15. Juli 2022 / 12:11 Uhr

Großer Umbruch: Wie Borussia Dortmund mit Terzic an alte Klopp-Zeiten anknüpfen will 

Großer Umbruch: Wie Borussia Dortmund mit Terzic an alte Klopp-Zeiten anknüpfen will 

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Als Interimstrainer gewann Edin Terzic mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal. Nun soll er als Chef den Umbruch beim BVB meistern.
Als Interimstrainer gewann Edin Terzic mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal. Nun soll er als Chef den Umbruch beim BVB meistern. © Getty Images (Montage)
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Borussia Dortmund hat in diesem Sommer auf dem Transfermarkt kräftig investiert und eine neue Mannschaft zusammengestellt, die der ebenfalls neue Cheftrainer Edin Terzic auf Vordermann bringen soll, um endlich wieder die Bayern im Kampf um die Meisterschaft in Bedrängnis zu bringen. 

Der Claim ist neben dem "Mia san mia" des FC Bayern München wohl der bekannteste der Bundesliga: Echte Liebe! Er passte jahrelang wie die Faust aufs Auge zu dem, was Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp verkörperte. Mit viel Herzblut und Leidenschaft, mit einer Truppe von tollen Charakteren und Mentalitätsspielern holte der BVB zwei Meisterschaften, gewann 2012 das Double und zog 2013 sogar ins Finale der Champions League ein – doch seitdem ist viel passiert.

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Unter dem Strich ist nicht mehr viel übrig geblieben von der "echten Liebe" in den vergangenen Jahren. Seit dem Abgang von Klopp 2015 holte der Klub zwar noch zwei Pokalsiege und wurde viermal Zweiter, doch gefährden konnte er den Abomeister aus München maximal in kurzen Phasen. Außerdem verschliss der BVB in dieser Zeit fünf namhafte Trainer, unter anderem Lucien Favre und Thomas Tuchel sowie zuletzt Marco Rose. Nun ist der Mann zurück, dem die Bosse am ehesten zutrauen, die Sehnsucht nach echter Liebe bei gleichzeitigem Erfolg zu befriedigen: Edin Terzic.

"Er bringt hohe Qualität mit, fachlich wie menschlich. Er verfügt über ein hohes Maß an Emotionalität, an Willen, an Bereitschaft, hart zu arbeiten", sagt Sportdirektor Sebastian Kehl. Und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ergänzt: "Er brennt an allen Seiten. Edin ist authentisch, das ist das Entscheidende. Die Menschen nehmen ihm die Verbundenheit mit dem BVB ab.“

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Terzic ist ein Borusse. Er wuchs rund 30 Kilometer entfernt vom Signal-Iduna-Park auf, war Fan von Kindesbeinen an und arbeitete als Scout und Jugendcoach, dann als Assistent von Favre, den er nach dessen Rauswurf 2021 für ein halbes Jahr als Interimscoach beerbte. Am Saisonende holte der BVB den Pokal – und wieder mal einen neuen Trainer. Doch auch dem für fünf Millionen Euro verpflichteten Rose gelang es nicht, dass Feuer zu entfachen, das sich die Fans und Verantwortlichen seit der Klopp-Ära wünschen. Nun also wieder Terzic.

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Zum x-ten Neustart der vergangenen Jahre wurden dem Dortmunder Eigengewächs alle Wünsche erfüllt. Mit Sebastién Haller, Niklas Süle, Nico Schlotterbeck, Karim Adeyemi und Salih Özcan schlugen die Schwarz-Gelben auf dem Transfermarkt kräftig zu und investierten die rund 75 Millionen Euro, die der Klub für den Abgang von Superstar Erling Haaland von Manchester City kassierte, in sinnvolle Verstärkungen und Ergänzungen. Dazu bekam Terzic mit Peter Hermann auch noch einen Co-Trainer an die Seite gestellt, über den er selbst sagte: "Er ist einer der Erfahrensten und Besten im Business. Er kann uns mit seiner Erfahrung helfen und wird unsere Gruppe bereichern."

Mit der Mischung aus jung (Terzic ist 39) und alt (Hermann ist 70) auf der Trainerbank und einer Mannschaft, die taktisch flexibel agieren kann und eine hohe Dynamik gegen den Ball und trotzdem defensive Kompaktheit ausstrahlen soll, will der BVB den nächsten Angriff auf die Bayern starten. Terzic’ Achse sollen vor Torhüter Gregor Kobel die Neuzugänge Süle und Schlotterbeck, Me­ga­ta­lent Jude Bellingham und Kapitän Marco Reus sowie Sturmtank Haller bilden, der allerdings keinen Geringeren als Haaland ersetzen muss. Der Norweger erzielte 86 Treffer in 89 Pflichtspielen – einfach ist anders.

Und auch Terzic weiß, dass bei aller Euphorie, die seine Verpflichtung und die namhaften Neuzugänge im BVB-Umfeld auslösten, Druck und Erwartungshaltung keinesfalls geringer sind als bei seinen gescheiterten Vorgängern. Oder wie sein Vorgesetzter Kehl es ausdrückt: "Egal, wie hoch die Identifikation ist – am Ende werden wir alle vor allem am Erfolg gemessen.“

Prognose des Autors: Der BVB hat sich hervorragend verstärkt und mit Terzic endlich wieder einen Trainer, der im Klub den Rückhalt hat, den ein Coach benötigt, um erfolgreich zu sein – doch der Umbruch ist gewaltig. Daher sollte man bei der geplanten Bayern-Attacke lieber in den Rückspiegel schauen. Dortmund wird erneut mit RB Leipzig und Bayer Leverkusen um Platz zwei kämpfen.

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