08. Januar 2020 / 18:03 Uhr

Grizzlys Wolfsburg: Warum die Eishockey-Profis nicht rechnen sollen

Grizzlys Wolfsburg: Warum die Eishockey-Profis nicht rechnen sollen

Jürgen Braun und Yannik Haustein
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
SPORT, Eishockey, Grizzlys Wolfsburg - ERC Ingolstadt, DEL, Saison 2019/20, Britta Schulze; Wolfsburg
Gelingt ein zweiter Heimsieg gegen Ingolstadt? Dann könnten Gerrit Fauser (r.) und die Grizzlys Wolfsburg am Freitag in der Tabelle klettern. © Britta Schulze
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Der Play-Off-Platz wurde ein wenig gefestigt, doch für Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg wird der Druck nicht weniger. Gut: Vor dem Heimspiel am Freitag (19.30 Uhr) gegen den ERC Ingolstadt verbessert sich die Personalsituation.

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Mathis Olimb, der in der Partie gegen Augsburg verletzt aufgeben musste und am Sonntag in München gefehlt hatte, trainierte am Mittwoch voll mit, er dürfte wieder zur Verfügung stehen. Jan Nijenhuis ist von der U20-WM zurückgekehrt. Aus der Formation des starken Auftritts beim 5:4-Erfolg in München dürfte deshalb mindestens ein Akteur weichen, Center Olimb ist gesetzt, wenn er fit ist. Nijenhuis könnte einen der drei U23-Akteure Valentin Busch, Maxi Adam oder Eric Valentin verdrängen.

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Was passiert, lässt Coach Pat Cortina offen, ist aber froh, "denn das sind Probleme, die man gern hat". Vielleicht kehrt sogar Alexander Johansson zurück. Der hat schon ein wenig individuell trainiert, war aber am Mittwoch krank. Kehrt auch der vor seiner Verletzung starke Schwede zurück, dürfte sich das U23-Kontingent im Startkader auf zwei reduzieren. Lucas Lessio und Sebastian Furchner trainierten in weißen Trikots (kein Körperkontakt), an diesem Wochenende spielen sie noch nicht.

Einige Akteure kehren in den seit Wochen dünnen Kader zurück - grundsätzlich ist das gut. Routinier Garrett Festerling: "Wettstreit um die Plätze im Startkader ist positiv. Das sollte pushen." Allerdings, so wissen er und Cortina, die Comebacks haben auch Tücken.

"Ich gehe fest davon aus, dass es sich positiv auswirkt, aber es birgt eben auch das Risiko, dass sich vielleicht Spieler zurücklehnen. Oder dass der eine oder andere, der vorher viel Eiszeit hatte, nicht seine Leistung abruft, weil er nun weniger hat. Die Rolle annehmen, vielleicht drei, vier Minuten weniger Eiszeit haben, aber als Team vielleicht noch besser zu sein, so sollte es angegangen werde", so Cortina.

In München stellte das Team seine Möglichkeiten unter Beweis und zeigte (nach dreimaligem Rückstand) einen Riesencharakter. Die Grizzlys wären dort sogar mit voller Kapelle Außenseiter gewesen, nahmen aber zwei Punkte mit.

Was Cortina beeindruckte: "Dass wir da den Mut hatten, zu spielen." Er meinte: "das eigene Spiel aufzuziehen, nicht so zögerlich und passiv zu sein wie gegen Augsburg, wobei da am vergangenen Freitag die Mentalität gepasst hatte." Die Grizzlys gaben hinten wenig her, holten sich am Ende einen Sieg in der Overtime.

Jetzt, so Cortina, gelte es, die sichtbare Entwicklung zu unterstreichen, denn die Wolfsburger punkten seit Wochen konstant, streuten aber immer wieder arge Leistungsschwankungen ein. Der Coach sagt: "Können wir es noch mal so gut machen wie in München? Das ist die Frage! Sind wir so weit?"

Teamevent der Grizzyls Wolfsburg

So lief das Team-Event der Grizzlys Wolfsburg. Zur Galerie
So lief das Team-Event der Grizzlys Wolfsburg. ©
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Der Druck wird nicht weniger, denn die Zahl der Spiele wird immer kleiner, die Chance, eine Schwächephase auszubügeln, kürzer. Schwächephasen können und wollen sich die Wolfsburger nicht mehr erlauben. Und: Sie dürfen jetzt sogar mal ein bisschen nach oben schauen, nicht nur in den Rückspiegel.

Das allerdings, so mahnt Coach Pat Cortina, ist eigentlich verboten. Sprich: Die Fans dürfen rechnen, die Mannschaft sollte sich auf ihr Spiel konzentrieren. "Ergebnisfieber" nennt der Coach das, was zu beobachten ist, wenn die tabellarische Situation vielversprechend aussieht und die Mannschaft auf dem Eis verkrampft wirkt.

Mit Blick auf die Tabelle ist wie zuletzt so viele Spiele auch die Partie gegen Ingolstadt ein Schlüsselspiel: Die Panther haben nur sechs Punkte mehr, Wolfsburg könnte den Druck auf den Sechsten also erhöhen. Und sich selbst in den Kampf um diesen sicheren Viertelfinal-Platz schieben (und die erste Play-Off-Runde der Teams auf den Plätzen sieben bis zehn vermeiden).

Zudem könnte man vielleicht schon Düsseldorf oder Köln auf den Rängen acht und sieben überholen. Und man könnte den Abstand zum Zehnten und Elften ausbauen oder zumindest halten. Die vier Konkurrenten um Wolfsburg haben allesamt ein Spiel weniger ausgetragen. Und dieser scheinbare Nachteil der Grizzlys ist gar keiner: Denn in den nachzuholenden Spielen stehen sich Düsseldorf und Augsburg sowie Köln und Nürnberg gegenüber. Zukunftsmusik.

Cortina: "Wir sind in den vergangenen Wochen stärker geworden, auch mental stärker, aber: Wir sind noch nirgends!" Festerling, der seit einigen Wochen immer auffälliger wird, schätzt es genauso ein: "Wir haben noch nichts erreicht", man müsse den Level vom München-Spiel halten. "Das Wochenende wird ein großer Test für uns, wir können zeigen, dass wir mit jedem in der Liga mithalten können."