26. Januar 2020 / 09:58 Uhr

Erst bei der Eintracht, dann an der ZDF-Torwand: RB Leipzigs Halstenberg verliert doppelt

Erst bei der Eintracht, dann an der ZDF-Torwand: RB Leipzigs Halstenberg verliert doppelt

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Marcel Halstenberg im ZDF-Sportstudio.
Marcel Halstenberg im ZDF-Sportstudio. © imago images
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Es war ein gebrauchter Tag für Leipzigs Außenverteidiger. Nach der 0:2-Niederlage in Frankfurt, musste sich Marcel Halstenberg auch an der Torwand gegen einen Amateur-Kicker geschlagen geben.

Mainz/Leipzig. Als Marcel Halstenberg kurz nach Mitternacht auch den sechsten Ball an der ZDF-Torwand versemmelt und gegen seinem Amateur-Gegner ebenso wie am Nachmittag gegen die Eintracht 0:2 verloren hatte, tröstete Moderator Jochen Breyer den RB-Profi: "Es sollte heute nicht sein." Diese Floskel hatte der Leipziger Verteidiger selbst zuvor bei der Analyse der Leipziger Bundesliga-Pleite verwendet: "Es sollte nicht sein. Wir hatten gute Chancen in der ersten Halbzeit. Dann haben wir vor dem Sonntagsschuss der Eintracht nicht konsequent genug verteidigt."

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Halstenbergs Herz schlägt für RB

Ja, es ist nicht jedem Sportstudio-Gast vergönnt, mit einem frisch errungenen Sieg in die Live-Sendung zu fahren. Dieses Glück hatte Freiburgs Coach Christian Streich eine Woche zuvor nach dem Match in Mainz. Der RB-Außenverteidiger, der eigentlich gemeinsam mit dem kurzfristig verletzten Kollegen Lukas Klostermann eingeladen war, musste dagegen über einen gebrauchten Tag berichten und gleich die Einschätzung von Julian Nagelsmann kommentieren. Der hatte dem Tabellenführer fehlende Meister-Reife attestiert - zumindest in dieser Woche. "Halste" gab seinem Trainer Recht: "Er findet immer passende Worte direkt nach dem Spiel. Und er wollte mit Absicht den Finger in die Wunde legen. Wir waren zuletzt im Training bei Elf gegen Elf nicht gierig genug, haben nicht das umgesetzt, was wir uns im Video erarbeitet haben. Trotzdem: Wir sind eine junge Mannschaft und gierig. Aber das müssen wir im Training mehr zeigen."

DURCHKLICKEN: Bilder zum 0:2 in Frankfurt im Januar 2020

RB Leipzig unterliegt bei Eintracht Frankfurt nach einer insgesamt schwachen Vorstellung mit 0:2. Zur Galerie
RB Leipzig unterliegt bei Eintracht Frankfurt nach einer insgesamt schwachen Vorstellung mit 0:2. ©

Marcel Halstenberg ist jetzt 28, hat mit RB seit 2017 durchweg tolle Platzierungen und drei Mal die Europapokal-Qualifikation vorzuweisen. "Es wäre schon toll, mal einen Titel in der Hand zu halten." Der in der 2. Liga vom FC St. Pauli nach Sachsen gewechselte Nationalspieler gab später zu: Sein Herz schlägt zwar für RB, er habe aber noch einen Faible für Dortmund. Denn über seinen älteren Bruder sei er als Kind BVB-Fan geworden. Zum Neu-Dortmunder und verhinderten Leipziger Winter-Zugang Erling Haland meinte Halstenberg: "Er macht das überragend, mit ihm hat Dortmund einen Coup gelandet."

Der Leipziger Nationalspieler und EM-Kandidat berichtete, dass er sich als gelernter Innenverteidiger nie in den Fokus der U-Nationaltrainer spielen konnte. Irgendwann wurde er auf die linke Seite gestellt. Diese zu beackern, habe sich als Glücksgriff erwiesen und mache ihm längst besonders viel Spaß, "weil man sich viel mehr in der Offensive einschalten kann".

Europameistertitel bringt mehr Ansehen

Ein am Nachmittag aufgenommener O-Ton von Bundestrainer Jogi Löw zum Studiogast lautete so: "Marcel ist vom Charakter her ruhig und ausgeglichen, aber auf dem Platz bringt er sehr viel Energie rein. Er hat sich in der Auswahl schnell und nahtlos eingefügt."

Schließlich berichtete Halstenberg noch vom Schlafforscher aus England, der vergangene Woche bei RB zu Gast war: "In Leipzig schaut man über den Tellerrand, man versucht, Themen wie Ernährung oder Schlaf zu optimieren." Die Methode, fünf Mal 90 Minuten über den Tag verteilt zu schlafen, sei aber eher nichts für Fußball-Profis. Ebenso wenig ein von Breyer ins Gespräch gebrachte Nickerchen am Arbeitsplatz. Dass Jung-Papa Halstenberg wegen des Töchterchens seit Sommer die ein oder andere Stunde zu wenig geschlafen hat, räumte er ein: "Es ist schon eine Umgewöhnung, aber meine Frau stärkt mir den Rücken, vor Heimspielen schlafe ich schon mal im Gästezimmer."


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Zum Abschluss sollte der Blondschopf noch die leicht provokante Zuschauer-Frage beantworten, ob er sich im Zweifel eher für den Titel mit Leipzig oder mit der DFB-Elf bei der EM entscheiden würde: "Ich hoffe, meine Kollegen in Leipzig nehmen es mir nicht übel: Ein Europameistertitel bringt schon noch mehr Ansehen."