19. Juli 2021 / 09:21 Uhr

Rechtsmittel eingelegt: Großenheidorns Niederlage in Fredenbeck beschäftigt Sportgericht

Rechtsmittel eingelegt: Großenheidorns Niederlage in Fredenbeck beschäftigt Sportgericht

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Partie des MTV Großenheidorn in Fredenbeck beschäftigt nun das Sportgericht.
Die Partie des MTV Großenheidorn in Fredenbeck beschäftigt nun das Sportgericht. © IMAGO/Lobeca
Anzeige

In der Schlussphase der Partie beim VfL Fredenbeck ging es nicht nur um den Sprung in die 3. Liga, sondern auch chaotisch zu. Letztlich verpasste der MTV Großenheidorn den Aufstieg denkbar knapp, hat nun allerdings Rechtsmittel gegen die Niederlage eingelegt. Es geht im Kern um "ein geschenktes Tor für Fredenbeck".

Anzeige

Der MTV Großenheidorn hat Rechtsmittel gegen die 25:31-Niederlage im Spiel der Aufstiegsrunde beim VfL Fredenbeck eingelegt, wo ein Tor zur 3. Liga gefehlt hat. Die Verantwortlichen wollen nicht den Eindruck des schlechten Verlierers erwecken. „Wir haben verloren, weil wir nicht die richtige Einstellung hatten. Es gab genug Chancen, das Spiel für uns zu entscheiden“, sagt Trainer Stephan Lux.

Anzeige

Passend zum Chaos der letzten Minuten: Nicht nur den Unparteiischen unterlief ein Fehler, auch das Kampfgericht verlor den Überblick und trug falsche Torschützen ein, sodass ein Ergebnis von 30:26 notiert wurde. Schiedsrichter, Kampfgericht und die Verantwortlichen der Mannschaften bemerkten dies nicht und bestätigten durch Eingabe einer persönlichen PIN den Spielbericht, der dadurch den Status einer Urkunde hat.

Mehr Berichte aus der Region

84 Seiten umfasst die Anleitung des Handball-Verbandes Niedersachen für das elektronische Spielformular. Dort ist geregelt, dass eine Korrektur ausschließlich mit der Zustimmung aller Beteiligten erfolgen darf. Staffelleiter Jens Schoof setzte sich unter Berufung auf die Bilder des Livestreams – die Anzeigetafel der Halle ist dort jedoch nie zu sehen – darüber hinweg und änderte das Ergebnis am Folgetag.

Chaos in der Schlussminute

Er argumentiert mit § 81 (8) der DHB-Spielordnung, der es lediglich verbietet, Disqualifikationen zu ändern. Im Umkehrschluss sei er gemäß § 319 (1) der Zivilprozessordnung berechtigt, den Spielbericht wegen Unrichtigkeit von Amts wegen zu ändern. Nach Informationen vom SPORTBUZZER eine exklusive Sichtweise. „Das Formular ist bindend“, sagt ein Staffelleiter, der nicht genannt werden will.

Darauf beruft sich Großenheidorn. Infolge der angenommenen Niederlage mit sechs Toren Unterschied hätte keine Notwendigkeit bestanden, Protest gegen den Regelverstoß der Schiedsrichter einzulegen, sagt MTV-Vorsitzender Olaf Taubert.

Was war 25 Sekunden vor Schluss passiert? Der Torschiedsrichter zeigte nach Foul an Maurice Nolte Freiwurf für den MTV an. Die Spieler blieben in Erwartung des weiteren Ballbesitzes stehen. Was in der Geräuschkulisse unterging: Der Feldschiedsrichter hatte überstimmt und den Ball an die Fredenbecker gegeben, die den Gegenstoß zum 30:25 nutzten, dem vermeintlich über den Aufstieg entscheidenden Tor.

Bilder vom Handball-Spiel der Aufstiegsrunde zur 3. Liga zwischen dem MTV Großenheidorn und TV Bissendorf-Holte

Großenheidorns Torhüter Lars Pommer feiert eine gelungene Aktion. Zur Galerie
Großenheidorns Torhüter Lars Pommer feiert eine gelungene Aktion. ©

Üblich ist in solchen Spielsituationen ein Timeout und eine eindeutige Ansage der Unparteiischen. So war es „ein geschenktes Tor für Fredenbeck“, sagte Nolte. Bei einer Wiedereröffnung des Spielberichtes könne die Korrektur des Ergebnisses vorgenommen werden. Man hätte dann wiederum die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen den Fehler der Schiedsrichter einzulegen.

Was die Heidorner während des Spiels nicht wussten: Eine Fünf-Tore-Niederlage hätte gereicht, weil bei dadurch gleicher Tordifferenz mit dem VfL die jeweils mehr geworfenen Auswärtstore den Ausschlag gegeben hätten. Dort waren die Großenheidorner vorn. In der Besprechung vor der Runde gab es dazu keine Aussage, „aber wir müssen uns ankreiden, das nicht vorher geprüft zu haben“, sagt Mathias Haase vom Arbeitskreis Handball. Nun hängt alles vom Sportgericht ab, das bis zum 26. Juli eine Stellungnahme der Parteien eingefordert hat.