19. Mai 2021 / 15:06 Uhr

Hamann kritisiert Löw: Die beiden Wolfsburger fehlen im EM-Kader!

Hamann kritisiert Löw: Die beiden Wolfsburger fehlen im EM-Kader!

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ridle Baku und Maximilian Arnold fahren nicht zur EM, Didi Hamann findet das nicht gut.
Ridle Baku und Maximilian Arnold fahren nicht zur EM, Didi Hamann findet das nicht gut. © dpa
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Ridle Baku und Maximilian Arnold galten lange als Kandidaten für das deutsche EM-Aufgebot. Dass die beiden Spieler des VfL Wolfsburg nun nicht dabei sind, sieht vor allem Sky-Experte Didi Hamann kritisch.

Kein Spieler des VfL Wolfsburg im deutschen Aufgebot: Das gehört zu den Themen, die nach der Nominierung von Bundestrainer Joachim Löw diskutiert werden. Die deutlichste Kritik kommt von Sky-Experte Didi Hamann: "Die beiden Wolfsburger fehlen mir im Kader." Gemeint sind Ridle Baku und Maximilian Arnold.

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Beide sind im 26-köpfigen Löw-Kader nicht dabei. Baku wird stattdessen voraussichtlich die Endrunde der U21-EM spielen, Arnold ist weiterhin ein Kandidat für die Olympia-Auswahl. Hamann hätte sie lieber bei der "großen" EM gesehen. "Ich hätte Baku anstelle von Emre Can mitgenommen. Can hat in Dortmund eine durchwachsene Saison gespielt, Baku in Wolfsburg eine herausragende Saison." Und da 26 statt wie üblich 23 Spieler nominiert werden dürfen, "hätte es auch Platz für Arnold gegeben", findet der Ex-Nationalspieler. Denn "unter den acht, neun Mittelfeldspielern ist nur ein Linksfuß", und das sei Kai Havertz vom FC Chelsea, "der im Grunde eher beidfüßig ist." Ein Linksfuß wie Arnold wäre darum eine Bereicherung gewesen.

Für Baku wäre eine Nominierung ein weiterer Höhepunkt einer ereignisreichen Saison gewesen. Anfang Oktober war er von Mainz 05 nach Wolfsburg gewechselt, der VfL brauchte nach den Ausfällen von William und Kevin Mbabu einen neuen Rechtsverteidiger. Der Neue überzeugte - so sehr, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw in den Kader der A-Nationalmannschaft berief. Am 11. November machte Baku in Leipzig gegen Tschechien (1:0) sein bislang einziges A-Länderspiel. Anschließend ging es zur U21 zurück, dort war er Stammkraft, spielte sechs Tage nach dem Debüt in der "großen" Nationalmannschaft wieder für das Team von Stefan Kuntz (2:1 in Braunschweig gegen Wales) und war auch einer der Leistungsträger beim ersten Teil der U21-EM in Ungarn.

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Ob Baku im Sommer die EM-Endrunde der U21 oder die Euro im Löw-Team spielt, galt seitdem als offene Frage, die Baku selbst immer entspannt beantwortete. Das eine wäre „ein Traum“, mit dem anderen "wäre ich auch glücklich“, sagte er in der vergangenen Woche. Am 31. Mai geht die U21-EM mit dem deutschen Viertelfinale gegen Dänemark weiter, den endgültigen Kader gibt es voraussichtlich nach dem Kurztrainingslager in Südtirol (23. bis 29. Mai).

Arnold hatte sich mit einer starken und vor allem konstanten Saison in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gespielt, wurde aber nicht zu den Länderspielen im März eingeladen und rechnete darum zuletzt aber nicht mehr mit einer Nominierung. Zu seinen größten Fürsprechern gehört VfL-Trainer Oliver Glasner. „Nachdem ich hierherkam, habe ich ihn relativ schnell gefragt: Warum spielst du eigentlich nicht in der deutschen Nationalmannschaft?", so der Österreicher im März. Denn Arnold bringe alles mit, „was der moderne Fußball an Anforderungen an seine Position stellt. Wo er sich sicherlich deutlich verbessert hat, ist die Dynamik seines Spiels."

Für den DFB-Auswahl reicht es trotzdem nicht. Lediglich 2014 hatte er einmal in der Nationalelf spielen dürfen. Bei einem Testspiel vor der WM beim 0:0 gegen Polen in Hamburg . Mehr Wertschätzung genoss der lauf- und zweikampfstarke Mittelfeldspieler stets in der U21 unter Trainer Stefan Kuntz, 2017 war er mit diesem Team Europameister geworden – als Kapitän. Kuntz ist auch für die Olympia-Auswahl 2021 zuständig und darf dafür drei Spieler nominieren, die älter als 23 Jahre sind.


Kein Baku, kein Arnold - es bleibt nun bei zwei Spielern, die für den VfL in einem deutschen EM-Aufgebot standen - Julian Draxler und André Schürrle bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Schürrle kam auf drei Einsätze, Draxler auf sechs. Zwölf Jahre zuvor stand Thomas Brdaric im deutschen EM-Kader, das allerdings noch als Spieler von Hannover 96, auch wenn sein Wechsel nach Wolfsburg schon feststand.

Zwei andere VfLer dagegen erfuhren am Dienstag, dass sie bei der EM dabei sind: Xaver Schlager und Pavao Pervan gehören erwartungsgemäß zum Aufgebot der österreichischen Nationalmannschaft. Während Koen Casteels (Belgien) und Renato Steffen (Schweiz) ihre EM-Teilnahmen absagen mussten, ist auch Josip Brekalo (Kroatien) dabei, während Admir Mehmedi und Kevin Mbabu als sichere Kanditen für das Team der Schweiz gelten.