12. Januar 2021 / 10:45 Uhr

Grünes Idyll: Bad Lausicker Stadion am Bad erlebte Zuschauerrekord gegen Lok Leipzig

Grünes Idyll: Bad Lausicker Stadion am Bad erlebte Zuschauerrekord gegen Lok Leipzig

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
badlausick
Eine überschaubare Gruppe von Zuschauern kann der Begegnung des FC Bad Lausick folgen. © Wolfgang Riedel
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Das Stadion am Bad des FC Bad Lausick 1990 ist ein bescheidener Sportplatz mitten im Grünen. Seit 1923 trainiert und spielt der Verein auf dem Feld. Über die Jahre wurde das Vereinsgelände immer mehr ausgebaut und verschönert.

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Bad Lausick. Streng genommen ist die offizielle Bezeichnung Stadion am Bad etwas irreführend. Zum einen existiert das Bad Lausicker Freibad schon längst nicht mehr, es wurde bereits vor einem Viertel-Jahrhundert nach heftigen Diskussionen quasi durch das Kur- und Freizeitcenter „Riff“ ersetzt. Und wer auf dem Sportgelände des FC 1990 an der (jawohl) Badstraße nach Stadion typischen Dingen wie einer Rundlaufbahn oder Zuschauer-Traversen sucht, wird ebenso wenig fündig.

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Lange keine Umkleidekabinen

Dafür lässt der geringe Abstand zwischen den zwei bestens gepflegten Rasenplätzen und der Barriere den Funken bei Fußballbegegnungen sofort überspringen. Sozusagen hautnaher Kontakt der Kicker mit den Fans, ein Bösewicht mit Regenschirm könnte bei Eckbällen oder Einwürfen auf dumme Gedanken kommen. 1500 Besucher passen ungefähr in die Arena, 100 überdachte Sitzplätze durch verschiebbare Bänke bieten bei sommerlicher Hitze oder Regenwetter gewissen Komfort.

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Die Ursprünge des organisierten Fußballs in der Kurstadt reichen bis in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück, als zwei Sportvereine den Platz am Geldberg gemeinsam nutzten und es offenbar zu Differenzen kam. So beschloss der Arbeiter-Turn- und Sportverein, sich ein eigenes Areal anzulegen. Nämlich 1923/1924 am Ortsausgang Richtung Grimma in der Nähe des Waldfriedensweges, den es immer noch gibt und der zwischen Glasten und Ballendorf endet. Bis nach dem 2. Weltkrieg standen für den Spielbetrieb keine Umkleidekabinen zur Verfügung. Ein Provisorium habe es wohl in der Kurklinik gegeben, was laut Hans-Peter Weiske (technischer Leiter beim FC) aus Archivbildern und historischen Berichten ersichtlich wird.

1952 wurde dann unter Leitung von Hans Beier unter Verwendung von Abbruchmaterial ein Vereinsheim mit zwei Kabinen, einem kleinen Gastraum und einer Wohnung errichtet. Nebenan legte die „Silika“ (zu DDR-Zeiten mit 350 Beschäftigten größter Arbeitgeber in der Stadt) 1971 einen kleinen Hartplatz mit Flutlicht an. Die „Rote Erde“ kann selbst heute noch zu Trainingszwecken genutzt werden. Das Gebäude an sich diente bis Mitte der neunziger Jahre dem gesamten Spielbetrieb als Unterkunft.

Lok Leipzig sorgte für Zuschauerrekord

Als die Stadt das Objekt nach der Wende verkaufte, kam es zwischen den Sportlern und dem eine Gaststätte einrichtenden neuen Eigentümer zu gewissen Interessenkonflikten. Daher baute sich der Verein - welcher seit 1992 einen Erbbaupachtvertrag für das Gelände besitzt - im Jahr 1995 ein neues Vereinsgebäude (wurde 2007 um eine weitere Etage aufgestockt), übernahm das Sportcasino von einem privaten Betreiber und sanierte die beiden nun direkt benachbarten Rasenflächen. Das vom Eingang aus gesehen linke Spielfeld konnte mit Beleuchtung ausgestattet werden, wobei die Strahlkraft für Pflichtspiele allerdings nicht ausreichend ist.

Dennoch bedeuteten die neuen Errungenschaften einen Quantensprung in der Geschichte des Bad Lausicker Fußballs. Welcher zum Beispiel 1962 ein absolutes Highlight erlebte, denn die ab 1957 unter BSG Stahl (zuvor zwischenzeitlich FV Vorwärts und BSG Medizin) auflaufenden einheimischen Kicker konnten in einem Freundschaftsspiel den DDR-Oberligisten SC Lok Leipzig mit 2:1 bezwingen. Den Messestädtern war nach der Niederlage sogar die Lust am vereinbarten gemeinsamen Abendessen im „Grauen Wolf“ vergangen. Ansonsten waren bis weit in die achtziger Jahre hinein die Gaststätten „Kulmbacher“ und „Erholung“ beliebte Treffpunkte der Kurstädter Kicker. Welche 1964 den Meistermacher der BSG Chemie Leipzig zum Erfahrungsaustausch begrüßen konnten.

Der von Ernst Spiegel moderierte Besuch von Alfred Kunze löste damals große Begeisterung aus. Der Zuschauerrekord in der Neuzeit wurde am 16. Dezember 2006 aufgestellt, als der 1. FC Lok Leipzig 1500 Fans anlockte und im Bezirksligaduell erst durch einen Treffer in der Nachspielzeit mit 1:0 die Oberhand behielt. 1999 ließen sich 1300 Anwesende den Auftritt des VfB Leipzig in der 2. Runde des Landespokals nicht entgehen und sahen ein deutliches 1:6. Neben drei Bezirkspokalendspielen mit jeweils circa 600 Zuschauern sorgten insbesondere die Gastspiele des Chemnitzer FC und des FSV Zwickau im Sachsen-Pokal mit 800 beziehungsweise 500 Fans für erhöhten Andrang am altehrwürdigen Kassenhäuschen.