03. Mai 2021 / 11:00 Uhr

GSVE-Delitzsch-Trainer Pietzonka macht Schluss: "Damit kann man nicht zufrieden sein"

GSVE-Delitzsch-Trainer Pietzonka macht Schluss: "Damit kann man nicht zufrieden sein"

Christian Dittmar
Leipziger Volkszeitung
Nach 16 Jahren ist Schluss: GSVE-Delitzsch-Coach Frank Pietzonka hängt das Trainerdasein an den Nagel.
Nach 16 Jahren ist Schluss: GSVE-Delitzsch-Coach Frank Pietzonka hängt das Trainerdasein an den Nagel. © Alexander Prautzsch
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Im großen SPORTBUZZER-Interview zum Saisonende macht Frank Pietzonka seinen Abschied als Trainer des GSVE Delitzsch öffentlich und redet Klartext. Unterdessen läuft die Suche nach einem Nachfolger.

Delitzsch. Es hatte sich in den vergangenen Wochen schon mehr als angedeutet. Jetzt ist es Gewissheit. Frank Pietzonka hört nach 16 Jahren als Trainer von Volleyball-Zweitligist GSVE Delitzsch auf. Über seine Entscheidung, die schwierige Nachfolger-Suche und die wenig erfreuliche vergangene Saison spricht er im SPORTBUZZER-Interview. Und verkündet gleich noch den Abgang seines spielenden Co-Trainers Paul Lohrisch. Nun beginnt die Suche nach einem neuen Chefcoach.

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Wie lautet Ihr persönliches Saisonfazit?

Wenn man auf die Tabelle schaut, dann können wir in der zweiten Liga bleiben, weil es nur einen Absteiger gibt. Das ist das Positive. Wie die Saison ansonsten abgelaufen ist, sieht ja jeder. Es gab die Zeiten, in denen wir nicht trainieren konnten. Und dann gab es welche, in denen wir selbst festgelegt haben, dass wir wegen einer Inzidenz von über 200 nicht trainieren wollen. Es war letztlich eine Saison unter Scheißumständen. Aber Corona hin, Corona her – ich habe es nicht geschafft, die Mannschaft nach dem guten Beginn auf einem Level zu halten.

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Also sind Sie mit Platz zwölf in der Endabrechnung nicht zufrieden?

Damit kann man nicht zufrieden sein, auch unter diesen Umständen. Ich bin weit entfernt, die Schuld nur bei der Mannschaft zu suchen. Es ist ein Zusammenspiel zwischen Team und Trainer und deswegen muss ich mir das schlechte sportliche Abschneiden ebenso ankreiden.

Was waren die Gründe für dieses Abschneiden?


Der eine Spieler hat viel beruflich zu tun, mein Sohn zum Beispiel musste Urlaub nehmen, um spielen zu können. Dann gab es Fälle, wie bei Paul Lohrisch, dessen Frau ein Kind bekommen hat und der deswegen zum Ende hin kaum spielen konnte. Oder ein Lukas Kreißl, der nur zweimal die Woche trainieren konnte und bei Auswärtsspielen nur teilweise dabei war. Da ist der Kader schon dezimiert. Dann haben wir vier junge Spieler aus der 2. Mannschaft hochgezogen, da muss man auch einfach mit Niederlagen rechnen. Für die Jungs war es auch wichtig, den Niveauunterschied zu sehen, damit sie wissen, wo sie mal hinwollen. Dass wir sie schon so gut integrieren konnten, ist für mich der positive Aspekt dieser Saison.

Was war ansonsten für Sie der Höhepunkt der Spielzeit?

Das letzte Spiel gegen Gotha. Obwohl wir vorher sechs, sieben Partien verloren hatten, haben die Jungs dort gezeigt, was sie wirklich können. Das stimmt mich positiv für die nächste Saison.

Was waren die Tiefpunkte?

Die ganzen Doppelspieltage, die wir wegen Corona absolvieren mussten. Das kriegst du mit 13 Leuten mit 13 verschiedenen Berufen einfach nicht gebacken.

Frank Pietzonka bleibt dem GSVE Delitzsch zwar erhalten - jedoch nicht mehr als Trainer.
Frank Pietzonka bleibt dem GSVE Delitzsch zwar erhalten - jedoch nicht mehr als Trainer. © Alexander Prautzsch

Zumindest hat es der GSVE geschafft, ohne Corona-Fall durch die gesamte Saison zu kommen.

Das zeigt auf jeden Fall eine gewisse Disziplin und dass die Entscheidung des Vorstands richtig war, teilweise zweimal die Woche Tests durchzuführen. Dafür haben wir richtig Geld investiert. Wir waren auch so brutal, dass wir jeden Spieler, bei dem es einen Fall in der Familie oder im Bekanntenkreis gab, sofort nach Hause geschickt haben.

Wie geht es jetzt kurz- bis mittelfristig bei den Gymnasialen und Ihnen weiter?

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Ich habe erstmal vier Wochen Pause angeordnet. Ich selber werde mich um mein großes Grundstück kümmern und mich auf ein bisschen Ruhe freuen. Nach dem Match gegen Gotha habe ich die Mannschaft zusammengenommen und verkündet, dass es mein letztes Spiel als GSVE-Trainer war. Ich werde aber im Verein als Mitglied bleiben und auch im Vorstand. Ich werde mich auch weiter um Zugänge kümmern und bin immer ansprechbar, wenn es Probleme gibt. Wenn man allerdings eine neue Mannschaft aufbauen will, braucht man einfach einen neuen Trainer.

Wird das Sebastian Reichstein sein?

Nein, der wird es nicht. Er wäre zwar für den Verein der beste Trainer in der zweiten Liga, aber er hat sich im Nachwuchs einfach so viel aufgebaut, das würde er komplett über den Haufen werfen. Den Posten kann keiner im Verein ersetzen, dazu hat er kleinere Kinder, mit denen er viel Zeit verbringen will, anstatt in der Weltgeschichte rumzufahren. Das sieht in drei, vier Jahren vielleicht schon anders aus.

Wie hat die Mannschaft die Entscheidung aufgenommen, dass Sie aufhören?

Der Abend nach dem Gotha-Spiel war emotionslos, auch von den Spielern her. Wir haben noch ein Bier getrunken, aber es war nicht so, dass sie um mich gebettelt hätten. Jetzt geht es darum, einen guten Nachfolger zu finden.

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Wie zuversichtlich sind Sie, dass das klappt?

Es wird schwer. Wir haben die Stelle ausgeschrieben, alle Vorstandsmitglieder versuchen dazu, ihre Beziehungen spielen zu lassen.

Gibt es bei den Spielern auch schon definitive Abgänge?

Wir haben uns gerade mit Paul Lohrisch darüber unterhalten, dass das Arbeitsverhältnis zwischen ihm und dem GSVE aufgehoben wird. Dazu kommt Felix Winkler, der höchstens noch in der Zweiten oder Dritten aktiv sein wird. Alle anderen sind bereit, wobei der neue Trainer entscheiden wird, wen er dann haben will und wen nicht.

Wie ist das Profil bei der Trainersuche?

Es sollte ein junger Coach sein, der unbeleckt ist und sich die Geschichte zutraut. Mit dem Vorstand im Rücken braucht er keine Angst zu haben, sollte aber bei unserer Linie mit den jungen Spielern bleiben – auch wenn es mal ein schwieriges Jahr gibt.