12. November 2017 / 17:30 Uhr

Gründer von „Common Goal“ im Interview: Deshalb spenden Fußballer ein Prozent ihres Gehalts

Gründer von „Common Goal“ im Interview: Deshalb spenden Fußballer ein Prozent ihres Gehalts

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Fußballstars wie Julian Nagelsmann, Mats Hummels und Giorgio Chiellini haben sich Common Goal bereits angeschlossen.
Fußballstars wie Julian Nagelsmann, Mats Hummels und Giorgio Chiellini haben sich "Common Goal" bereits angeschlossen. © imago/Montage
Anzeige

Von Mats Hummels bis hin zu Julian Nagelsmann: Immer mehr Profis spenden ein Prozent ihres Gehalts an die Bewegung „Common Goal“. Im Interview mit SPORTBUZZER verrät Mitbegründer Thomas Preiss, was hinter dieser Initiative steckt und wann die nächsten Fußballer bekanntgegeben werden.

Juan Mata war der Erste. Der Fußballstar von Manchester United gibt ein Prozent seines Jahresgehalts von etwa 11 Millionen Euro ab. Doch damit ist er längst nicht mehr der Einzige: Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann ist dabei, genau wie Weltmeister Mats Hummels oder Giorgio Chiellini, der Abwehrstar von Juventus Turin. Alle sind sie Teil der Bewegung „Common Goal“, die immer weiter wächst – und das aus gutem Grund.

Anzeige

Fußball-Profis leben „in einer Blase fernab vom echten Leben“, meint Mata. „Mit Respekt vor dem Rest der Gesellschaft muss man eingestehen, dass wir im Vergleich lächerlich viel Geld verdienen.“ Und genau deshalb schließen sich immer mehr Profis der Initiative an, um etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Gutes zu tun.

Doch wer steckt hinter „Common Goal“ und was sind die genauen Ziele der Bewegung? Ein Interview mit Mitbegründer Thomas Preiss, der mit seinem Team in Berlin sitzt und unablässig daran arbeitet, weitere Fußballstars für sich und sein Projekt zu gewinnen.

Herr Preiss, wie haben Sie Julian Nagelsmann davon überzeugen können, bei „Common Goal“ mitzumachen?

Uns war aufgefallen, dass sich Herr Nagelsmann nach der Verkündung des Neymar-Transfers, der für mehr als 200 Millionen Euro nach Paris wechselte, zur Kommerzialisierung im Spitzenfußball geäußert hatte. Er vertritt den Standpunkt, dass Transfersummen begrenzt werden und der Überhang in soziale Projekte investiert werden sollte - das sehen auch wir so. Deshalb haben wir über seine Berater Kontakt zu ihm aufgenommen und ihn nun als ersten Trainer bei „Common Goal“. Das freut uns riesig.

Die Millionen-Gagen der Top-Trainer: So viel verdienen Pep und Co.

<p><b>Platz 10: Zinédine Zidane, Real Madrid - 5,5 Millionen Euro/Jahr</b></p> Die sonst so galaktischen Madrilenen erweisen sich beim Gehalt für ihren Coach, Ex-Kopfstoß-Profi Zinédine Zidane, erstaunlich knauserig. Nur 5,5 Millionen Euro sahnt der Franzose im Ranking des Telegraph ab. Als Einstiegsgehalt für den Trainer-Frischling ist das aber dann doch wieder recht stattlich. Zur Galerie

Platz 10: Zinédine Zidane, Real Madrid - 5,5 Millionen Euro/Jahr

Die sonst so galaktischen Madrilenen erweisen sich beim Gehalt für ihren Coach, Ex-Kopfstoß-Profi Zinédine Zidane, erstaunlich knauserig. "Nur" 5,5 Millionen Euro sahnt der Franzose im Ranking des "Telegraph" ab. Als Einstiegsgehalt für den Trainer-Frischling ist das aber dann doch wieder recht stattlich. © dpa/picture alliance

Gibt es Fußballer, die nicht wollen, dass ihre Spende an Sie öffentlich gemacht wird?


