17. April 2020 / 13:10 Uhr

Zahl der Befürworter steigt: Abbruch der Bundesliga-Saison rückt näher

Zahl der Befürworter steigt: Abbruch der Bundesliga-Saison rückt näher

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Anzeichen verdichten sich: Morten Olsen (eingeklinkt) wird wohl nicht noch einmal für die Recken auf der Platte stehen.
Die Anzeichen verdichten sich: Morten Olsen (eingeklinkt) wird wohl nicht noch einmal für die Recken auf der Platte stehen. © imago images/Beautiful Sports/Florian Petrow
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Die Entscheidung steht noch aus, aber nach der Videokonferenz aller Erst- und Zweitligisten rückt ein Abbruch der Saison immer näher. Die Recken dürften dann den Einzug in die Europa League sicher haben. Das Final Four würde verschoben - und ohne Timo Kastening und Morten Olsen stattfinden.

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Die Handballer nähern sich dem Abbruch der Bundesliga-Saison. Die Vertreter der 36 Erst- und Zweitligisten beschlossen auf ihrer Videokonferenz am Donnerstag, in den nächsten Tagen über eine Fortsetzung der Punktspiele oder das abrupte Ende zu entscheiden. Um die Saison abzubrechen, bedarf es einer Dreiviertelmehrheit. „Wir hoffen, dass wir schon am Montag oder Dienstag das Ergebnis haben“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligadachverbandes HBL.

Nur noch zwei Wochen Vorbereitungszeit?

In den vergangenen Tagen sind die Befürworter eines vorzeitigen Saisonendes zahlreicher geworden. Diese Stimmung untermauerten die Verabredungen der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Das bis zum 3. Mai verlängerte Kontaktverbot führt dazu, dass die Vereine nur noch zwei Wochen Vorbereitungszeit auf den spätestmöglichen Punktspielwiederbeginn am 16. Mai haben.

Das wäre entschieden zu knapp: Sven-Sören Christophersen, Sportlicher Leiter der TSV Hannover-Burgdorf, hatte die Wiederaufnahme des Profitrainings spätestens zum 20. April gefordert, um Mitte Mai wieder spielen zu können. Da das nicht möglich ist, rechnet er eher mit einem Saisonabbruch.

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Zudem führt das Verbot von Großveranstaltungen (etwaige Grenze 1000 und mehr Besucher und Teilnehmer) bis zum 31. August unweigerlich dazu, dass Punktspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssten. Dies brächte alle Klubs in eine noch größere finanzielle Schieflage, ihre Etats basieren zu 25 bis 30 Prozent auf Ticketingeinnahmen.

Regionale Faktoren erschweren die Planung

Einige Vereinsvertreter wie Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin und Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, kämpfen nach wie vor für eine Wiederaufnahme der Spielzeit. „Ich habe der Liga einen Vorschlag unterbreitet, wie ein Szenario aussehen könnte“, sagte er. Hannings Fortsetzungspläne helfen den Füchsen. Sie könnten im Endspurt noch auf einen sicheren Europacupplatz springen, im Augenblick ist ihr internationaler Start ungewiss.

Solche Szenarien werden aber durch regionale Faktoren erschwert. Bundesligist HBW Balingen-Weilstetten hat auch im Mai keine Halle, in der eigentlichen Spielstätte befindet sich eine Corona-Schwerpunktambulanz. Ferner gab es in Baden-Württemberg schon zuvor einen Genehmigungsvorbehalt von Sportveranstaltungen bis zum 15. Juni.

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Wenig Sinn macht in einem solchen Umfeld auch die Ausrichtung des All-Star-Games mit allen Bundesliga-Stars und der deutschen Nationalmannschaft. Das Event ist für den 16. Mai (20 Uhr) in der ZAG-Arena in Hannover angesetzt. „Bisher ist die Partie noch nicht abgesagt worden“, teilte HBL-Sprecher Oliver Lücke am Donnerstag auf Anfrage mit. Diese Angelegenheit wolle der Dachverband auch bis Anfang der Woche entschieden haben.

Beispiel Olsen zeigt Schwierigkeiten auf

Wie schwierig die Durchführung des All-Star-Games ist, zeigt sich am Beispiel von Morten Olsen, Spielmacher der TSV Hannover-Burgdorf. Der für die Weltauswahl nominierte Däne lebt zurzeit in seiner Heimat, bei der Einreise nach Deutschland droht ihm eine zweiwöchige Quarantäne.

Für die Recken brächte ein Saisonabbruch zwiespältige Gefühle. Sie dürften in diesem Fall den Einzug in die Europa League sicher haben. Die Mannschaft wäre aber um das Pokal-Final-Four-Turnier gebracht, das nun wohl erst in der neuen Saison entschieden wird. Dann würden aktuelle Stars wie Timo Kastening und Olsen schon andere Trikots tragen.