30. September 2020 / 10:35 Uhr

Zwei Handball-Dinos komplettieren ihre Ligensammlung

Zwei Handball-Dinos komplettieren ihre Ligensammlung

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Alexander Urban (großes Bild, rechts) und Enrico Bolduan (kleines Bild) sind die Routiniers der HSG.
Alexander Urban (großes Bild, rechts) und Enrico Bolduan (kleines Bild) sind die Routiniers der HSG. © Julius Frick, Verein
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Sie waren Legenden beim VfL Potsdam, nun wagen Enrico Bolduan und Alexander Urban mit der HSG Teltow/Ruhlsdorf den Start in der viertklassigen Oberliga Ostsee-Spree. Für sie und das Team wird es eine neue Erfahrung.

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Sie waren skeptisch und mussten doppelt und dreifach überlegen, doch letztlich ließen sich Enrico Bolduan und Alexander Urban bequatschen – mal wieder. Die beiden Handball-Recken, Bolduan mit 39, Urban mit 41 Jahren, starten am kommenden Wochenende mit der HSG Teltow/Ruhlsdorf in die Oberliga-Saison. „Es ist sehr realistisch, dass es diesmal wirklich mein letztes Jahr ist. Mit 40 will ich eigentlich nicht mehr auf der Platte stehen“, erklärt Bolduan. Auch Urban bestätigt: „Alles andere wäre utopisch. Der Umbruch muss in diesem Jahr eingeleitet werden.“

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Nach Jahren an der Spitze nun der Sprung nach oben

Bei der Handballspielgemeinschaft ist der Mix aus Erfahrung und Jugendlichkeit seit Jahren ein absoluter Trumpf. In den letzten drei Jahren dominierte die erste Männermannschaft das Geschehen an der Spitze der Brandenburgliga mit, nach der Meisterschaft 2017 folgten in der höchsten Spielklasse des Landes zwei Vizetitel in den Folgejahren. In der abgebrochenen Saison 2019/20 waren die Schützlinge von Trainer Gregor Höfert wieder ganz oben im Klassement. Und nun wagt die HSG den Schritt in die Viertklassigkeit.

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„Es war vor allem der Wunsch unserer jungen Spieler, den Schritt in die Oberliga zu machen“, verrät Bolduan, der sich den Viertligastress nicht unbedingt hätte geben müssen: „Aber wir haben das intern besprochen und ziehen an einem Strang.“ In rund 500 Spielen hielt Bolduan, der im Marketingbereich tätig ist, 14 Jahre lang seine Knochen für den VfL Potsdam hin. Diese Erfahrung will er in der neuen Spielklasse nutzen: „Unsere Ziele sind recht pragmatisch, wir wollen die Klasse halten. Es ist auch an uns, die Jungen mitzuziehen und in engen Spielsituationen den Kopf nicht zu verlieren.“ Denn anders als in den Vorjahren, als man oft wenig gefordert war, wird der Neuling auch mal „zwei oder drei Spiele verlieren“.

Erfahrungen aus der ersten bis sechsten Liga

In der Südstaffel – die Oberliga ist zweigeteilt – wird die HSG jede Woche ein dickes Brett bohren müssen. Das weiß auch *Urban*, der ebenfalls eine Legende des VfL Potsdam ist: „Ich bin auf das Niveau gespannt, glaube schon, dass wir der Underdog sind.“ Die Last will der Projektingenieur nicht nur auf die Schultern der Routiniers verteilen. „Wir sind ja keine 30 mehr, Erfolge werden wir nur als Einheit feiern. Für die jungen Spieler ist diese Liga eine Bühne, sie können sich zeigen, beweisen und Interesse wecken“, sagt Urban, der 2002 mit Eisenach zwei Jahre Bundesliga spielte. Am Sonnabend (18.30 Uhr) reist Teltow/Ruhlsdorf zum MTV Altlandsberg, einem gestandenen Oberligisten.

Bolduan und Urban sind sich nicht nur in vielen Dingen einig – der Ludwigsfelder HC als Aufstiegskandidat Nummer eins, fehlende Atmosphäre ohne Zuschauer in der Sporthalle der Zille-Grundschule oder der Nachteil, in Berlin ohne „Klister“ zu spielen. Sie verbindet auch etwas: Bolduan pendelte in seiner Karriere zwischen 2. und 6. Liga, Urban zwischen 1. und 5. Liga. Einzig die Oberliga fehlte in der Sammlung, ab Samstag wird sie komplettiert.