09. Januar 2022 / 10:30 Uhr

Ex-Profi Haggui über den Stellenwert des Afrika-Cups, die Corona-Lage in Kamerun und die Favoriten

Ex-Profi Haggui über den Stellenwert des Afrika-Cups, die Corona-Lage in Kamerun und die Favoriten

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der frühere Bundesliga-Profi Karim Haggui spricht über den Afrika-Cup in Kamerun.
Der frühere Bundesliga-Profi Karim Haggui spricht über den Afrika-Cup in Kamerun. © IMAGO/ZUMA Press/Geisser (Montage)
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Karim Haggui kennt den Afrika-Cup bestens. 2004 holt der frühere Bundesliga-Spieler sogar den Titel mit Tunesien. Vor dem Start des Turniers spricht der inzwischen 37-jährige Ex-Profi über die Bedeutung des Afrika-Cups, die Lage in Kamerun und die Favoriten

SPORTBUZZER: Herr Haggui, Sie waren fünf Mal beim Afrika-Cup mit dabei, haben insgesamt 20 Spiele bei diesem Turnier bestritten und 2004 den Titel gewonnen – was macht den Afrika-Cup so besonders?

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Karim Haggui (37): Für jeden Afrikaner ist es das größte Turnier, das es auf diesem Kontinent gibt. Es freuen sich alle darauf, die Spiele vor Ort oder im Fernsehen zu sehen. Die Fans pushen ihre Nationen, ganz Afrika vibriert und nicht nur das Wetter ist heiß. Fußball bedeutet den Menschen hier mega viel.

Sie sind seit wenigen Tagen als Botschafter für den Hauptsponsor des Turniers vor Ort. Wie ist Ihr Eindruck?


Es sind unglaublich viele Fans auf den Straßen unterwegs. Das ist anders als in Europa, wo die Leute oft nur am Spieltag direkt ihre Trikots anziehen und Stimmung machen. Hier ist jetzt schon viel Bewegung um die Stadien herum. Als ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, habe ich schon die ersten Leute feiern gesehen. Die Menschen sind in den Farben ihres Landes gekleidet. Man merkt, dass hier in Kamerun etwas Großes ansteht.

Sie waren beim Afrika-Cup 2004 in Tunesien, 2006 in Ägypten, 2008 in Ghana, 2010 in Angola sowie 2012 in Gabun und Äquatorialguinea mit dabei. Wie sind Ihre Erinnerungen an das Turnier?

Es war in allen Ländern sehr euphorisch. Natürlich war der Sieg 2004 im eigenen Land der Höhepunkt. In diesem einen Monat, wo der Afrika-Cup ansteht, wird im Gastgeberland fast alles gestoppt. Jeder konzentriert sich auf den Fußball und das Turnier. Auch in den anderen Ländern rückt der Fußball noch mehr in den Fokus als sonst.

In Europa oder auf anderen Kontinenten genießt der Afrika-Cup aber keinen hohen Stellenwert…

Das ist extrem schade. Ich würde mir wünschen, dass der Afrika-Cup mehr respektiert und akzeptiert wird. Das Turnier ist ein wunderschöner Moment für uns Afrikaner und hier spielen viele tolle Fußballer.

Zum Beispiel Mohamed Salah für Ägypten, Sadio Mané für den Senegal oder auch Achraf Hakimi für Marokko. Welchen Top-Star habe ich vergessen?

Diese drei Spieler zählen schon zu den Superstars in Afrika. Für mich gehören zu dieser Liste auch ganz besonders die beiden Algerier Riyad Mahrez und Ismaël Bennacer. Es wurden schon oft sehr gute afrikanische Spieler von europäischen Top-Vereinen verpflichtet. Und als Tunesier muss ich auch Hannibal Mejbri nennen. Er ist erst 18 Jahre alt, steht bei Manchester United unter Vertrag und ist das wohl größte Talent des Turniers.

Gute Überleitung. Tunesien zählt eigentlich immer zu den Favoriten. Wie ist das Team in diesem Jahr aufgestellt?

In den Bereichen Taktik und Disziplin gibt es keine bessere Mannschaft bei diesem Turnier. Das Team spielt schon seit zwei, drei Jahren zusammen und ist in allen Mannschaftsteilen gut aufgestellt. Ellyes Skhiri vom 1. FC Köln bildet die Achse der Mannschaft. Er ist ein richtig starker Spieler, der gut verteidigen und die Bälle auch nach vorne spielen kann. In der Offensive setze ich viel auf Kapitän Youssef Msakni und Angreifer Wahbi Khazri. Und über Mejbri habe ich ja bereits geredet. Er hat mir schon beim Arab-Cup sehr gut gefallen.

Welche Nationen zählen Sie neben Tunesien zu den großen Titelanwärtern?

Es gibt drei Länder, die für mich zum engen Favoritenkreis zählen. Neben Tunesien sind das Algerien als Titelverteidiger und amtierender Arab-Cup-Sieger sowie Senegal mit Spielern wie Sadio Mané, Kalidou Koulibaly oder auch Edouard Mendy. Mein Geheimfavorit ist Marokko. Sie haben auch Top-Stars wie Achraf Hakimi und Youssef En-Nesyri und sind zudem als Mannschaft richtig gut. Das Team von Vahid Halilhodzic hat in der Qualifikation und auch zuletzt sehr guten Fußball gezeigt. Kamerun als Gastgeber darf man auch nicht unterschätzen. Ich weiß, wie es ist, wenn man bei so einem Turnier von den Fans unterstützt wird. Durch die Euphorie in diesem Land ist alles möglich.

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Das Land stand aber auch viel in der Kritik und wurde in den vergangenen Jahren von Unruhen sowie Angriffen auf die Zivilbevölkerung erschüttert. Zudem sind nur 2,5 Prozent der Bevölkerung geimpft. War es richtig, dass das Turnier in Kamerun stattfindet?

Ich kann nur meine aktuellen Eindrücke schildern – und die sind richtig gut. Hier ist alles sicher, ich sehe keine Unruhen und auch keine Sachen, die mich im negativen Sinne überraschen. Ich bin gerade in der Hauptstadt Jaunde und kann nur positiv berichten. Es ist wichtig, dass die Menschen auf der ganzen Welt dieses Turnier und auch das Land Kamerun respektieren.

Sie leben in Deutschland und Tunesien. Wie geht Kamerun mit der Corona-Pandemie um?

Ich bin positiv überrascht. Die Leute hier halten sich größtenteils an die Regeln, tragen die Masken und gehen sehr diszipliniert mit der Situation um. Es steht fast überall Desinfektionsmittel und es werden die Abstände eingehalten. Die Menschen haben sich auch hier der schwierigen Situation angepasst.

Begleitet Sie überhaupt kein unwohles Gefühl?

Nein. Ich halte mich an die Regeln, werde auch in der Öffentlichkeit eine Maske tragen und die Abstände einhalten. Ich kann natürlich nicht wissen, wie der Impfstatus oder auch der genaue Gesundheitszustand von den Menschen in meiner Nähe ist. Aber ich bin geimpft und werde alles unternehmen, mich nicht zu infizieren.