Es gibt eine Bandbreite von Spielern, die bei uns spenden wollen, aber es nicht öffentlich machen. Das ist völlig in Ordnung. Doch wir spielen die prominenten Mitglieder unserer Bewegung gerne über unsere Social-Media-Plattformen, denn wir wollen als Bewegung weiter wachsen. Und wir wissen, dass viele Profis über Facebook oder Twitter erst auf unsere Initiative gestoßen sind.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Giorgio Chiellini von Juventus Turin hat sich bei uns gemeldet, als er mitbekam, dass Mats Hummels an Bord ist. Chiellini hat uns persönlich angeschrieben. Er hat sich einfach unsere „Info-At“-Mailadresse herausgesucht und uns in seinem sympathisch gebrochenen Englisch geschrieben. Spieler kommen inzwischen auf uns zu, das ist großartig!

Was genau schrieb Ihnen Chiellini?

„Hi, this is Giorgio Chiellini“. Er schrieb uns, dass er die Initiative großartig findet und ihm an Eigenwerbung nichts gelegen ist, er aber sehr gerne mitmachen würde, um zu helfen. Chiellini ist unser erster Spieler aus Italien, jetzt sollen weitere folgen.

SORTBUZZER-Challenge: Erkennst Du die Fußball-Stars an ihren Tattoos?

Die SPORTBUZZER-Challenge: Erkennst Du die Fußball-Stars an Ihren Tattoos? Zur Galerie
Die SPORTBUZZER-Challenge: Erkennst Du die Fußball-Stars an Ihren Tattoos? ©

Was genau passiert mit dem Geld, welches die Fußballwelt an Sie spendet?

Hinter allem steckt die Organisation „Streetfootballworld“. Sie hat „Common Goal“ initiiert, für diese Organisation arbeiten wir. „Streetfootballworld“ hat ein globales Netzwerk von aktuell 125 Non-Profit-Organisationen aufgebaut. Diese arbeiten in 80 Ländern auf der Welt und haben eines gemeinsam: Sie alle setzen Fußball für globalen Wandel ein.

Das heißt?

Anzeige

Jugendliche sollen über ihre Leidenschaft zum Fußball angesprochen werden, um ihnen in der Folge helfen zu können. In Afrika dient uns der Fußball verstärkt, um die HIV-Aids-Aufklärung voranzutreiben. Fußball-Training wird verbunden mit Aufklärungsunterricht. In Deutschland ist die Integration von Flüchtlingen ein wichtiges Thema. Projekte wie die „Rheinflanke“ in Köln oder die Berliner Initiative „Champions ohne Grenzen“ werden von uns unterstützt.

"Fußball verbindet Menschen, wie sonst vielleicht nur die Musik"

Welche finale Zielsetzung verfolgt Ihre Bewegung?

Die aktuelle Gruppe von Spielern ist nur der Anfang, der erste Baustein, hin zu einer größeren Mission. Wir wollen irgendwann ein Prozent eines jeden Euro der gesamten Fußball-Industrie für unser Projekt gewinnen. Der jährliche Umsatz dieser Industrie beträgt nach unseren Kenntnissen global etwa zwischen 30 und 50 Milliarden Euro jährlich, ein Prozent davon wären etwa 300 bis 500 Millionen Euro. Das ist die längerfristige Vision.

Und weiter?

Wir wollen auch mit Institutionen arbeiten. Wettbewerbe wie die Fußball-Weltmeisterschaft oder die Champions League, wo auch massiv Geld verdient wird, könnten mit einem Prozent ihres Umsatzes soziale Verantwortung übernehmen. „Common Goal“ soll Teil der Fußball-DNA werden. Denn der Fußball kann noch viel mehr leisten. Fußball verbindet Menschen, wie sonst vielleicht nur die Musik.

