13. Januar 2020 / 20:28 Uhr

Heimkomplex: Verspielen die Grizzlys so erneut die Play-Offs?

Heimkomplex: Verspielen die Grizzlys so erneut die Play-Offs?

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Manager Charly Fliegauf sieht die Play-Off-Teilnahme in Gefahr: Denn in Wolfsburg jubeln zu oft die anderen (hier Ingolstadt). Die Heimschwäche samt immer wieder stark schwankenden Leistungen machen ihn sehr nachdenklich.
Nachdenklich: Die vielen Heimniederlagen (hier feiert Ingolstadt in Wolfsburg) geben Grizzys-Manager Charly Fliegauf zu denken. © Boris Baschin
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Sie stehen noch auf einem Play-Off-Platz, aber nach zuletzt nur vier Punkten aus vier Spielen ist die Lage kritisch bei Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg. Zumal die Wolfsburger offenbar einen Komplex haben.

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Konstanz ein Fremdwort

Die Grizzlys Wolfsburg sind im Eishockey-Oberhaus wieder wacklig geworden. Und unabhängig von den Ergebnissen liest sich die Leistungskurve wie eine Achterbahn. Konstanz – ein Fremdwort. Noch schlimmer: die Heimschwäche. Manager Charly Fliegauf ahnt: „Wenn wir die nicht in den Griff bekommen, wird es eng mit den Play-Offs.“ Heimkomplex bei den Grizzlys - sollte er zum zweiten Mal in Folge die Play-Off-Teilnahme kosten?

Eis-Arena ein Selbstbedienungsladen

Die Eis-Arena ist ein Selbstbedienungsladen, in eigener Halle ist nur Kellerkind Krefeld schlechter. Nur zwei Teams trafen in eigener Halle seltener als der Neunte. Warum das so ist, warum auswärts zudem die Leistungen oft viel stabiler sind, „darauf habe ich von den Spielern noch keine Antwort bekommen, mit der ich etwas anfangen kann“, sagt Fliegauf. Auch die Profis rätseln. Auswärts wirken sie meist fokussierter, halten ihr Spiel einfacher, sind bissiger. „Zu Hause“, so hat der Manager ausgemacht, „wird es leichter mal zu kompliziert, wenn es nicht laufen will.“

Er nimmt die Spieler in die Pflicht: „Es liegt an ihnen selbst, entsprechend vorbereitet zu sein. Und dem Gegner klarzumachen: ,Das ist unsere Halle, unser Eis, hier gibt es nichts zu holen.’“

Zumal man sich mit kleinen Dingen, „guten Pässen, gewonnenen Zweikämpfen, zu Ende gefahrenen Checks, auch das Selbstvertrauen“ in einem Spiel holt. Doch das klappt offenbar auswärts einfach besser. In Mannheim etwa hatten die Wolfsburger einen Fuß zum Punktgewinn in der Tür. Eine Woche vorher hatten sie bei Meister München gewonnen. Jeweils zuvor hatte ein ganz müdes Spiel mit zwei Punkten (1:0 n. V.) gegen Augsburg und ein Debakel gegen Ingolstadt (1:7) gestanden.

Satt Punkte gibt es nur gegen Kellerkinder

Im Dezember war es ganz gut gelaufen. Da hatte Wolfsburg aber auch ein paar leichte Spiele. Die Grizzlys schnitten am besten gegen die Schlechtesten ab (36 von 45 möglichen Punkten gab es gegen Krefeld, Iserlohn, Schwenningen, Augsburg und Nürnberg), nur mickrige 13 Zähler von 66 möglichen gab es gegen Teams aus den Top Acht (davon sechs auswärts).

Aus den vergangenen vier Spielen kamen vier Zähler, aus den vergangenen sieben genau sieben: Ein Punkt pro Spiel, das dürfte kaum reichen. Der Manager warnt: „Wir dürfen uns nicht darauf ausruhen, dass wir auf die Tabelle schauen und sagen, die Konkurrenz hat auch nicht mehr geholt.“ Augsburg und Nürnberg (auf dem ersten Nicht-Play-Off-Platz) haben nur drei Zähler Rückstand, das 1:7 gegen Ingolstadt war Gift fürs Grizzlys-Torverhältnis.

„Wir haben die Qualität, zu Hause besser zu spielen“, sagt Fliegauf – warum es so selten gelingt, das bleibt ein Rätsel.

Fliegauf fordert: "Fans mitnehmen!"

Vor dem 5:6 n. V. gegen Berlin hatte sich Fliegauf mehr Spektakel und mehr Siege in eigener Halle gewünscht. Ein Spektakel kam, Heimsiege gegen Kellerkinder auch. Mehr nicht. Fliegauf: „Die Mannschaft tut nicht genug dafür, dass die Kulisse aufwacht. Pucks zum Tor, Schüsse, einfache Spielzüge. Wenn es gelingt, die Fans mitzunehmen, kann man auch von der Atmosphäre profitieren.“ Weiterer Heimgrusel wird (zuletzt erstmals laut pfeifende) Fans kosten – und wahrscheinlich die Play-Offs.

Grizzlys Wolfsburg - ERC Ingolstadt

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Grizzlys Wolfsburg - ERC Ingolstadt © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Furchner wird fit, Fragzeichen bei Likens und Button

Am Wochenende warten wieder schwere Gegner auf die Grizzlys – in Straubing und gegen Bremerhaven. Die Ausbeute (null von sechs möglichen Zählern gegen Straubing, zwei von sechs gegen Bremerhaven) ist mager. Ob Coach Pat Cortina personell mal wieder Auswahl haben wird, ist offen. Die gute Nachricht: Sebastian Furchner dürfte zurückkehren, vielleicht reicht es auch für Lucas Lessio, der auf einem guten Weg war, nun aber seit mehreren Tagen nicht trainieren konnte wegen eines Magen-Darm-Infektes. Und die Partie in Mannheim könnte auch Folgen haben. Jeff Likens erlitt eine Prellung bei einem Sturz in dessen Folge Adler Ben Smith auf ihn gestürzt war. Likens war einmal kurz in die Kabine gegangen, konnte aber weiterspielen. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich der Zustand des eisenharten Dauerbrenners (fehlt fast nie) entwickelt. Ryan Button hatte einen Check direkt vor Mannheims Angriff zum Siegtreffer einstecken müssen, mühte sich danach vom Eis. Auch bei ihm gilt es abzuwarten.

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