27. Dezember 2021 / 12:45 Uhr

Mit Nationalspieler Gündogan, Weltmeister Khedira und Co.: So läuft das DFB-Pilotprojekt "Players Pathway"

Mit Nationalspieler Gündogan, Weltmeister Khedira und Co.: So läuft das DFB-Pilotprojekt "Players Pathway"

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ilkay Gündogan (von links), Sami Khedira und Lars Stindl nehmen am DFB-Pilotprojekt Players Pathway teil.
Ilkay Gündogan (von links), Sami Khedira und Lars Stindl nehmen am DFB-Pilotprojekt "Players Pathway" teil. © Getty Images/IMAGO/PanoramiC/ULMER Pressebildagentur/Jan Huebner (Montage)
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Aktive Fußballer wie Ilkay Gündogan oder auch ehemalige Stars wie Sami Khedira streben eine Karriere als Trainer oder im Management eines Fußballvereins an. Das DFB-Projekt „Players Pathway“ soll den Teilnehmern helfen, den richtigen Weg nach der aktiven Zeit einzuschlagen. Doch wie genau läuft diese Orientierungsphase ab? Der SPORTBUZZER erklärt den Ablauf der Ausbildung

Ilkay Gündogan lernt von Pep Guardiola, Sami Khedira trainiert einst unter José Mourinho und Marcel Schmelzer erlebt knapp sieben Jahre lang Jürgen Klopp hautnah – die besten Trainer der Fußball-Welt spielen bei vielen Profis auch mit Blick auf die Karriere nach der Karriere eine große Rolle. Wer selbst einmal eine ähnliche Laufbahn einschlagen möchte, benötigt aber noch mehr Wissen. Und da kommt das Pilotprojekt "Players Pathway" des Deutschen Fußball-Bunds ins Spiel.

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"Ein guter Spieler ist nicht gleich ein guter Trainer", betont Lennart Claussen, der neben Markus Reiter und Dennis Weiland zu den Ausbildern dieses Ausbildungskurses gehört, im Gespräch mit dem SPORTBUZZER: "Als Ex-Profi bringt man natürlich ein unfassbares Erfahrungswissen mit. Der Weg bis hin zum Top-Trainer erfordert aber noch viel mehr als nur Technik und Taktik zu vermitteln. So sind auch die eigene Persönlichkeit sowie der Umgang mit den Spielern sind sehr wichtig."

Mit Sami Khedira, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Ömer Toprak, Marcel Schmelzer, Makoto Hasebe, Christoph Kramer, Lars Stindl, Philipp Wollscheid, Daniel Schwaab, Johannes Flum und Marc Schnatterer nehmen einige bekannte Fußballer am ersten Lehrgang teil. Es ist ein bunter Mix aus aktiven Profis, Ex-Spielern und mit sogar auch schon Trainern. "Es findet ein unglaublich großer Austausch statt. Es macht keiner aus irgendetwas ein Geheimnis und redet offen über das Erlebte. Alle zwölf Teilnehmer bringen sich in die Diskussionen ein", sagt Claussen.


Erste Trainingseinheit mit Eintracht-Nachwuchs

Los ging die informative Runde mit einem virtuellen Meeting im Oktober. Knapp vier Stunden lang erklärten die DFB-Ausbilder nach einer kurzen Einführung das Vorgehen und gingen bereits die ersten, wichtigen Inhalte durch. Was bedeutet es eigentlich, Trainer zu sein? Es war nur eine Frage, mit der sich das Pilotprojekt "Players Pathway" zu Beginn beschäftigte. Beim ersten Präsenztermin in Frankfurt im Oktober führte der Weg auch schon auf den Platz. Mit den U 14-/U 15-Junioren von der Eintracht ging es in die Anwendungsphase. "Der Umgang der Profis mit den jungen Spielern war echt super. Jeder Jugendspieler kann sich freuen, von diesen Persönlichkeiten trainiert zu werden. Diese Persönlichkeiten in Verbindung mit den gesammelten Erfahrungen kann die Entwicklung der Nachwuchsspieler positiv beeinflussen", meint Claussen. Und sogar bei den aktiven Profis gibt es schon konkrete Pläne über eine Zukunft als Trainer.

