04. April 2021 / 10:59 Uhr

„Hammerharter Typ“: Leipziger David Thomasberger schmettert zwei deutsche Rekorde

„Hammerharter Typ“: Leipziger David Thomasberger schmettert zwei deutsche Rekorde

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
David Thomasberger sichert sich den Deutschen Rekord im Schmetterling über 200 m - gleich zwei Mal an einem Tag.
David Thomasberger sichert sich den Deutschen Rekord im Schmetterling über 200 m - gleich zwei Mal an einem Tag. © dpa
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David Thomasberger von der SSG Leipzig legte am Samstag die 200 m Schmetterling so schnell wie bisher kein Deutscher vorher zurück - und das gleich zwei Mal hintereinander.

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Heidelberg/Leipzig. Deutsche Rekorde für Leipziger Schwimmer gab es in den vergangenen Jahrzehnten höchst selten. Dann brach 2018 der gebürtige Leipziger Ramon Klenz den Bann, als er über 200 m Schmetterling den Uraltrekord von Albatros Michael Groß „zerschmetterte“. Kleiner Schönheitsfehler aus regionaler Sicht: Der damals 19-Jährige startete längst für Hamburg und ist inzwischen in Berlin beheimatet. Am Karsamstag war Ramon Klenz in Heidelberg aber machtlos, als der Mann auf der Nachbarbahn ihm den Rekord abknöpfte und pulverisierte. Bereits im Vorlauf legte David Thomasberger von der SSG Leipzig ein atemberaubendes Tempo vor, konnte den auf dieser Distanz nicht seltenen Einbruch auf der letzten Bahn vermeiden und schaute glückselig auf die Anzeigetafel: Mit 1:55,51 Minuten unterbot Thomasberger die Olympianorm auf Anhieb um acht Zehntelsekunden und blieb zugleich 25 Hundertstel unter der nationalen Bestmarke.

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„Er war schon im Training so stark“

Doch damit nicht genug. Im Finale zog der aus Thüringen stammende Sportsoldat noch mal das Tempo an und erhöhte damit auch das Risiko, dass ihm hinten raus die Kräfte ausgehen könnten. Allein die erste Bahn schwamm der 25-Jährige neun Zehntel schneller als am Vormittag. Er flog der Konkurrenz um Ramon Klenz geradezu davon, die Taktik ging trotz schwerer Arme auf den letzten Metern auf: In 1:55,04 Minuten unterbot er seinen eigenen Rekord noch einmal deutlich. „Wir sind unheimlich stolz“, schrieb die Schwimmstartgemeinschaft Leipzig auf ihrer Instagram-Seite. Sein Vereins-Chef Uwe Bodusch vom Post SV meinte: „Wer bei Olympia ins Finale kommen will, muss zwei Mal am Tag schnell schwimmen können. Das hat David eindrucksvoll bewiesen.“

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Erfolgstrainer Frank Embacher hatte das Schmetterling-Ass von Halle nach Leipzig gelotst, nachdem „Emma“ 2016 den Posten des sächsischen Landestrainers angetreten hatte. Am Samstag sagte der Coach über seinen Schützling: „Ein hammerharter Typ. Er war schon im Training so stark – da hätte es mich gewundert, wenn es in Heidelberg nicht geklappt hätte.“ Wegen der Pandemie mussten die Leipziger auf das Höhentraining verzichten. Doch das Wichtigste: Im Heimtraining fehlte es den Schwimmerinnen und Schwimmern der SSG an nichts, Thomasberger kam gesundheitlich stabil durch den Winter. Was seine Zeiten international wert sind, zeigt ein Blick auf die WM 2019: In Südkorea war er noch im Vorlauf ausgeschieden. Doch mit seinen jetzigen Zeiten hätte er im Halbfinale Rang zwei und im Endlauf Platz sechs belegt.

Auch Pietruschka stark

Nun kann David Thomasberger so gut wie sicher für Tokio planen – immer in der Hoffnung, dass die Spiele tatsächlich stattfinden. Bis 18. April könnten sich zwar noch zwei Deutsche vor ihn schieben, doch das gilt als unwahrscheinlich. Ramon Klenz will spätestens in zwei Wochen in Berlin auch die Norm knacken – diesmal fehlten ihm noch zwei Sekunden.

Stark präsentierte sich in Heidelberg am Auftakttag auch die Leipzigerin Marie Pietruschka (SSG/Post SV), die inzwischen in Neckarsulm trainiert. Die EM-Medaillengewinnerin von 2018 schwamm über 100 m Freistil in 55,06 und 55,01 Sekunden zwei Bestzeiten über 100 m Freistil. Die eigentliche 200-m-Spezialisitin ist damit auch eine Staffelkandidatin über 4x100 Meter. SSG-Kollegin Lia Neubert wurde Sechste in 56,88. Ebenfalls stark präsentierten sich Louis Dramm (Dresdner Delphine) und Timo Sorgius (SV Handwerk) als Sieger über 400 sowie 100 m Freistil sowie Yannis Willim (Post SV) als Dritter über 100 m Brust.