06. Juli 2021 / 08:21 Uhr

Habers starke Handball-Saison beim SC DHfK Leipzig: „Absolute Gänsehautmomente“

Habers starke Handball-Saison beim SC DHfK Leipzig: „Absolute Gänsehautmomente“

Tilman Kortenhaus / Antje Henselin-Rudolph
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die harte Arbeit von DHfK- Coach André Haber hat sich ausgezahlt.
Die harte Arbeit von DHfK- Coach André Haber hat sich ausgezahlt. © Christian Modla
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Sommerpause beim Bundesligisten: DHfK-Cheftrainer André Haber hat im SPORTBUZZER-Interview über die Rekordsaison der Leipziger Handballer, Altlasten der Pandemie und das neue Aufgebot für die kommende Spielzeit gesprochen.

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Leipzig. Das Saisonziel des SC DHfK Leipzig ist erreicht. Der Handball-Bundesligist hat es auf den sechsten Tabellenplatz geschafft – ein neuer Bestwert. Im Interview mit dem SPORTBUZZER resümiert Cheftrainer André Haber, 35, die Corona-Saison, spricht über seine Neuzugänge, den Verlust von Philipp Weber, die hohe Fehlerquote seiner Truppe und über ein Wiedersehen mit Christian Prokop.

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SPORRTBUZZER: Ziemlich genau vor einem Jahr ist der SC DHfK in die Saison-Vorbereitung gestartet. War das die richtige Entscheidung für die XXL-Saison?

André Haber: Keiner wusste, wie man im letzten Jahr am sinnvollsten periodisiert. Wir haben uns extra zwei Wochen zwischen den beiden Vorbereitungsphasen frei genommen und früher angefangen. Was wir im letzten Jahr gemacht haben, war im Nachhinein das Beste, was wir machen konnten. Das sollte eigentlich vor jeder Saison so sein. Wir sind mit 7:1 Punkten in die Saison gestartet und hatten hinten raus noch einen tollen Fitnesszustand.

In diesem Jahr ist das undenkbar, die Saison ist erst seit einer Woche vorbei. Wann geht es für Sie los?

Wir starten am 26. Juli, damit ist die Vorbereitung in diesem Jahr wieder kürzer, das ist zeitlich aber nicht anders zu lösen. Eigentlich sollte die letzte Saison nur bis Mitte Mai gehen, da war die Planung schon sehr weit – dann kam Corona und hat alles auf den Kopf gestellt. Wir haben es der tollen Arbeit der Liga, der Vereine und aller Sportler zu verdanken, dass wir die Saison trotzdem durchziehen konnten. Jetzt sind wir aber an einem Punkt, an dem wir die Altlast der Pandemie ausbaden müssen und mit einer kürzeren Vorbereitung auskommen müssen.

Sie hatten vor der Saison gesagt, dass sie die beste Saison des SC DHfK Leipzig spielen wollen. Das haben Sie erreicht. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Das fühlt sich unglaublich gut an. Der sechste Platz war zwischenzeitlich nicht absehbar. Wir hatten einen Turbostart in die Saison, aber dann kam Corona. Das ist nur schwer zu bewerten. Diese Phase der Saison war für uns alles andere als einfach. Fakt ist aber, dass wir danach fast die gesamte Saison zwischen Platz acht und zwölf lagen. Ich bin sehr stolz darauf, dass das letzte Saisonviertel unser stärkstes war und wir es am Ende auf den sechsten Platz geschafft haben. Das zeigt nicht nur die Qualität der Mannschaft, sondern ist auch eine tolle Belohnung für die harte Arbeit – ist aber keineswegs eine Garantie für die Zukunft.

Um an den vorderen Plätzen dranzubleiben, haben Sie viel Verstärkung geholt – vier Rückraumspieler. Könnte die kurze Vorbereitung mit dem neuen Kader für Probleme sorgen?

Es ist immer schwer, wenn sich Strukturen verändern – das bietet aber auch eine Chance. Wir starten mit vier neuen Leuten, die Mannschaft wird sich neu finden müssen. Das wissen wir und wollen die Vorbereitung entsprechend anpassen. Ich sehe die Gefahr, die Sie skizzieren, auch. Vor allem mit jungen Spielern wie Oskar Sunnefeldt. Der fährt jetzt erst mal zu Olympia, wir sehen ihn erst drei Wochen, bevor es losgeht. Das ist wenig Zeit, aber eine coole Aufgabe, der wir uns stellen wollen.

