18. Januar 2020 / 22:44 Uhr

Deutschland nach Pleite gegen Kroatien vor EM-Aus: "Nicht abgezockt genug"

Deutschland nach Pleite gegen Kroatien vor EM-Aus: "Nicht abgezockt genug"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft kann so gut wie nicht mehr das Halbfinale der Europameisterschaft erreichen.
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft kann so gut wie nicht mehr das Halbfinale der Europameisterschaft erreichen. © imago images/Agentur 54 Grad
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft so gut wie ausgeschieden. Gegen Kroatien verliert das DHB-Team trotz Halbzeit-Führung am Ende mit 24:25. Deutschland benötigt nun Schützenhilfe, um die EM-Chance zu wahren.

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Trotz einer über weite Strecken herausragenden Abwehrleistung um Torhüter Andreas Wolff haben die deutschen Handballer die Chance auf das Halbfinale der Europameisterschaft so gut wie verspielt. Im Hauptrunden-Schlüsselspiel verlor die DHB-Auswahl am Samstagabend in der hitzigen Atmosphäre der Wiener Stadthalle mit 24:25 (14:11) gegen Kroatien. Nach einem Leistungsabfall in der Schlussphase dieses Handball-Krimis besitzt die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop nun nur noch minimalste Chancen, die angepeilte EM-Medaille zu gewinnen. Beste Werfer des deutschen Teams vor rund 9000 Zuschauern waren Kapitän Uwe Gensheimer, Tobias Reichmann, Timo Kastening und Philipp Weber mit je vier Treffern.

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„Das ist total bitter. Die zweite Halbzeit gibt den Ausschlag“, sagte der enttäuschte Prokop im ZDF. „Wir haben die Bälle nicht so unterbringen können, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Nationalspieler Paul Drux stellte fast, dass das Team "ab der 45. Minute" den Zugriff auf das Spiel verloren hatte. "Dann kippt das Spiel. Wir haben am Schluss nicht abgezockt genug gespielt. Wir hätten das Spiel nach Hause bringen müssen", sagte der Rückraumspieler der Füchse Berlin. Hendrik Pekelar zeigte sich fassungslos: "Wir führen 58 Minuten - und dann gewinnt Kroatien. Unfassbar, unglaublich. Vom Kampf und den Emotionen war das Spiel eines EM-Finals würdig."

Kapitän Uwe Gensheimer sprach von einem "Riesenkampf", den sein Team auf die "Platte gelegt" habe, "Nach dieser Leistung haben wir es nicht wirklich verdient, das Spiel zu verlieren. Wir haben in den letzten Minuten zu viele kleine Fehler gemacht."

Starker Andreas Wolff kann Deutschland nicht zum Sieg verhelfen

Die Bühne allerdings gehörte lange Zeit dem erneut herausragenden Torhüter Andreas Wolff sowie dem Defensivverbund um die Abwehrchefs Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek. Auch Rechtsaußen Timo Kastening sowie Rückraumspieler Philipp Weber präsentierten sich stark. Gegen Ende der Partie leistete sich die DHB-Auswahl aber zu viele technische Fehler und brachte die Kroaten damit zurück ins Spiel. Am Montag (20.30 Uhr/ARD) geht es mit dem dritten Hauptrundenspiel gegen Gastgeber Österreich weiter.

Anders als noch beim souveränen Sieg gegen die Weißrussen begann die Partie nicht mit zahlreichen Toren, sondern wurde früh geprägt von zwei starken Defensivreihen. Der deutsche Innenblock um Pekeler und Wiencek ragte heraus. Auch der zuletzt schon starke Torhüter Wolff wurde im Verlauf des Spiels immer besser. Aber auch die Kroaten machten es der DHB-Auswahl nicht leicht und drehten nach technischen Patzern der deutschen Mannschaft in der Schlussphase das Spiel.

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Deutschland mit guter Defensiv-Leistung

Die eigene Defensive stand wie eine Mauer und bildete die Grundlage für zahlreiche Tempogegenstöße. „Klasse-Verteidigung und ein supergutes Tempospiel“, lobte Prokop während einer Auszeit im ersten Durchgang. Auch Kapitän Uwe Gensheimer spielte erstmals im Turnier so stark und treffsicher, wie man es von ihm kennt. Den zahlreichen Fans aus Deutschland und Kroatien bot sich ein Handball-Krimi auf Augenhöhe. Und sie sahen einen Wolff, der von Minute zu Minute immer heißer lief. Mit seinen teils herausragenden Paraden brachte der 28-Jährige die Kroaten mitunter zur Verzweiflung.

Auch der kurzfristige Ausfall von Kreisläufer Johannes Golla, der wegen starker Übelkeit kurz vor Spielbeginn ins Teamhotel zurückgebracht worden war, minderte die Abwehrleistung nicht. Anders als noch beim Sieg gegen die Weißrussen wurde Rückraumschütze Julius Kühn diesmal in der Halbzeit auch nicht in der Kabine vergessen. Die große Bühne gehörte aber weder Kühn noch dem zuletzt so treffsicheren Timo Kastening, sie gehörte Wolff, Pekeler, Wiencek und ihren Abwehrkollegen.

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Mit welcher Galligkeit und Aggressivität sie gegen die Kroaten um ihren Superstar und Kieler Teamkollegen Domagoj Duvnjak verteidigten, war beeindruckend. Der kroatische Kapitän kam kaum zur Entfaltung. Einziges Manko im deutschen Spiel: Einige technische Fehler im zweiten Durchgang. Anstatt sich schon früh eine beruhigende Führung herauszuspielen, verhalf die DHB-Auswahl Kroatien mit schlampigen Pässen zu einigen Toren - und letztlich sogar zum Sieg.