09. Januar 2022 / 20:42 Uhr

Hackpunkt statt Knackpunkt: Die Rote Karte, die RB Leipzig einen Sieg servierte

Hackpunkt statt Knackpunkt: Die Rote Karte, die RB Leipzig einen Sieg servierte

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
LEIPZIG, GERMANY - JANUARY 08: Alexander Hack of 1.FSV Mainz 05 is shown a red card during the Bundesliga match between RB Leipzig and 1. FSV Mainz 05 at Red Bull Arena on January 08, 2022 in Leipzig, Germany. (Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)
Untröstlich: Mainz-Verteidiger Alexander Hack (re.) besorgt RB Leipzig mit seiner roten Karte den Sieg. © 2022 Getty Images
Anzeige

Der Mainzer Alexander Hack serviert RB Leipzig das 1:0 und fliegt vom Platz. Doch nicht nur diese Aktion war bemerkenswert: Auch Nkunku und Silva glänzen beim 4:1. Und Raebiger debütiert mit zarten 16 Jahren.

Leipzig. Alexander Hack ist 1,93m groß, 28 Jahre alt, ein zweikampfstarker, zuverlässiger Bundesligaspieler. Bei Mainz 05 ist er immer dann gefragt, wenn gesetzte Abwehrspieler wie Moussa Niakhaté oder Jerry St. Juste verhindert sind. Beim Spiel in Leipzig muss/darf „Hacki“ ran. 20 Minuten lang haben Hack und Co. unter Ausschluss der Öffentlichkeit alles im Griff, lassen nur eine Halbchance von André Silva zu, setzen den Roten Bullen mit einem Angriffspressing am Strafraum zu.

Anzeige

Volles Programm für Mainz und Hack

Das Spiel erinnert quälende 20 Minuten lang an den RB-Auftritt in der Champions League daheim gegen Brügge (1:2), als die Abwehrspieler um Willi Orban nicht wussten, wie sie den Ball unfallfrei ins Mittelfeld transportiert bekommen. Befreiendes (weite Schläge, Eisen acht) stand damals unter Jesse Marsch auf dem Index und gehört auch am Sonnabend unter Domenico Tedesco nicht zum Repertoire. Stattdessen wird im (!) und am eigenen 16-Meter-Raum (!) quer- und zurückgepasst, kommen die Mainzer Jonny Burkardt und Karim Onisiwo mehr als einmal nur eine Fußspitze zu spät, um Richtung Peter Gulacsi durchzustarten. Raumgewinn? Null. Das sieht nicht gut aus und sorgt für Schnappatmung der RB-Getreuen vorm Fernseher.

JETZT Durchklicken: Die Bilder zum Spiel!

Sehr souverän: RB Leipzig ist mit einem klaren 4:1-Erfolg gegen den 1. FSV Mainz in die Rückrunde gestartet Zur Galerie
Sehr souverän: RB Leipzig ist mit einem klaren 4:1-Erfolg gegen den 1. FSV Mainz in die Rückrunde gestartet ©

Wann stellt irgendeiner der Herren auf dem Feld oder der Bank fest, dass Manchester City unter Druck wunderbar aus der Abwehr spielt, es sich im vorliegenden Fall aber um RB handelt? In der 20. Minute biegt das Spiel plötzlich und unerwartet gen Leipzig ab. Alexander Hack verliert den Ball an André Silva, Yussuf Poulsen scheitert an Torhüter Robin Zentner. Silva holt aus, sein satter Nachschuss wird sogleich das Netz ausbeulen. Wenn, ja, wenn da nicht Hack wäre. Der fährt reflexartig den rechten Oberarm aus. Deniz Aytekin zeigt auf den Punkt und Hack Rot. Die Doppelbestrafung wird zur Dreifachbestrafung, Silva trifft zum 1:0 (21.). Hack, der Mann der Wende, geht duschen. Es ist sein erster Platzverweis im 101. Bundesligaspiel.


Raebiger lernwillig

Die dezimierten Mainzer müssen sich ein Ei über ihr segensreiches frühes Stören hauen, kommen dennoch zu einer Ausgleichschance. Poulsens hohes Strafraum-Bein gegen Aaron mündet nur deshalb nicht in einen Elfmeter, weil der Däne den Mainzer nicht trifft. Der Freistoß bleibt in der Mauer hängen.

Zweite Halbzeit, Tedesco bringt Christopher Nkunku, der nach einer Quarantäne in Paris reichlich spät zum Kader gestoßen ist. Die erste Aktion des Unterschiedsspielers: Pass auf Dominik Szoboszlai, der den Ball zum 2:0 unter die Latte jagt (47.). Zweite Aktion des Franzosen: Kopfschütteln über den Mainzer 2:1-Anschluss durch Jae-Sung Lee (57.). Statt zu stören, heben diverse RB-Profis den Manuel-Neuer-Reklamierarm. Nkunku zum Dritten: Butterweicher Heber über Zentner zum 3:1 (58.). Nkunku, viertens: Slalom durch die 05-Abwehr, Schuss Silva, 4:1 (61.).

Der Dreier ist trotz mieser 20 Minuten und einer ungut langen Ausfallliste perfekt. Tedesco wechselt durch, bringt junge Menschen wie Hugo Novoa, 18, und Joscha Wosz, 19. Drei Minuten vorm Ende betritt Sidney Raebiger erstmals den Rasen eines Bundesligaspiels. Der gebürtige Freiberger ist 16 Jahre, acht Monate und 22 Tage jung, drittjüngster Bundesliga-Debütant der Geschichte. Und nach allem, was man sieht, hört und weiß, ist er wohlerzogen, lernwillig und höchst beliebt bei Stars wie Monsieur Nkunku. Könnte daran liegen, dass Raebiger nicht rund um die Uhr XXL-Kopfhörer trägt und aufs Smartphone starrt. Davon haben sie auch den einen oder anderen an der Backe am Cottaweg.