats-Verträge haben, gehen, wenn sie nicht wie jüngst Trainingsphasen haben, in Kurzarbeit mit einer Gehalts-Obergrenze von 2900 Euro. Die Topverdiener bei den Grizzlys erhalten normalerweise ein knapp fünfstelliges Monatsgehalt. Insgesamt soll jeder Akteur auf bis zu 25 Prozent Gehalt verzichten, es sei denn, die Klub-Einnahmen erreichen das Vorjahres-Niveau.

Auch Fliegauf verdient weniger

Kolportiert wurde zuletzt, dass Trainer und Manager in den Klubs nicht mitziehen. Fliegauf: "Für uns kann ich das nicht bestätigen. Bei uns trifft es alle, ich beteilige mich auch." Er bestätigt damit auch, was Kapitän Sebastian Furchner schon gegenüber dem SPORTBUZZER erklärt hatte: Man regele das im Grizzlys-Stil, nämlich gemeinsam.

Das letzte Training vor dem Saisonabbruch

Die Ausarbeitung brauchte Zeit bis nach dem eigentlichen Stichtag, der am Sonntag war. "Denn es waren viele Parameter zu bedenken", so der Manager. Sprich: Jeder Spieler war einzeln zu betrachten, weil die Verträge ganz unterschiedlich sind - und die persönlichen Belange auch. Beispielsweise bekommen manche vertraglich ein Auto gestellt, andere nicht. Manche haben Wohnungen vom Klub, andere nicht. Manche haben mehrere Kinder, manche keines. In vielen Gesprächen arbeiteten Fliegauf und Finanz-Geschäftsführer Hartmut Rickel die Details mit den Spielern aus.

Am Ende habe laut Fliegauf alles gepasst "und wir haben damit die Voraussetzungen geschaffen, dass wir die Lizenz erhalten, dass wir spielen können. Und ich finde es gut, dass wir das als Einheit hinbekommen haben. Das schweißt auch zusammen."

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Wolfsburg hat damit Basics geschaffen. So weit sind noch nicht alle Klubs. Fliegauf war als Sprecher der Sportkommission (Zusammenschluss der Sportlichen Leiter in der DEL) viel gefragt in den vergangenen Tagen. Nicht nur von seinen Grizzlys. Er hofft, "dass wir auch ein wenig Vorreiter sind. Letztlich müssen alle Klubs in dieses Boot."

Saisonausfall als Worst-Case-Szenario nicht ausgeschlossen

Jetzt gelte es für den Klub, die Zukunft weiter zu planen, in Gesprächen mit der Stadt auszuloten, unter welchen Bedingungen gespielt werden kann. Die Einreichung der Unterlagen sei letztlich nur der allererste Schritt. "Jetzt geht es erst einmal darum, in den Herbst zu kommen", sagt Fliegauf. Und dann müsse sich zeigen, wie es um die Epidemie stehe und wie Eishockey möglich ist. Eine Saison ohne Zuschauer - aus seiner Sicht für alle Klubs "unmöglich". Dann würde es zum Saisonausfall kommen. Er sagt aber auch: "Das ist das Worst-Case-Szenario, das sehe ich noch nicht."