07. Januar 2022 / 16:54 Uhr

Grizzlys Wolfsburg in Quarantäne: "Die Durchschlagskraft kam schon etwas überraschend"

Grizzlys Wolfsburg in Quarantäne: "Die Durchschlagskraft kam schon etwas überraschend"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sport, Eishockey, DEL, Grizzlys Wolfsburg-Mannheim Adler, Saison 2021/22, Eis Arena, 28.12.2021,
"Durchschlagskraft kam überraschend!" Das sagt Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf zur Corona-Quarantäne der Grizzlys. © Boris Baschin
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Sie waren extrem gut durchgekommen. Doch nun hat es auch den deutschen Eishockey-Vizemeister und aktuellen Tabellenzweiten Grizzlys Wolfsburg erwischt: Team und Trainerstab sind seit Donnerstag in Corona-Quarantäne. Das sagt Manager Charly Fliegauf, das sagt Kapitän Sebastian Furchner.

Sie waren extrem gut durchgekommen. Doch nun hat es auch den deutschen Eishockey-Vizemeister und aktuellen Tabellenzweiten Grizzlys Wolfsburg erwischt: Team und Trainerstab sind seit Donnerstag in Corona-Quarantäne. Die für dieses Wochenende vorgesehenen Partien gegen Krefeld (Freitag) und in Augsburg (Sonntag) müssen verlegt werden. Auch die Austragung der beiden Spiele am nachfolgenden Wochenende ist derzeit noch ungewiss. Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf: „Wir mussten damit rechnen, dass es uns auch irgendwann trifft, die Durchschlagskraft allerdings kam schon etwas überraschend.“

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Fliegauf vermutet eine Kettenreaktion, ist deshalb auch grundsätzlich froh, „dass diese Kette durch unsere Pause unterbrochen wird“. Worauf er anspielt: Am 30. Dezember hatte München gegen Iserlohn gespielt, kurz danach meldeten die Roosters, die schon einige Wochen zuvor einmal Partien aussetzen mussten, positive Fälle: 25 Aktive und Stabmitglieder gingen in Quarantäne. Am Sonntag spielte München in Wolfsburg, am Montag meldete München positive Corona-Fälle, ging in Quarantäne, die CHL-Partie in Tampere (Finnland) wurde abgesetzt. München informierte Wolfsburg, bei den Grizzlys, die am Montag und Dienstag nicht trainierten, fielen die Tests am Montag, Dienstag und am Mittwoch vor Trainingswiederaufnahme negativ aus. Am Donnerstag gab es dann mehrere positive Fälle. Fliegauf: „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich die Infektionskette über Iserlohn und München zu uns fortgesetzt hatte.“

Ob es sich bei den Grizzlys um die als hochansteckend geltende Omikron-Variante des Covid-19-Virus handelt, gibt der Klub nicht bekannt. Auch nicht die Zahl der Infizierten. Fliegauf hält sich auch ganz bewusst zurück, weil die Lage dynamisch ist. Am Montag gibt es die nächsten Tests. Die Inkubationszeit beträgt mehrere Tage. Umgekehrt gilt: Wer dann nicht positiv ist, dürfte es aus diesem Infektionsgeschehen heraus auch nicht mehr werden. Das weitere und genaue Vorgehen liegt in den Händen des Gesundheitsamtes im Zusammenspiel mit den Hygienebeauftragten und der Geschäftsführung der Grizzlys Wolfsburg.


Über das Wochenende machen die Spieler nichts, das weitere Vorgehen entscheide sich ab Montag, über die Grizzlys-Chatgruppe halten die Profis und Offiziellen untereinander Kontakt, der Manager hält sie über neueste Entwicklungen auf dem Laufenden. Fliegauf: „Über allem steht die Gesundheit der Spieler.“ Nach Klub-Angaben geht es den betreffenden Personen den Umständen entsprechend gut.

Am kommenden Freitag hätten die Grizzlys Iserlohn auf dem Spielplan, das Team der Roosters ist noch in Quarantäne. Wie es für Wolfsburg weitergeht, ist offen, dass dieses Spiel stattfindet, ist unwahrscheinlich. Am Sonntag in einer Woche ginge es nach Bremerhaven, im Hinblick auf die übliche Quarantäne könnte möglicherweise auch diese Partie nicht ausgetragen werden. Ohne jedes Training ergibt ein Einstieg keinen Sinn, die positiv getesteten Spieler fehlen in jedem Fall, weil sie ein Return-to-Play-Programm durchlaufen müssen.

Allerdings: Die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz am Freitagnachmittag lassen die Chancen steigen, dass die Pausen kürzer werden. Geboosterte Akteure, davon haben die Grizzlys einige, können demnach bei Symptomfreiheit die Quarantäne verlassen, andere nach zehn statt wie bisher 14 Tagen - diese Frist könnte je nach Vorgaben vor Ort und Testung auf sieben Tage verkürzt werden. Nach DEL-Regularien muss ein Team mit zehn gesunden Feldspielern antreten. Ab wann die neuen Quarantäne-Regeln gelten, müssen die Länderparlamente aber noch festlegen.

Spielplantechnisch war es immer enger geworden, einige Klubs hinken ein halbes Dutzend Partien hinterher. Darunter auch der kommenden Wolfsburg-Gegner Augsburg, aber auch für Iserlohn wird es immer enger. In der Liga werden Stimmen lauter, den Abstieg noch einmal auszusetzen. Etwa von Nürnbergs Sportdirektor Stefan Ustorf, der auch glaubt: „Es wird sehr, sehr schwer für alle Beteiligten, eine komplette Saison zu spielen.“

Offen ist, ob alle Partien nachgeholt werden können, oder aber – das ist so verankert – der ungeliebte Quotient zum Tragen kommt. Fliegauf: „Es ist weiterhin das Ziel, alle Partien auszutragen.“ Ersatztermine sind schon vorgesehen - am 18., 20., 22., 23. und 24. Februar der ursprünglich bis zum 25. angesetzten Olympiapause. Da lauert allerdings auch eine Tücke: Weil die Profis aus Nordamerika keine Freistellung bekommen, werden mehr DEL-Spieler als ursprünglich erwartet zu den Olympischen Spielen fahren. Klubs mit vielen Abstellungen werden ungern in der Olympiapause spielen wollen.

Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner sagt: "Die Situation ist wie sie ist. Sie ist schwierig für die Liga. Aber wir als Team nehmen die Situation an, wie sie ist, das haben wir schon letzte Saison getan und auch in dieser Saison. Wir sind ein gefestigtes Team und brennen darauf, die Situation hinter uns zu lassen und wieder zu spielen. Natürlich schauen wir auch auf die MP-Konferenz und eine eventuelle Neuregelung der Quarantäne-Regelung. Dazu werde ich die Jungs updaten."

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