16. September 2020 / 11:39 Uhr

Rettung für Handball Hannover-Burgwedel: Doch das Chaos bleibt

Rettung für Handball Hannover-Burgwedel: Doch das Chaos bleibt

Carsten Bergmann und Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Teammanager Friedrich Kastening wird wohl auch nach den neuesten Entwicklungen rund um Handball Hannover-Burgwedel nicht ruhiger Schlafen können.
Teammanager Friedrich Kastening wird wohl auch nach den neuesten Entwicklungen rund um Handball Hannover-Burgwedel nicht ruhiger Schlafen können. © Michael Plümer
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Der Absturz ist verhindert. Das Handballprojekt in Burgwedel schafft im letzten Moment erneut die Rettung, womit die Finanzierung für eine weitere Saison in der 3. Liga vorerst gesichert ist. Wie es dann aber weitergehen wird ist unklar. Die Sponsoren erwarten ein tragfähiges Konzept für die Zukunft. Wirkliches Zutrauen herrscht allerdings nicht.

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Es war ein Paukenschlag, als Schatzmeister und Sponsor Karsten Höhns am 22. Juli den Insolvenzantrag für die Spielbetriebsgesellschaft des Vereins stellte. Seit März konnte der Klub zu diesem Zeitpunkt die Spieler nicht mehr bezahlen. Rechtsanwalt Rainer Eckert wurde am 14. August offiziell als Insolvenzverwalter eingesetzt. Ausschlaggebend dafür waren laut Höhns die seit zwei Jahren ausgebliebenen Zahlungen in sechsstelliger Höhe eines der drei Hauptsponsoren, zu denen neben Höhns auch 96-Boss Martin Kind und Matthias Kühn gehören. Höhns kündigte damals an: „Ich mache in der neuen Saison nichts mehr und werde dem Verein auch nicht als Schatzmeister zur Verfügung stehen.“

Wenige Tage später änderte er überraschend seine Meinung, knüpfte ein weiteres finanzielles Engagement aber an die Zusage von Martin Kind. Der 76-Jährige sagte schließlich nach langen Gesprächen zu, den Handballern doch eine weitere Chance geben zu wollen. Der Unternehmer aus Burgwedel versteht das als Geste. Die Konditionen allerdings haben sich erheblich verändert, die finanzielle Unterstützung wurde seitens der Sponsoren deutlich reduziert. „Ich bleibe bei meiner Einschätzung“, eröffnet Martin Kind. „Dieses Projekt braucht ein nachhaltiges Konzept für die Zukunft, das lässt sich momentan nicht erkennen.“

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„Wir hätten auch ohne Mannschaft dastehen können.“

Keine nennenswerte Jugendarbeit, keine zweite Mannschaft – Hannover-Burgwedel besteht nur aus dieser Drittliga-Truppe, die jedes Jahr ums Bestehen kämpft. „Die ganze Situation war sehr unbefriedigend“, sagt Spielertrainer Marius Kastening. Erst als absehbar war, dass es wieder Geld gibt, nahm die Mannschaft in der vergangenen Woche die Vorbereitung auf. Torjäger Maurice Dräger wollte so lange nicht warten und wechselte im August zum TuS Vinnhorst. Kastening, der zwischendurch ebenfalls in Vinnhorst gehandelt wurde, nimmt es mit Galgenhumor: „Wir hätten auch ohne Mannschaft dastehen können.“

Wiedersehen mit Sponsor vor Gericht

Seit Anfang August brodelte die Gerüchteküche. Über Forderungen von ehemaligen Spielern, auf noch ausstehende Gehaltszahlungen bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen vor dem Landgericht gab es viele Nachrichten, die Fragen aufwarfen. Unter dem Aktenzeichen 2 O 81 aus 2020 klagte ein Sponsor vor dem Landgericht Bückeburg gegen Burgwedels sportlichen Leiter Friedrich Kastening. Das Verfahren wurde mittlerweile rechtskräftig beendet und wird vom Gläubiger stattdessen privatrechtlich weiter betrieben.

Burgwedels Grandseigneur Karsten Hoppenstedt, seit jeher als Vorstandsmitglied das Gesicht des Burgwedeler Handballs und laut Website des Vereins auch der Sponsorenbeauftragte, hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Fragen beantworten können. Nach eigener Aussage wusste er von allem jedoch nichts. „Ich helfe ein bisschen, aber Sponsorenbeauftragter? Das gibt es bei uns nicht“, sagte Hoppenstedt auf Nachfrage.

Handball Hannover-Burgwedel oder Dataliners Handball?

Merkwürdig auch: im Impressum der Website heißt es Handball Hannover-Burgwedel, der Eintrag im Vereinsregister lautet seit dem 18. Februar Data­liners Handball. Eine Bezeichnung, die der Deutsche Handballbund im Spielbetrieb wegen der Nähe zu einem Hauptsponsor übrigens nicht zulässt.

Eine Spielbetriebsgesellschaft wird es in der kommenden Saison nicht mehr geben. Auch der finanzielle Spielraum des Klubs ist längst nicht mehr so groß wie zuletzt, sodass alle Spieler deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Der Etat von zuletzt 250 000 Euro wird deutlich eingestampft. Daraus ergibt sich die nächste Frage, wie lange der Drittliga-Handball in Großburgwedel noch eine Zukunft hat. Das geforderte Konzept lässt sich augenblicklich jedenfalls nicht erkennen.