26. Juni 2020 / 14:58 Uhr

Der Neustart in der Handball-Bundesliga sorgt für Aufbruchstimmung bei den Recken

Der Neustart in der Handball-Bundesliga sorgt für Aufbruchstimmung bei den Recken

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Fabian Böhm bejubelt seinen Treffer. 
Fabian Böhm bejubelt seinen Treffer.  © Florian Petrow
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Fabian Böhm und Domenico Ebner haben in der Zeit des Lockdowns die Eilenriede und den Maschsee unsicher gemacht. Mit dem 1. Oktober haben die beiden Handballer der TSV Hannover-Burgdorf wieder ein Ziel vor Augen. Was es jetzt noch braucht? Zeit.

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In der ganzen Zeit hat Fabian Böhm ein ziemlich mulmiges Gefühl gehabt. Über die Ungewissheit, wie es überhaupt weitergehen wird mit Handball in der Corona-Pandemie, hat ihm die Familie hinweg geholfen.

"Warten wollte auch keiner"

„Nun ist wenigstens Klarheit da, auch wenn die aktuellen Szenarien nicht optimal sind“, sagt der Kapitän der Recken. Die Bundesliga beginnt am 1. Oktober. „Keiner will in leeren Hallen spielen, aber bis zum nächsten Jahr mit dem Start warten wollte auch keiner. Es war jedenfalls wichtig, eine Entscheidung zu treffen.“

In der handballfreien Zeit hat Böhm „viele neue Bäume und Äste in der Eilenriede kennengelernt“, wie er das formuliert. Er hat sich so gut wie möglich fit gehalten. „Es wird eine komprimierte Saison mit vielen Spielen sein. Da ist eine kluge Einteilung des Trainings gefragt“, sagt der seit dem 24. Juni 31 Jahre alte Rückraumspieler. Am 13. Juli beginnen die Recken wieder.

„Würde keinem helfen"

„Es ist noch ein Stück hin, bis wir wieder zu 100 Prozent bereit sind für den Handballsport“, sagt Böhm. Die ersten Einheiten in der Halle seit März, wie wird das sein? „Da müssen wir uns erstmal akklimatisieren. Gefühlt war das die längste Pause, die ich je hatte“, sagt Böhm. „Gleich wieder voll reinzuhauen, würde keinem helfen.“

Bilder von der Verabschiedung der Recken Morten Olsen, Timo Kastening, Joshua Thiele, Mait Patrail und Cristian Ugalde auf dem Schützenplatz in Hannover

Verabschiedung des scheidenden Recken-Quintetts Morten Olsen, Timo Kastening, Joshua Thiele, Mait Patrail und Cristian Ugalde auf dem Schützenplatz in Hannover. Zur Galerie
Verabschiedung des scheidenden Recken-Quintetts Morten Olsen, Timo Kastening, Joshua Thiele, Mait Patrail und Cristian Ugalde auf dem Schützenplatz in Hannover. © Florian Petrow

Das sieht Torwart Domenico Ebner genauso. Wie Böhm war er viel in Eilenriede um am Maschsee unterwegs. Die zusätzliche Zeit hat Ebner genutzt, sein Studium der Wirtschaftsinformatik voranzutreiben und seinen Internetshop (laufequipment.de) zu betreuen. Auch mit Freundin Nicole Roth (3. Platz in der Bundesliga mit Metzingen) hat er trainiert im Hinterhof, sie ist Torhüterin.

Es ist wichtig, ein Ziel zu haben

„Es macht natürlich zu zweit mehr Spaß und hilft. Aber den Hallenboden kannst du nicht simulieren. Was in der Halle abgeht, kannst du nirgends nachstellen“, sagt der Keeper. „Die Belastung ist eine ganz andere.“

Er vermisst die bis zu 200 Bälle, die er pro Einheit aufs Tor bekam. „An dieses Tempo musst du dich erst wieder gewöhnen, das geht mit der Hand-Augen-Koordination nicht sofort wieder“, so Ebner, das werde alles Zeit brauchen.

Andernfalls sei die Verletzungsgefahr auch zu hoch. „Doch immerhin haben wir jetzt wieder ein Ziel, das ist wichtig und sorgt für Aufbruchstimmung“, so Ebner. „Wir haben ja nun schon lange darauf hingearbeitet, ohne genau zu wissen, was wird.“

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Wie Böhm kann sich der 26-jährge Schlussmann Geisterspiele kaum vorstellen. „Ich gehöre ja zu denen, die die Zuschauer brauchen und sie auch mitnehmen. Sie sind enorm wichtig, das hat die vergangene Saison gezeigt.“ Er hofft, dass wenigstens einige Fans in die Halle dürfen und sich die Lage bald wieder normalisiert. „Man hat doch gesehen, was bei der Verabschiedung unserer fünf Spieler auf dem Schützenplatz los war. Die Region Hannover lebt Handball.“

"Dieser jugendliche Spirit, der wird überzeugen"

Selten haben sich die Recken in den letzten Monaten gesehen. Auch das Teamgefühl wird sich erst wieder einstellen müssen – zumal Hannover überragende Spieler verloren hat, wie Böhm sagt: „Die Mannschaft wird ein neues Gesicht haben. Das wird spannend und eine Herausforderung.“

Ebner sieht einen kleinen Umbruch, das Team wird weiter verjüngt. Der Torhüter erwartet, dass die Jungen viel mitbringen: Mut, Ehrgeiz und Willen. „Und dieser jugendliche Spirit, der wird überzeugen. Da bin ich sicher.“