16. November 2020 / 10:00 Uhr

Guido Schäfer zu Länderspielen und Pandemie: Raus aus der "hirnrissigen Nations League"

Guido Schäfer zu Länderspielen und Pandemie: Raus aus der "hirnrissigen Nations League"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Die ukrainische Elf in Leipzig: Die Corona-Vorgänge rund um das Team sorgten für zahlreiche Diskussionen.
Die ukrainische Elf in Leipzig: Die Corona-Vorgänge rund um das Team sorgten für zahlreiche Diskussionen. © Getty Images
Anzeige

Das Nations-League-Duell zwischen Deutschland und der Ukraine sorgte im Vorfeld vor reichlich Wirbel. Grund waren vier positive Coronatests in den Reihen der Gäste. Auch über Leipzig hinaus wird reichlich diskutiert: Länderspiele, Quarantäne und und und. SPORTBUZZER-Redakteur Guido Schäfer hat da eine klare Meinung und fordert ein "sofortiges Verbot von Testspielen in irgendeinem Zipfel der Welt", auch um die Bundesliga zu schützen.

Anzeige

Ja, sagen die einen, spielen! Wenn wahr ist, dass die vier positiv getesteten ukrainischen Sportler keinen innigen Kontakt zu ihren Sportkameraden hatten, kann ja nix passieren. Nein, sagen die anderen, unbedingt absagen! Und verweisen auf die zerstörende Macht des Geldes, norwegisches Vorgehen und Märchenstunden aus dem ukrainischen Lager.

Anzeige

Eines vorneweg: Die Richtlinien der UEFA, des Leipziger Gesundheitsamtes und des DFB wurden mit der Austragung der Partie zwischen Deutschland und der Ukraine am Samstag nicht verletzt. Das bedeutet im vorliegenden Fall: wenig bis nichts.

Mehr zum Thema

Beginnen wir mit der Marie: So ein Länderspiel spült runde zehn Millionen TV-Euro aufs Konto des Deutschen Fußball-Bundes DFB. Geld, das zu nicht kleinen Teilen in den Amateurfußball, die Nachwuchsarbeit, Trainerausbildung und so weiter fließt. Geld, das wichtig und gut angelegt ist. Dass Geld bei der Frage Daumen hoch/runter im wahren Leben immer und überall eine Rolle spielt, ist keine Frage, sondern eine Feststellung.

Raus mit Applaus!

Was ist mit den Beteuerungen der Ukrainer? Kann man im Flieger, im Bus, in der Kabine und beim Üben wirklich den Mindestabstand halten? Ist ungefähr so realistisch wie eine Demo mit 16.000 Demonstranten auf dem Augustusplatz, die mit An- und Abstand für demokratische Werte eintritt. Beispiel gefällig? Am Sonntagmorgen wurden drei Taxis zum Steigenberger-Hotel beordert, die vier Herren der ukrainischen Delegation an den Flughafen bringen sollten. Bestellt, getan. Um 12.48 meldet sich die Bundespolizei bei der Taxizentrale und verlangte, dass die FahrerInnen und Autos aus dem Verkehr gezogen werden, weil positiv getestete Fußballer transportiert worden seien. Das ahnungslose Taxiunternehmen muss die Autos nun einer Ozon-Behandlung unterziehen, die drei Bediensteten mehrere Tage zu Hause und danach testen lassen. Die Rechnung dürfte an den ukrainischen Fußball-Verband gehen. UNGEHEUERLICH!

Am Dienstag reist der DFB ins Hochrisikoland Spanien. Spielen, nicht spielen? Vernünftig und angesagt, aber wahrscheinlich nicht umsetzbar: Nicht spielen! Aussteigen aus der schon in Vor-Pandemie-Zeiten hirnrissigen Nations League! Sofortiges Verbot von Testspielen in irgendeinem Zipfel der Welt, zu dem die Stars der Bundesliga jetten! Raus mit Applaus!

Muss erst ein schwerer Krankheitsverlauf eines prominenten Fußballers zu einem Umdenken führen und alle unnötigen Ausflüge/Spiele als das geißeln, was sie sind: fahrlässig und kreuzgefährlich? In diesem Fall würde wohl auch das Hygienekonzept made in Germany die Fortsetzung der Bundesliga nicht retten.