26. März 2020 / 17:17 Uhr

Hainsberger Torhüter Thomas Metzner: „Absagen im Sommer wären eine Katastrophe“

Hainsberger Torhüter Thomas Metzner: „Absagen im Sommer wären eine Katastrophe“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Metzner ist mit Leib und Seele Fußballer und auch Fußballtrainer.
Thomas Metzner ist mit Leib und Seele Fußballer und auch Fußballtrainer. © Privat
Anzeige

Thomas Metzner bangt auf Grund der Corona-Krise um seine Existenz: Fußball-Camps, die Teil seiner Fußballschule sind, müssen ausfallen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er auch über die Konsequenzen einer Absage der Camps im Sommer, seinen Dynamo-Abgang und lässt seine Laufbahn Revue passieren.

Anzeige
Anzeige

Thomas Metzner hat schon viel erlebt. Der 36 Jahre alte Torhüter wurde bei Dynamo Dresden ausgebildet, war in Spanien, Dänemark und der Schweiz aktiv. Seine Laufbahn lässt er seit 2018 beim Hainsberger SV ausklingen. Sein Geld verdient Metzner mit einer eigenen Fußballschule. Auch über Ostern und Pfingsten wollte er mit der „Team-Soccer Fußballschule“ in Sachsen unterwegs sein – aber daraus wird nichts. Er muss alle Termine absagen und auch die Camps in den Sommerferien drohen auszufallen.

Frage: Herr Metzner, wie viele Termine mussten Sie bereits stornieren?

Metzner: Wir werden fünf Camps, die über Ostern und Pfingsten stattfinden sollten, absagen müssen. Das betrifft Freital, Nossen, Radeburg, Dresden und Weißenborn bei Freiberg.

Angenommen, auch die Camps in den Sommerferien fallen weg. Wie hoch wäre der finanzielle Schaden?

Daran möchte ich noch gar nicht denken, aber das wäre eine Katastrophe. Im Sommer finden 38 unserer 50 in diesem Jahr geplanten Camps statt. Da auch unser zweites Standbein, die Sportkurse an Schulen und Kindergärten, momentan komplett ausfallen, da die Schulen und Kindergärten geschlossen sind, könnten wir das ohne staatliche Hilfe nicht kompensieren. Wir reden dann von einem Schaden im sechsstelligen Bereich. Viel wichtiger aber, es geht um unsere Angestellten, um Menschen, die von unserer Fußballschule leben und ihre Familien ernähren.

Sind im Sommer auch Camps in Dresden geplant?

Ja, etliche. Im Juli und August wollen wir bei der SG Bühlau, bei der SG Kesselsdorf, bei Blau Weiß Zschachwitz, dem SV Eintracht Dobritz und bei Motor Trachenberge Station machen. Wir hoffen sehr, dass wir uns dort auf dem Fußballplatz treffen können.

Haben Sie Hoffnung, dass es auch für Ihren Bereich staatliche Hilfen geben wird?

Ja. Wir haben bei der Flut 2002 gesehen, was in Sachsen möglich ist und wie Hilfe aussehen kann. Bisher kenne ich noch keine konkreten Schritte, aber die Bundesregierung hat angekündigt, das allen geholfen wird – also auch uns, den Kleinunternehmern und dem Mittelstand. Ohne Hilfe werden wir die Krise kaum überstehen, zumal Investoren in dieser Zeit schwer zu finden sind.

Mehr zum Fußball in Dresden

Wie viele Standorte gibt es aktuell?

Insgesamt 50 in Deutschland und Österreich.

Reicht Ihre Zeit, bei den Camps aktiv auf dem Trainingsplatz zu stehen und wie viele Trainer und Übungsleiter gehören zu Ihrem Team?

Ich versuche möglichst oft dabei zu sein, kann das aber nicht immer gewährleisten, da einige Camps parallel stattfinden. Daher gibt es Camp-Leiter, die viel Erfahrung einbringen. Zum festen Stamm gehören zudem zehn Trainer, hinzu kommen noch bis zu zehn Honorar-Trainer. Nur so können wir die hohe Qualität gewährleisten und in kleinen Gruppen arbeiten.

Ihre aktive Laufbahn schien eigentlich fast schon beendet, oder?

Ja, es stand vor ein paar Jahren die Frage, weiter im Profibereich zu bleiben oder etwas aufzubauen für die Karriere danach. Und da ich nicht in der Bundesliga gespielt habe, also nicht viel Geld zurücklegen konnte, habe ich mich entscheiden, meine eigene Firma aufzubauen. Damit war klar, dass aktiv Fußball zu spielen nur noch nebenbei geht.

Wann hatten Sie den Entschluss getroffen, mit einer Fußballschule auf Tour zu gehen?

Das war 2014 nach meiner Zeit beim FC Zürich, als mir kein richtiger Profivertrag mehr angeboten wurde. Ich musste mich entscheiden, wollte aber unbedingt im Fußball bleiben. Daher hatte ich zuvor auch schon Sportmanagement studiert.

Mehr zum Fußball in Dresden

Wie viele Camps waren es im ersten Jahr?

Wir haben 2014 mit vier Camps in Österreich angefangen und haben 2019 insgesamt 42 Camps in Deutschland und Österreich durchgeführt. Begonnen haben wir einst mit insgesamt 50 Teilnehmern, im Vorjahr waren es knapp 1.000.

Wie kamen Sie vor elf Jahren nach Barcelona?

Durch meinen damaligen Berater. Ich wollte mal in Spanien spielen und das Angebot 2009 vom Drittligisten aus Terrassa, einem Vorort von Barcelona, passte perfekt. Schneller und technisch starker Fußball, eine großartige Stadt und herzliche Menschen. Wobei meine erste Wahl damals Bordeaux war. Aber Girondins hatte sich dann leider gegen mich entschieden.

Würden Sie, wenn es möglich wäre, heute Ihre Laufbahn anders gestalten?

Im Nachwuchsbereich gab es ein, zwei Situationen, die ich anders machen würde. Vielleicht würde ich auch länger in Dänemark und der Schweiz spielen, als ich es tatsächlich gemacht habe. Aber im Großen und Ganzen habe ich viel erlebt und bin zufrieden, wie es gelaufen ist.

Warum sind Sie im Männerbereich nicht bei Dynamo geblieben?

Ich bin 2002/03 mit 18 Jahren in den erweiterten Männer-Kader aufgerückt. Cheftrainer war Christoph Franke, ich habe in der zweiten Mannschaft unter Matthias Müller gespielt. Dann holte mich der ehemaliger DDR-Nationaltorhüter Rene Müller zum VFC Plauen. Er arbeitete dort als Trainer. Nachdem ich im April 2003 unterschrieben hatte, kam im Mai das Angebot zur Vertragsverlängerung bei Dynamo. Das war viel zu spät, aber damals fehlte es dort an Struktur und einem starken Management. Jürgen Schwarz

Die aktuellen TOP-THEMEN
Sport aus Dresden
Sport aus aller Welt