12. April 2022 / 07:19 Uhr

Halstenberg über Startelf-Comeback mit Tor für RB: "Meine Eltern haben von oben zugeschaut"

Halstenberg über Startelf-Comeback mit Tor für RB: "Meine Eltern haben von oben zugeschaut"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Marcel Halstenberg
Marcel Halstenberg zu einer eventuellen Vertragsverlängerung: „Wenn beide Seiten das wollen, wird es dazu kommen.“ © dpa
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Marcel Halstenberg (30) hat inzwischen 190 Pflichtspiele für die Roten Bullen absolviert, zählt zu den dienstältesten Spielern, stand am letzten Sonntag erstmals seit mehreren Verletzungen und privaten Schicksalsschlägen in der Startelf. Der Verteidiger spricht im LVZ-Interview über Trainer Tedesco, den Zusammenhalt in der Mannschaft, seine Leistung gegen Hoffenheim und seine Familie. 

Leipzig. Sein letzter Starteinsatz für die Roten Bullen datierte vom 22. Mai 2021, es war das finale Bundesliga-Spiel der Saison und endete mit einer 1:2-Niederlage für Marcel Halstenberg und Co. Es folgte für den Nationalspieler der Roten Bullen eine unerquickliche EM, private Schicksalsschläge, eine langwierige Verletzungsgeschichte (Fuß, Knie, Rücken) – und sogar Gedanken an ein Karriereende. Die sind verflogen. Weil die Zeit im Wortsinn Wunden geheilt hat. Halstenberg (30/seit 2015 bei RB/190 Pflichtspiele, 14 Tore, 23 Vorlagen) über sein Startelf-Comeback nach 323 Tagen, sein Tor beim 3:0 gegen Hoffenheim und eine nun wieder mögliche Vertragsverlängerung.

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SPORTBUZZER: Nach Ihrem Tor schauten Sie in den Abendhimmel und gedachten Ihrer 2021 kurz nacheinander verstorbenen Eltern. War das Ihr emotionalster Moment als Fußballspieler?

Marcel Halstenberg: Es war ein ganz besonderer Moment, in dem sich ein Kreis geschlossen hat. Ich hatte sehr lange nicht von Anfang an gespielt, habe nach dem Tod meiner Eltern und wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen ein wenig gezweifelt, ob ich zurückkehren kann und mich manchmal gefragt, wofür ich mich in der Reha quäle. Aber die Zeit heilt Wunden. Seelische und körperliche. Ich bin wieder da, freue mich über meine Rückkehr und kann mich nur herzlich bedanken bei allen, die mir auf diesem Weg geholfen haben. Bei meiner Familie, Freunden, meinen Teamkollegen, den Trainern. Und ich bin überzeugt, dass meine Eltern von oben zugeschaut haben.

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Konrad Laimer flipperte den Ball zu Ihnen, Ihr Schuss ging durch Hoffenheimer Hosenträger, Innenpfosten, Tor. Bei Ihrem Tor hatte der Fußball-Gott seine Hände im Spiel.

Konni hatte das bestimmt genauso geplant, jedenfalls fast. Ich habe den Ball gut getroffen und war einfach nur glücklich, als er eingeschlagen ist.

Ihre langjährigen Teamkollegen Emil Forsberg und Laimer waren die ersten Gratulanten, danach wurden Sie von allen anderen geherzt. Das Fußball-Geschäft ist hart und herzlich.

Alle wussten, was mir dieses Spiel und dieses Tor bedeutet, und haben sich mit mir gefreut. Wir sind 2022 erfolgreich, Erfolg schweißt immer zusammen. Aber der Teamspirit war bei uns auch in weniger guten Zeiten da.

Was hat Domenico Tedesco vorm Spiel zu Ihnen gesagt?

Geh’ raus, gib Gas, mach’ dir keine Gedanken. Er hat kein großes Ding daraus gemacht.


JETZT Durchklicken: Die Bilder zum 3:0-Erfolg der Roten Bullen!

RB Leipzig setzt seine Erfolgsserie fort: In einer über weite Strecken einseitigen Partie gewann die Tedesco-Elf gegen die TSG 1899 Hoffenheim klar mit 3:0. Zur Galerie
RB Leipzig setzt seine Erfolgsserie fort: In einer über weite Strecken einseitigen Partie gewann die Tedesco-Elf gegen die TSG 1899 Hoffenheim klar mit 3:0. ©

Wie oft meldete sich während des Spiels der innere Schweinehund und empfahl Ihnen, einen Gang rauszunehmen?

Er kam gar nicht. Ich habe mich von der ersten Minute an gut und frisch gefühlt, wir alle waren klasse im Spiel. So eine frühe und klare Führung bringt zusätzliche Kraft und die Überzeugung: Heute brennt nichts an.

Den Hoffenheimern fehlten zwei, drei Qualitätsspieler.

Sie haben trotzdem eine gute Mannschaft aufs Feld geschickt. Wir haben dominiert und gewonnen, weil wir gut und griffig waren und nicht, weil die Hoffenheimer nicht in Bestbesetzung aufgelaufen sind.

Wie schwer ist Ihnen das Aufstehen am Montag gefallen?

Gar nicht schwer. Ich war früh am Cottaweg, habe mich massieren lassen, bin danach in die Eiszeit-Lounge. Regeneration ist bei unserem engen Kalender wichtig.

Was geht am Donnerstag in Bergamo?

Die sind richtig gut. Körperlich, fußballerisch und taktisch. Aber das sind wir auch. Wir wollen unbedingt ins Halbfinale, also müssen wir gewinnen. Für solche Spiele ist man Fußballer geworden.

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Der SC Freiburg drängelt am Auspuff. Macht Ihnen die Konstanz des SC Sorge hinsichtlich der Champions-League-Qualifikation?

Freiburg ist ein klasse Verein, super geführt, mit einem fantastischen Trainer und einem richtig starken Kader. Sie haben es verdient, europäisch zu spielen. Und wenn sie das schaffen, muss das ja nicht heißen, dass wir es nicht schaffen. Alle sprechen nur vom Platz vier. Platz drei ist auch nur einen Punkt entfernt.

Könnte die Dreifach-Belastung zum Nachteil gereichen?

Unser Kader ist groß und stark genug, die Belastungssteuerung funktioniert bisher tadellos. Wir freuen uns, dass wir noch in so vielen Wettbewerben mitmischen, wollen etwas gewinnen.

Wie nehmen Sie Domenico Tedesco wahr?

Er spricht mit jedem Spieler, bereitet uns top auf jeden Gegner vor, fördert den Teamgeist, bringt Spaß und Ernsthaftigkeit zueinander. Das passt.

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Tedesco schwärmt von Ihrer Vielseitigkeit und Ihrem Charakter. Wann verlängern Sie Ihren Vertrag?

Wenn beide Seiten das wollen, wird es dazu kommen.

Würden Sie wollen?

Ja.