13. Juni 2022 / 12:42 Uhr

Kommentar: Der Transfer von BVB-Star Erling Haaland zu Manchester City ist ein Mega-Deal mit Risiko

Kommentar: Der Transfer von BVB-Star Erling Haaland zu Manchester City ist ein Mega-Deal mit Risiko

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
RND-Sportchef Heiko Ostendorp kommentiert den Transfer von BVB-Star Erling Haaland zu Manchester City.
RND-Sportchef Heiko Ostendorp kommentiert den Transfer von BVB-Star Erling Haaland zu Manchester City. © IMAGO/Kirchner-Media (Montage)
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Der Wechsel von Torjäger Erling Haaland von Borussia Dortmund zu Manchester City ist perfekt. Die Qualitäten des Norwegers sind unbestritten, für den Klub von Trainer Pep Guardiola zählt deshalb in der nächsten Saison mit Haaland umso mehr nur der Champions-League-Titel. Und genau da könnte das Problem liegen, kommentiert RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

Der Kaugummi-Poker hat endlich ein Ende! Erling Haaland wechselt also tatsächlich und endgültig von Borussia Dortmund zu Manchester City - und alle Beteiligten der Transferposse dürften durchatmen. Die BVB-Fans, die seit Wochen nur noch genervt waren vom Theater um den begehrten Superstar, der zuletzt mehr in Privatjets zu sehen war, als auf dem grünen Rasen. Der Spieler, der sich nun endlich nicht mehr "unter Druck gesetzt" fühlen muss und sich auf das konzentrieren kann, was er am liebsten tut: Tore schießen. Und natürlich die Verantwortlichen von ManCity, denen es erneut gelungen ist, sich die Dienste eine der heißesten Aktien im Weltfußball zu sichern - so weit, so gut.

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Doch wie lautet das jeweilige Fazit für die Beteiligten, nachdem der 350 Millionen-Euro-Deal durch ist? Dortmund verliert einerseits zwar seinen Torgaranten, der in 88 Pflichtspielen 85 Treffer erzielte, für einen längst nicht mehr marktgerechten Betrag (60 Millionen Euro) - andererseits erwirtschaftete man einen fetten Transferüberschuss (+40 Millionen Euro) und hätte den Norweger ohne entsprechende Ausstiegsklausel niemals bekommen. Das Geld wurde mit den Transfers von Niklas Süle, Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi bereits in vielversprechende Neuzugänge absolut sinnvoll investiert. Die Bosse haben somit das (bislang) Bestmögliche rausgeholt.

Guardiola muss sich mit Haaland neu erfinden

Ob der Schritt ins Starensemble von Pep Guardiola der richtige für Haaland ist, bleibt abzuwarten. Der Stürmer konnte sich den neuen Arbeitgeber aussuchen und entschied sich am Ende für den Klub mit der meisten Kohle und den des spanischen Trainer-Gurus, dessen Lack nach dem erneut verpassten Champions-League-Gewinn weiter abblättert und der sich neu erfinden muss, um Haaland in sein System ohne echten Stoßstürmer zu integrieren. Ein „Zwischenschritt“, beispielsweise zum FC Bayern oder Manchester United, wäre wohl die einfachere Lösung gewesen - die "Skyblues" MUSS er zum Henkelpott knipsen.

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Mit dem Mega-Transfer hat ManCity erneut ein Zeichen an die Konkurrenz gesendet, dass man nicht locker lässt, bis der Pokal mit den großen Ohren in der Klubvitrine steht. Damit Haaland der Mann wird, der Pep & Co. diesen Traum wirklich erfüllen kann, muss allerdings vieles besser laufen als zuletzt. Neben dem Trainer, der seine Taktik umstellen muss und den Superstars, die dem 21-Jährigen eine Sonderrolle zugestehen müssen, muss Haaland lernen, die richtige Balance zu finden zwischen seinem unbändigen Ehrgeiz, seiner kräftezehrenden Spielweise und Pausen, die er seinem Körper gönnen muss, der ihm bereits weitere Rekorde verweigerte.

Nur, wenn dies alles klappt, wird der Sturmbulle auch auf der Insel funktionieren und kann das elende Theater um seine Person rechtfertigen. Die Gefahr, dass es nicht wie erhofft läuft, ist in Anbetracht der Umstände allerdings deutlich größer.