29. März 2017 / 17:54 Uhr

Große Typisierungsaktion: In Havelse kommt es auf jeden Spender an (mit Video)

Große Typisierungsaktion: In Havelse kommt es auf jeden Spender an (mit Video)

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
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Beim Fußball-Regionalligisten TSV Havelse steht am Sonntag eine Typisierungsaktion für Blutkrebspatienten an. Freien Eintritt für das Spiel gegen Flensburg gibt es für Teams, die sich registrieren lassen.

Es ist gewissermaßen die größte Ersatzbank Deutschlands. Rund sieben Millionen Bundesbürger sind auf ihr zu finden. Keiner von ihnen ist jedoch unzufrieden. Im Gegenteil, alle dürfen ein gutes Gefühl dabei haben – werden sie irgendwann angefordert und kommen zum Einsatz, können sie ein Leben retten.

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Wer sich als Blutstammzellspender hat registrieren lassen, ist auf jeden Fall für die gute Sache am Ball. In diesem Team spielt auch der TSV Havelse mit, beim Fußball-Regionalligisten läuft am Sonntag ab 10 Uhr am Wilhelm-Langrehr-Stadion eine besondere Aktion. Das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) in Hannover führt eine Typisierung durch.

Und jeder Fußball-Mannschaft, die sich ins Register aufnehmen lässt, spendiert der TSV Freikarten für das Spitzenspiel gegen den ETSV Weiche Flensburg, das um 14 Uhr angepfiffen wird. „Wir freuen uns darauf und unterstützen die Sache gern. Mit einer so kurzen und einfachen Aktion kann man viel Gutes tun“, sagt TSV-Coach Alexander Kiene.

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Rund 20 Minuten pro Elf

Während der wichtigen Partie gegen die Flensburger werden allein bundesweit statistisch sechs Menschen an Leukämie oder einem schweren Blutleiden erkranken. Helfen können Spender freilich Patienten auf aller Welt, die Hilfsorganisationen sind vernetzt.

Einen aktuellen Fall gibt es in Hannover, die sechsjährige Charlotte leidet an einer seltenen Stoffwechselerkrankung. Sie benötige unbedingt eine Spende, sagt NKR-Aktionskoordinator Michael Roth. Die Typisierung würde für eine komplette Fußball-Elf nur rund 20 Minuten dauern, betont Roth: „Alle können das gleichzeitig machen. Das geht wirklich schnell und ist unkompliziert – schließlich werden einige nachmittags selbst spielen wollen.“

Oftmals ist es allerdings schwer, für Patienten aus dem Nahen und Mittleren Osten passende Spender zu finden – und damit eben für Flüchtlinge. „Die genetischen Informationen sind meist zu unterschiedlich, und im Idealfall brauchen wir ja einen genetischen Zwilling für die Spende“, erläutert Roth. Daher sind Menschen mit Migrationshintergrund aktuell für Typisierungsaktionen besonders interessant.

Garbsener Teams gehen voran

Kreisligist SV Türkay Spor Garbsen beispielsweise hat bereits signalisiert, sich beteiligen zu wollen. Auch weitere Garbsener Mannschaften werden erwartet. „Wir sind dankbar für jeden Einzelnen“, unterstreicht Roth. Und der Havelser Kapitän Tobias Holm fügt hinzu: „Sport verbindet ja. Wir hoffen, dass möglichst viele zu uns kommen und mit uns helfen.“

Etwa 90 Prozent der Erkrankten kann inzwischen durch eine Stammzell- oder Knochenmarkspende geholfen werden. In rund 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert, für das Knochenmark ist ein kleiner operativer Eingriff erforderlich.

Spender von 18 bis 55 Jahren

Spenden können Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren, die gesund sind. Mit 61 Jahren wird man aus der Datenbank gelöscht. Es ist folglich wichtig, auf der Stammzellspender-Ersatzbank ständig für frisches Blut zu sorgen – um im Bild zu bleiben.

Havelses Liga-Geschäftsführer Stefan Pralle bringt es auf den Punkt: „Letztlich ist man nur ein Wattestäbchen davon entfernt, Hoffnung zu schaffen und vielleicht Leben zu retten.“

Weitere Informationen zur Stammzellspende gibt es online auf nkr-hannover.de.