Nach Patrick Wiesmachs Verletzung ist Lucas Krzikalla überragend in die Bresche gesprungen. Hat er sich damit künftig mehr Einsätze verdient?

Ich weiß genau, was ich an „Krizi“ habe. Ich kenne seine Stärken und freue mich für ihn, dass er so stabil gespielt hat. Wir sind auf den Außenpositionen insgesamt stark besetzt, auch Patrick Wiesmach, Lukas Binder und Marc Esche haben eine gute Saison gespielt. Wie genau die Aufstellung im nächsten Jahr aussehen wird, lasse ich mir aber offen.

Ihr Verein verliert in dieser Sommer auch wichtige Spieler – allen voran Philipp Weber, der wichtige Akzente im Angriffsspiel gesetzt hat. Wie kann man das ersetzen?

Wir haben auf Rückraummitte zuletzt viel auf Luca Witzke gesetzt, der nahezu in jedem Spiel eine sehr gute Leistung erbracht hat. Das belegen die Zahlen, aber auch mein Eindruck, wenn ich die Spiele sehe. Hinzu kommt mit Lovro Jotic ein Spieler, der dieses spektakuläre Element mitbringt und mit Simon Ernst eine weitere Schulter, um die Last zu verteilen. Er kann helfen, unsere Mannschaft besser zu machen – mit seiner menschlichen und sportlichen Qualität. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass der Kader für die nächste Saison der beste ist, den es in Leipzig bislang gab.

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Wir haben im Angriff zu unbeständig gespielt. Unsere Fehlerquote war einfach zu hoch. In der Tabelle hätte es nicht für den Klassenerhalt gereicht, wenn man nach der Anzahl der Fehler bewertet hätte. Das liegt sicher auch an einem schnellen Spiel und an bewusst hohem Risiko, aber wir müssen da besser werden.

Besteht nicht die Gefahr, dass mit dem Umbruch im Rückraum die Fehleranzahl weiter steigt?

Die Sorge habe ich nicht. Das war in dieser Saison wirklich ein großes Problem, aber das werden wir künftig besser machen.

Beim Saisonstart und im letzten Viertel hatte das Team die beste Punkteausbeute. In diesen Zeiten waren auch die Fans in der Halle. Was macht das für einen Unterschied?

Zuhause vor Zuschauern zu spielen, macht es deutlich leichter. Die Unterstützung ist extrem wichtig. Das waren absolute Gänsehautmomente, als die Zuschauer zurück in die Arena gekommen sind. Es ist sicherlich etwas anderes, wenn es Vier- oder Fünftausend sind. Man hat gemerkt, dass einige beim Ticketkauf noch reserviert waren. Hoffentlich entspannt sich das mit einer besseren Impfsituation.

Niclas Pieczkowski hat zuletzt gesagt, dass es unmöglich ist, in jedem Spiel alles zu geben. Das sei manchmal ein Problem gewesen, wenn es nach Topspielen zu vermeintlich schwächeren Teams ging. Stimmen Sie ihm zu?

Pitsche hat recht damit, dass nicht jedes Spiel das wichtigste Spiel der Saison sein kann. Er hat es noch weiter ausgeführt und den Arbeitsmodus des THW Kiel beschrieben. Sie bringen diese Qualität mit, die es ihnen erlaubt, ein Spiel runter zu spielen. Das ändert aber nichts daran, dass du als Trainer von deinem Team immer den vollen Fokus und Spitzenleistungen einfordern musst.

Nächste Saison treffen Sie gegen Hannover auf Christian Prokop, ihren ehemaligen Cheftrainer. Wird das ein besonderes Spiel für Sie?

Hannover hat eine spannende Mannschaft, eine junge Truppe mit tollen Spielern und an der Spitze mit Fabian Böhm einen erfahrenen Nationalspieler. Ich freue mich für Christian und auf die Begegnungen, aber mehr ist da nicht. Wir werden uns ganz normal auf das Spiel vorbereiten. Ich wünsche ihm mit seiner Mannschaft einen guten Start.