14. Februar 2020 / 17:31 Uhr

Handball-Bundesliga – ein Wendeburger ist dabei

Handball-Bundesliga – ein Wendeburger ist dabei

Nick Heitmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Auch in vollen Hallen muss er cool bleiben: Der Wendeburger Handball-Bundesliga-Schiri Steven Heine hier bei einem Einsatz in der 2. Liga in Aue. Er pfeift zusammen mit Sascha Standke.
Auch in vollen Hallen muss er cool bleiben: Der Wendeburger Handball-Bundesliga-Schiri Steven Heine hier bei einem Einsatz in der 2. Liga in Aue. Er pfeift zusammen mit Sascha Standke. © Foto: imago
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Stufe für Stufe nahm er auf der Karriere-Leiter: Der Wendeburger Steven Heine (35) hat es als Handball-Schiedsrichter bis in die Bundesliga geschafft. Mit Schiri-Partner Sascha Standke will er sich nun noch einen anderen Traum erfüllen: Einmal in der Kieler Ostseehalle pfeifen.

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Ein Blick in den Terminkalender, dann hat Steven Heine auch das genaue Datum parat, an dem der Traum für ihn wahr geworden ist. Am 10. Oktober 2019, im Duell SC DHfK Leipzig gegen HBW Balingen-Weilstetten, erlebte der 35-jährige Wendeburger seine Bundesliga-Feuertaufe als Handball-Schiedsrichter. An seiner Seite: der Göttinger Sascha Standke. Zehn Jahre zuvor hatte der Zufall das Gespann zusammengeführt, „anfangs war es quasi eine Zwangsehe“, sagt Heine lachend.

Im Juni 2009 reiste Heine zu einem Schiedsrichter-Lehrgang. Der Haken: Er hatte keinen Partner. Nur gut, dass es Standke genauso ging. „Uns wurde klargemacht, dass wir uns entweder zusammentun oder ein Problem haben“, erinnert sich der Wendeburger. „Sascha hat mich dann gefragt, was mein Traum sei, und ich habe gesagt, dass ich irgendwann mal in der Kieler Ostseehalle pfeifen will.“ Damit traf er voll ins Schwarze. Das Duo hatte sich zwar nicht gesucht, aber gefunden.

Zu diesem Zeitpunkt war Heine schon seit 18 Jahren Unparteiischer. Los ging’s bei seinem Heimatverein HT 1861 Halberstadt. „Damals war mein handballerisches Talent noch nicht so ausgeprägt“, sagt Heine schmunzelnd. „Also habe ich es mit dem Pfeifen probiert.“ Und bereits da spielte das deutsche Handball-Oberhaus eine Rolle; die Halberstädter Bundesliga-Referees Hagen Becker und Axel Hack nahmen ihn unter ihre Fittiche, „es hat von Anfang an Spaß gemacht“.

Mehr regionaler Handball

Stufe für Stufe nahm er auf der Karriereleiter, 2009 wurden wichtige sportliche Weichen gestellt. Nach dem Verbandsliga-Aufstieg mit Halberstadt beendete Heine die aktive Laufbahn, widmete sich – nun mit Standke – ganz dem Schiedsrichter-Dasein. „Das passt einfach. Wenn man so oft zusammen ist wie wir, ist es essenziell, dass man sich gut versteht, eine ähnliche Handball-Philosophie hat“, sagt Heine und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich habe sozusagen zwei Ehepartner – einen am Wochenende und einen zu Hause.“

Mit Gattin Cindy und dem sechsjährigen Sohn, beide selbst Handballer, wohnt er seit 2015 in Wendeburg. „Ich versuche natürlich“, so der 35-Jährige, der für die HSG Nord Edemissen pfeift, „die Freizeit mit der Familie zu nutzen“. Viel bleibt davon zuweilen nicht übrig, der Schiri-Job ist ein Zeitfresser.

Bis zu 35 Einsätze stehen pro Saison an, 28 000 Kilometer legte er im letzten Jahr zurück. Doch der Aufwand lohnt sich. Dabei geht es Heine, der bei der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar angestellt ist, weniger ums Finanzielle – für eine Erstliga-Spielleitung gibt’s 750 Euro –, sondern darum, „ein Teil des Ganzen zu sein“, wie er sagt.

Der Handball fasziniert ihn nach wie vor. „Man kann nach Spielende zusammen ein Bier trinken, auch wenn vorher 60 Minuten lang die Emotionen hochgekocht sind. Für mich ist das einfach der attraktivste Sport.“ In dem, so haben kluge Köpfe herausgefunden, die Unparteiischen im Spielverlauf bis zu zehnmal mehr Entscheidungen treffen müssen als im Fußball. „Erfahrungswerte helfen da ein Stück weit, aber nach meiner ersten Zweitliga-Partie 2014 war ich komplett platt. Weniger konditionell“, sagt der passionierte Läufer und Kletterer, „eher mental.“

Seit dieser Saison ist das Schiri-Duo in der 1. Liga angekommen – eine ganz neue Welt. „Das Tempo ist höher, die mediale Präsenz größer, dazu kommen volle Hallen“, sagt Heine. „Wenn 4000 Leute zum Beispiel ,Schieber‘ rufen, versucht man das so weit wie möglich auszublenden.“ Mit dem Druck geht das nicht so einfach. „Den macht man sich aber eher selbst, es stehen ja Geld und Arbeitsplätze auf dem Spiel, man will keine Fehler machen“, erklärt der Wendeburger.

Den Spaß an der Sache verliert er trotzdem nicht aus den Augen, ebenso wenig wie seine Ziele. Der Aufstieg vom Elite-Anschlusskader, dem Heine und Standke derzeit angehören, in den Elitekader ist so eines. Und die Ostseehalle. Sollte sich der Traum vom Einsatz in der Kultspielstätte des Rekordmeisters THW Kiel erfüllen, will Heine ein Versprechen an Entdecker und Förderer Becker einlösen. „Hagen hat mir damals eine Schiedsrichter-Hose geschenkt, die er in der 1. Liga getragen hat“, so der Wendeburger. „Und ich habe ihm gesagt, dass diese Hose noch mal in die Ostseehalle kommt.“