Ein schöner Vergleich.

Wir leben in einer Zeit, in der uns unsere politischen Anführer ein Stück weit als Menschen auseinandertreiben anstatt uns zusammenzuführen. Und da hat der Fußball eine unglaubliche Power, dem entgegenzuwirken.

50 ehemalige BVB-Spieler und was aus ihnen wurde

Einst für Borussia Dortmund im Einsatz: Was machen Márcio Amoroso, Ousmane Dembélé und Alexander Frei heute? Zur Galerie
Einst für Borussia Dortmund im Einsatz: Was machen Márcio Amoroso, Ousmane Dembélé und Alexander Frei heute? ©

"Es ist durchaus denkbar, dass sich ganze Mannschaften zusammenschließen oder Vereine sogar die Ein-Prozent-Regel in die Vereins-Philosophie aufnehmen"

Auch die deutsche Nationalmannschaft ist eine starke Marke. Ein komplettes Team hinter sich zu wissen, wäre doch sicher im Sinne Ihrer Initiative?

Es wäre ein sehr starkes Zeichen, wenn sich die komplette deutsche Nationalmannschaft „Common Goal“ anschließen würde. Aber wir haben diese konkreten Gespräche noch nicht geführt. Doch es ist durchaus denkbar, dass sich ganze Mannschaften zusammenschließen oder Vereine sogar die Ein-Prozent-Regel in die Vereins-Philosophie aufnehmen und eine „Common Goal“-Mitgliedschaft in den Verträgen der Profis festhalten. Es wäre aber keine Pflicht, denn am Ende muss die Spende der Spieler natürlich freiwillig geleistet werden.

Das „Common Goal“-Büro ist in Berlin. Wie ist Ihre Organisation überhaupt aufgebaut?

Bei „Streetfootballworld“ sind wir global fast 40 Mitarbeiter. Wir hier in Berlin sind nur vier, fünf Leute, die sich um „Common Goal“ kümmern.

Und wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Es verhält sich bei uns ein bisschen wie mit einem Start-Up. Ich trage viele Hüte, nehme viele Rollen war. Das eine ist die Acquisition von Spielern, die Betreuung von Spielern, doch es geht auch darum, den Transaktions-Prozess fortzuentwickeln. Und außerdem arbeiten wir aktuell an einer 2.0-Webversion, um die Teilnahme von Fans auf unserer Seite zu ermöglichen.

Diese Stars fahren nicht zur WM 2018

Arjen Robben: Nach dem Aus mit Holland in der WM-Quali beendete der Star des FC Bayern München auch gleich seine Nationalmannschafts-Karriere. Zur Galerie
Arjen Robben: Nach dem Aus mit Holland in der WM-Quali beendete der Star des FC Bayern München auch gleich seine Nationalmannschafts-Karriere. ©

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisher Erreichten?

Es gibt 65 000 professionelle Fußballspieler weltweit, und wir haben bisher 30 an Bord, von denen erst 19 bekanntgegeben wurden. Wir sind gerade gestartet, da geht noch viel mehr.

Wann werden die nächsten Spieler bekanntgegeben?

Noch im November. Und ich darf verraten: Es sind weitere Bundesliga-Profis dabei, genau wie Spieler aus England und auch erste Spieler aus Afrika, was großartig ist.

Zum Abschluss noch eine Frage: Warum sollen Spieler genau ein Prozent Ihres Gehalts abgeben und nicht etwa drei oder vier Prozent?

Wir sind eine Initiative, der sich jeder anschließen können soll. Und wir glauben, dieses eine Prozent gewährleistet das. Einige Spieler geben auch mehr. Was uns aber besonders freut, ist, dass auch weibliche Profis und Spieler mit niedrigeren Gehältern inzwischen bei uns mitmachen, und sogar Führung übernehmen.