18. Januar 2022 / 20:04 Uhr

Nur ein Leipziger dabei: DHB-Handballer holen trotz Corona-Chaos EM-Sieg gegen Polen

Nur ein Leipziger dabei: DHB-Handballer holen trotz Corona-Chaos EM-Sieg gegen Polen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nicht nur SC DHfK Leipzigs Luca Witzke (re.) hat Corona - auch Hüter Andreas Wolff (li.) und Julius Kühn (mi.) hat es erwischt.
Nicht nur SC DHfK Leipzigs Luca Witzke (re.) hat Corona - auch Hüter Andreas Wolff (li.) und Julius Kühn (mi.) hat es erwischt. © dpa
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Vier Leipziger hätten eigentlich dabei sein sollen bzw. können, am Ende blieb nur einer übrig: Weil auf deutscher Seite Luca Witzke und auf polnischer Maciej Gebala coronabedingt ausfielen und Joel Birlehm auf eine Anreise verzichtete, stand mit Simon Ernst nur ein SC DHfKler auf der Platte.

Bratislava. Welle für Welle bricht die Pandemie über der deutschen Handball-Nationalmannschaft zusammen. Neun Infektionen hat die Truppe von Bundestrainer Alfred Gislason inzwischen zu verkraften – die Hälfte seines ursprünglichen Aufgebots steht dem Coach bei der EM in Bratislava nicht mehr zur Verfügung. Als die DHB-Auswahl am Dienstag mit Torwart Till Klimpke und Marcel Schiller die Infizierten Nummer acht und neun vermeldete, wirkte ein Sieg am Abend gegen Polen in weiter Ferne. Trotz – oder gerade wegen – der katastrophalen Ausgangslage zeigte die deutsche Sieben einen starken Auftritt und sicherte sich mit einem überraschend deutlichen 30:23 (15:12) den Gruppensieg.

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„Natürlich kann es jeden erwischen“

Kapitän Johannes Goller sagte: „Grundsätzlich habe ich uns das zugetraut – auch ohne optimale Spielvorbereitung. Wir hatten im Internet alle Videos zur Verfügung. Die Sinnhaftigkeit dieses Turniers haben wir nicht hinterfragt, wir waren voll fokussiert.“ Am Donnerstag trifft das DHB-Team auf Spanien.

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Die Vorzeichen standen gestern wahrlich nicht auf Sieg: Zwar war das kurzfristig nachnominierte Quintett aus Torwart Johannes Bitter, Linksaußen Rune Dahmke, Kreisläufer Sebastian Firnhaber sowie den Rückraumspieler Paul Drux und Fabian Wiede pünktlich angereist, negativ getestet und einsatzbereit, doch auch mit dieser Unterstützung standen Gislason nur 14 Spieler zur Verfügung. „Wir haben heute gar nicht trainiert, mussten bis kurz vor der Abfahrt auf dem Zimmer bleiben“, erklärte der Coach.

„Jogi“ Bitter (39) war als einziger Torwart 60 Minuten gefordert. Auf der Ersatzliste für diese Position stand eigentlich der Leipziger Joel Birlehm, der am Sonntag erstmals Papa einer kleinen Tochter Mathilda wurde und sich gegen eine Anreise entschied. „Das ist eine persönliche – und eine sehr harte Entscheidung“, so DHfK-Manager Karsten Günther, der selbst in Bratislava vor Ort ist. „In erster Linie als Fan“, so der 40-Jährige. Als weiterer Keeper-Ersatz sollte Silvio Heinevetter einspringen, der in der Heimat jedoch positiv getestet wurde. Nun wurden Torwart Daniel Rebmann (Göppingen) und Linksaußen Patrick Zieker (Stuttgart) als Verstärkung angefordert.

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Unter den Infizierten befindet sich auch Günthers Führungsspieler Luca Witzke, der zuletzt gegen Österreich eine starke Leistung abgerufen hatte. Das Spiel gegen Polen musste er aus dem Hotelzimmer verfolgen. „Luca geht es den Umständen entsprechend gut. Aber natürlich ist er gerade traurig und enttäuscht, dass er die Mannschaft vorerst nicht weiter unterstützen kann“, so Günther, der sofort Kontakt zum 22-Jährigen aufgenommen hatte. Nach dem Sieg gegen Österreich gab der Rückraumspieler zu Protokoll: „Natürlich kann es jeden erwischen. Das weiß man, daran kann man nichts ändern. Deswegen hoffe ich bei jedem Test einfach, dass ich negativ bin.“

„Der DHB hat die strengsten Maßnahmen aller Teams ergriffen“

Doch auch auf der Gegenseite lief vor dem Anpfiff nichts wie geplant. So musste die polnische Mannschaft ebenfalls auf Testergebnisse warten und aufs Abschlusstraining verzichten. Der Leipziger Maciej Gebala hatte einen positiven Test, musste sich folglich in Isolation begeben. Von den potenziell vier Grün-Weißen stand am Dienstagabend also lediglich Simon Ernst noch im Aufgebot.

Der langjährige DHB-Vizepräsident Bob Hanning attestiert dem Turnier schon jetzt aufgrund der vielen Infektionen „nicht den sportlichen Wert anderer Europameisterschaften“. Schon vorher hatte der Berliner gemeint: „Europameister wird das Team mit den wenigsten Corona-Fällen.“ Eine besonders große Gefahr für die Gesundheit der Spieler sieht er bei der EM jedoch nicht.

Nach den neun positiven Proben im deutschen Team nimmt die Angst vor einem Flächenbrand zu – auch in der Liga. „Möglicherweise gibt es noch weitere Corona-Fälle in der Mannschaft. Ob es dann Sinn macht, immer weiter nachzunominieren, muss man sehen“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. „Da muss man dann sehr vorsichtig sein und nicht sagen, ich mach’s noch viel schlimmer als es ist. Wenn es jetzt noch weitere Ausbrüche gibt, dann haben wir eine neue Situation.“

Warum ausgerechnet das deutsche Team so stark betroffen ist, bleibt ein Rätsel. Karsten Günther betont: „Der DHB hat die strengsten Maßnahmen aller Teams ergriffen.“ Doch auch mit der strengen Isolation und einer eigenen Etage im Hotel, sei ein hundertprozentiger Schutz vor dem Virus nicht möglich.

DHB-Tore: Steinert 9, Golla 6, Köster 6, Weber 4, Zerbe 3, Wiencek 1, Dahmke 1.

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