19. März 2022 / 09:37 Uhr

„Großartiges Projekt“ Leipzig Kings verursacht Fragezeichen

„Großartiges Projekt“ Leipzig Kings verursacht Fragezeichen

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Szene aus dem Duell zwischen den Leipzig Kings und den Panthers Wroclaw aus dem vergangenen Jahr. Am 5. Juni stehen sich beide Teams im ersten Spiel der zweiten Saison in der ELF erneut gegenüber.
Szene aus dem Duell zwischen den Leipzig Kings und den Panthers Wroclaw aus dem vergangenen Jahr. Am 5. Juni stehen sich beide Teams im ersten Spiel der zweiten Saison in der ELF erneut gegenüber. © Christian Modla
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Die Leipzig Kings gehen mit Moritz Heisler als neuem Geschäftsführer in ihre zweite Saison in der European League of Football. Der Neue erlebte bei Amtsantritt eine unschöne Überraschung finanzieller Natur.

Leipzig. Trotz weniger Wochen Vorbereitungszeit und einer Hinrunde, die vorwiegend als Eingewöhnung taugte, galten die American Footballer der Leipzig Kings in der Debutsaison der European League of Football (ELF) als positivste Überraschung. So begeisterten die Männer von Trainer Fred Armstrong nicht nur die eigenen Anhänger, sondern auch Spieler und Funktionäre direkter Konkurrenten.

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„Insgesamt reden wir über eine sechsstellige Summe“

So auch Moritz Heisler (37), der im vergangenen Jahr als „Football Operations Manager“ das Tagesgeschäft der Hamburg Sea Devils oder auch die Organisation des Finalspiels in Düsseldorf betreute. Nun zieht es den gebürtigen Helgoländer an die Pleiße. Als Geschäftsführer der Leipzig Football Betreiber GmbH (LFB) will er die vor Ort begonnene Geschichte fortschreiben.

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Dank einer guten Quarterback-Leistung von Michael Birdsong gewinnen die Leipzig Kings mit 37:24 gegen Berlin Thunder. Zur Galerie
Dank einer guten Quarterback-Leistung von Michael Birdsong gewinnen die Leipzig Kings mit 37:24 gegen Berlin Thunder. ©

„Die Entwicklung der Kings trotz der minimalen Vorbereitungszeit hat mich sehr beeindruckt. Hier sind die besten Fans der Liga. Ich war als Gastteam mit Hamburg hier, als selbst beim 0:55 die Fans noch ihre Kings feierten. Wenn du diese Chance dann bekommst, musst du ja sagen“, so Heisler.

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Der wurde in Leipzig kurz nach Dienstantritt mit Unerfreulichem konfrontiert. Denn offensichtlich warteten mehrere Dienstleister, die im Auftrag der LFB beziehungsweise der für die Liga insgesamt verantwortlichen SEH Sports & Entertainment Holding mit Sitz in Hamburg gearbeitet hatten, monatelang auf ihnen zustehendes Geld. „Insgesamt reden wir über eine sechsstellige Summe“, erklärt Martin Koslik gegenüber der LVZ. „Bei mir selbst war es ein kleinerer fünfstelliger Betrag.“ Mit seiner Eventagentur war er für die Produktion und Organisation der Heimspieltage der Kings zuständig, von der Einlaufshow über die Security bis hin zum VIP-Catering. „Essen, Trinken, laut und leise“ beschreibt der Unternehmer das Aufgabengebiet.

„Die Forderungen haben sich gestreut“

„Die Kings sind ein großartiges Projekt. Es hat viel Spaß gemacht. Die Rückmeldungen für unsere Arbeit waren positiv, auch seitens der Liga. Umso weniger habe ich verstanden, warum ich und die anderen Dienstleister nicht bezahlt wurden. Ich will auch nicht mutmaßen“, so Koslik. Nach zwei Jahren Pandemie, die der Veranstaltungsbranche bekanntlich enorm zugesetzt hat, konnte er sich keinen Ausfall leisten. „Vor fünf Jahren hätte ich gesagt: Okay, unschön. Aber jetzt? Ich bin als Erster losgegangen, habe das Geld eingeklagt.“ Und inzwischen vollständig bekommen. Letzteres treffe auch auf die meisten anderen Betroffenen zu. Ein positives Ende also?

So scheint es. „Ich habe eine GmbH übernommen, die schulden- und verbindlichkeitsfrei ist. Auf meinem Schreibtisch gibt es derzeit keine offenen Forderungen“, sagt Heisler. Er habe auch noch keine anderen Stolpersteine entdeckt. „Es gab viel positives Feedback, auch von denjenigen, die so lange auf ihr Geld warten mussten. Einige haben ihr Interesse bekundet, weiter mit uns zusammenzuarbeiten.“

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Dennoch bleibt die Frage, wie es überhaupt zum Zahlungsverzug kommen konnte. Heisler, dessen Eintragung als Geschäftsführer der LFB im Handelsregister noch nicht erfolgt ist, kann sie nicht beantworten, erklärt gegenüber der LVZ aber: „Die Forderungen haben sich gestreut.“ Nicht alle hätten sich demnach gegen die Leipziger gerichtet, einige auch gegen die Hamburger Holding.

Mehrere Leistungsträger verpflichtet

Heislers Aufgabe ist es aktuell, die anstehende Saison organisatorisch abzusichern. Gespielt werden soll nach Möglichkeit erneut im Alfred-Kunze-Sportpark. „Die Gespräche mit der BSG Chemie dazu sind in der finalen Phase.“ Zudem überlegen die Kings, eine oder mehrere Partien außerhalb Leipzigs auszutragen. „Wir verstehen uns als mitteldeutscher Club, sehen uns gerade verschiedene Optionen an.“

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Trainiert wird die sächsische ELF-Franchise auch im zweiten Jahr von Fred Armstrong. Der weilt aktuell in der Stadt, schließlich gilt es, den 53 Mann starken Kader zusammenzustellen. Da die meisten Akteure zur Premierensaison nur einen Ein-Jahres-Vertrag erhalten hatten, brummt das Wechselkarussell. Mit Jan-Philipp Bombek, Anton Jallai und Shida Wang sowie Morten Runne und Oliver Bahr wurden bereits mehrere Leistungsträger verpflichtet.

An den kommenden beiden Sonntagen haben ambitionierte Footballer aus Mitteldeutschland die Chance, sich im Rahmen zweier Tryouts vorzustellen. Die Plätze dafür sind seit geraumer Zeit ausgebucht.