"Ich fühle mich privilegiert in meiner Fußballerkarriere bisher so viele Weltklassetrainer gehabt zu haben. Eines Tages dann all diese Erfahrungen an junge Fußballer weitergeben zu dürfen, kann ich mir sehr gut vorstellen", sagt Nationalspieler Gündogan von Manchester City im Gespräch mit dem SPORTBUZZER. Der 31-Jährige dürfte sich damit aber wohl noch etwas Zeit lassen. Einen Schritt weiter sind bereits Wollscheid, Schwaab und vor allem Sahin. Während die beiden ehemaligen Spieler von Bayer Leverkusen bereits eine erste Lizenz besitzen und in ihrer Heimat ein Jugendteam trainieren, ist Sahin schon als Coach bei einer Profi-Mannschaft aktiv – Antalyaspor in der Türkei.

"Die meisten Teilnehmer kommen aber ohne Vorlizenz hierher", berichtet Claussen. Ein Vorteil für die Ex-Profis: Alle Spieler, die mindestens sieben Jahre lang als Profi aktiv gewesen sind, können direkt mit der B+-Lizenz (früher Elite-Jugendlizenz) einsteigen. Die Teilnehmer des Pilotprojekts "Players Pathway" erhalten diesen Nachweis nach dem Abschluss im Mai. Doch bis dahin stehen noch zwei Lehrgänge an. Wie ein aktiver Profi das zeitlich noch hinbekommt? "Für mich ist es super, dass mir dieses Modell so flexibel angeboten wird. Obwohl ich hier in Manchester volles Programm habe, wird es für mich möglich sein, bis Saisonende den Kurs nebenbei zu begleiten. Es werden einige Online-Kurse sein und Präsenzveranstaltungen kann ich beispielsweise so legen, dass sie rund um die Anreise zu den DFB-Länderspielen stattfinden, wenn ich sowieso in Deutschland bin", sagt Gündogan.

Das nächste Treffen ist im Januar in Hennef geplant. Dort geht es speziell um die Talentförderung inklusive Einheiten auf dem Platz. Im März ist während der Länderspielpause wieder ein Meeting geplant. Kernthema: Trainer-Persönlichkeit. Claussen erklärt: "Wir wollen den Teilnehmern unter anderem vermitteln, wie man als Trainer mit Stress umgehen und auf Spieler, die unter Stress stehen, reagieren sollte." Doch nicht nur die Trainerausbildung steht bei diesem Politprojekt im Fokus. Ebenso gewähren die DFB-Ausbilder Einblicke in Management-Tätigkeiten im Profifußball.

Und da hört Khedira besonders hin. "Ich würde gerne Sportdirektor werden, da es mich wirklich interessiert, zu gestalten und zu verändern", wurde der frühere Mittelfeldstar zuletzt auf der UEFA-Homepage zitiert. Der ehemalige Spieler von Real Madrid und Juventus Turin gehört zu den bekanntesten Namen, die den UEFA-Master-Studienkurs für Nationalspieler in den nächsten zwei Jahren belegen. "Players Pathway" gibt dem inzwischen 34-Jährige bereits wichtige Einblicke auf dem Ausbildungsweg. So plant der DFB mit einem Vortrag eines Sportdirektor eines Champions-League-Vereins und auch mit einem Besuch eines Sportdirektoren eines Zweit- oder Drittligisten. „Bei den großen Vereinen können die Sportdirektoren auf ein großes Team zurückgreifen, das sie unterstützt. Hier geht es darum, die Aufgaben zu koordinieren. Kleinere Vereine haben logischerweise kleinere Teams, so dass auf die Sportdirektoren viele Dinge selbst erledigen müssen“, sagt Clausen.

Ob eine Karriere als Trainer oder vielleicht doch im Managementbereich – das DFB-Pilotprojekt "Players Pathway" soll den Teilnehmern interessante Optionen vorstellen. Die Runden leben von einem intensiven Austausch und wichtigen Erkenntnissen. "Wir müssen den Spielern nicht erklären, wie man welches System spielt. Wir haben aber schon oft festgestellt, dass sie nicht genau wissen, warum beispielsweise die Abseitslinie im Training 30 Meter vor dem Tor ist und warum man welche Trainingsform spielt", berichtet Claussen. Und so können Gündogan, Stindl und Co. auch schon etwas für ihre aktive Karriere mitnehmen. Das meiste Wissen aus dem DFB-Lehrgang ist dann aber doch eher ein großer Input für die Karriere nach der Karriere.