18. Januar 2021 / 18:15 Uhr

Reise in die eigene Vergangenheit: HSV-Trainer Thioune und das Duell gegen "seinen" VfL Osnabrück

Reise in die eigene Vergangenheit: HSV-Trainer Thioune und das Duell gegen "seinen" VfL Osnabrück

Andreas Hardt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mit dem aktuellen Klub HSV gegen den Heimat- und Ex-Klub: Trainer Daniel Thioune am 16. Spieltag der 2. Bundesliga.
Mit dem aktuellen Klub HSV gegen den Heimat- und Ex-Klub: Trainer Daniel Thioune am 16. Spieltag der 2. Bundesliga. © imago images/Jan Huebner/Montage
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Fast sein gesamtes sportliches und privates Leben verbrachte Daniel Thioune beim und rund um den VfL Osnabrück. Am Montagabend trifft der Trainer des Hamburger SV auf seine Vergangenheit.

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Irgendwann, so etwa nach zwei Dritteln der vorgesehenen Fragezeit vor dem Heimspiel des Hamburger SV an diesem Montag gegen den VfL Osnabrück, hatte der HSV-Trainer genug: "Lassen Sie uns alle etwas weniger Daniel Thioune machen, sondern mehr HSV gegen VfL Osnabrück – dann wird es sicherlich ein ganz spannender Abend werden."

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Wahrscheinlich. Aber die Osnabrücker Vergangenheit kann der Fußballlehrer nicht abschütteln. Und will es auch gar nicht: "Ich bin 46 Jahre alt und habe 44 Jahre in Osnabrück gewohnt", sagt er. Und deshalb, na klar: "Es ist für mich ein besonderes Spiel." Er geht das dann schnell mal durch, die Geschichte ist zu schön: "Ich bin dort geboren, aufgewachsen, VfL-Fan geworden, bin Spieler beim VfL geworden und Trainer und dann als Trainer mit der Mannschaft aufgestiegen." Und dann sagt er das für ihn wohl Entscheidende: "Ich habe mich dort brutal entwickeln dürfen. Als Trainer und als Mensch." Aber: "Zu einer Entwicklung gehört, dass man sich weiterentwickeln möchte."

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Also raus aus der niedersächsischen Halbprovinz in die Großstadt, "zu einem der größten deutschen Vereine." Der kluge Trainer baut für so etwas mit einer Ausstiegsklausel vor. "Die Chance und die Freude, die ich jetzt habe, beim HSV Trainer sein zu dürfen, macht es noch etwas besonderer, weil mich viele Menschen in Osnabrück unterstützt haben, dass ich diesen Weg gehen darf." Viele hatten ihn aber auch gewarnt, vor der "Schlangengrube" HSV, vor der öffentlichen Wahrnehmung, den Reaktionen auf Ergebnisse, der schnell ausbrechenden Unruhe, den Lagerkämpfen im Verein. So, wie es im Moment wieder ist, wo sich eine Opposition gegen Präsident Marcel Jansen gebildet hat. Irgendetwas ist in Hamburg eben immer.

Aber wer keine Herausforderungen annimmt, der kann auch nie welche bestehen. "Ich habe im letzten halben Jahr das bekommen in Hamburg, was ich erwartet habe", sagt Thioune, "dass man gefeiert wird, wenn es gut läuft, und ein bisschen durchs Dorf getrieben, wenn es nicht gut läuft." Stören lassen dürfe man sich dadurch eben nicht: "Ich kann nur das beeinflussen, was auch in meinem sportlichen Einflussbereich liegt. Was drum herum ist, weise ich von mir."

Thioune: Osnabrück ist "große Aufgabe"

Bislang, das muss man sagen, ist ihm das gut gelungen. Auch als der HSV eine Phase von fünf sieglosen Spielen hatte, blieb es noch relativ ruhig, für HSV-Verhältnisse. Die Kurve wurde wieder genommen, vier Siege und ein Unentschieden lautet die Bilanz aus den letzten fünf Partien in der 2. Liga. Platz zwei vor dem Abschluss des 16. Spieltags mit 30 Zählern. Alles im Soll also: "Wenn man im Schnitt zwei Punkte erreicht, dann kann man aufsteigen", weiß Thioune.

Jetzt kommt also der VfL Osnabrück, "eine große Aufgabe." Ja, er kennt den einen oder anderen Spieler, aber das allein reicht ja nicht. "Wir sind uns noch nicht sicher, welche Aufstellung wir erwarten dürfen", sagt der HSV-Coach. Auch der VfL wolle sich schließlich entwickeln, "sie sind besser als vor einem Jahr." Jeder Fußballer auf dem Platz möchte Spiele gewinnen, auch die VfL-Profis. Es wird intensiv, es wird schwierig, erwartet Thioune: "Lösen wir das ganz von mir. Es geht immer zuerst um Fußball."