26. Januar 2022 / 22:45 Uhr

Chaos-Turnier abgehakt, Heim-EM vor Augen: Wie der deutsche Handball die Weltspitze ins Visier nimmt

Chaos-Turnier abgehakt, Heim-EM vor Augen: Wie der deutsche Handball die Weltspitze ins Visier nimmt

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Bundestrainer Alfred Gislason (r.) will mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM 2024 um den Titel mitspielen.
Bundestrainer Alfred Gislason (r.) will mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM 2024 um den Titel mitspielen. © IMAGO / wolf-sportfoto (Montage)
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Nachdem die Europameisterschaft 2022 für Deutschland beendet ist, soll Handball-Bundestrainer Alfred Gislason nun ein Team formen, das den ambitionierten Zielen des DHB gerecht wird. Die große Vision: kontinuierlich um Medaillen mitspielen.

Als sich Alfred Gislason kurz vorm Abflug in Bratislava in der Chartermaschine der deutschen Handballer umblickte, war das Dauerthema dieser Europameisterschaften wieder da. Corona hatte den Tross doch mächtig ausgedünnt. Mit dem 30:29-Sieg gegen Russland und mindestens Platz acht haben diese außergewöhnlichen wie eigenartigen Titelkämpfe aber ein versöhnliches Ende genommen.

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"Ich bin froh, dass es vorbei ist und keiner sich verletzt hat. Einige waren sehr kaputt", sagte der 62 Jahre alte Isländer und zeigte sich stolz. "Keiner hat sich hängen lassen, keiner hat gejammert. Alle haben viel Charakter gezeigt. Es war ein schönes Erlebnis, die schwierigen Tage mit der Mannschaft zu erleben." Das Turnier war für den Isländer eine extrem wichtige Erfahrung für seine weitere Planung. Und die ist auf 2024 "und darüber hinaus" angelegt. Mit Gislason als Baumeister. Doch jetzt freut sich der 62-Jährige nach den Wochen im "Hamsterrad" auf seine Dorfidylle in Wendgräben bei Magdeburg. "Ich werde die Ruhe zu Hause genießen."

Für den Deutschen Handballbund (DHB) war der Abflug auch gleichzeitig der in die Zukunft. Die Blicke sind schon auf 2024 und die EM im eigenen Land gerichtet. Große Arenen, große Emotionen. Die Eröffnung ist als Weltrekordspiel vor 50 000 Fans in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena geplant. Berlin, Hamburg, Köln, Mannheim und München, die großen Hallen mit jeweils mehr als 10 000 Zuschauern, sind die weiteren Spielorte. Die Auslosung für die Qualifikationsspiele findet bereits Ende März statt, der Start des Ticketverkaufs ist für April geplant. "Und dann wollen wir richtig Gas geben", sagt DHB-Vorstandschef Mark Schober.

Die Pandemie hat am Plan nichts geändert. "Wir haben da noch nicht nachjustiert, auch noch zwei Jahre Zeit", sagt Schober. Er ist sich sicher, dass es eine Rückkehr zur alten Normalität geben wird. "Die Menschen wissen, wie toll das Erlebnis in einer Halle ist. Ich erlebe gerade in den Vereinen, dass da großes Interesse besteht an gemeinschaftlichen sportlichen Erlebnissen. Vielleicht hilft die Pandemie sogar, dass die Menschen danach verstärkt wieder zusammenkommen wollen."

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Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann hat große Erwartungen: "Wir wollen volle Hallen, egal, wer spielt." Alles einhergehend mit dem sportlichen Erfolg. Für den ist Gislason verantwortlich. Michelmann nennt die klare Vorgabe: "Die EM wird zum Gradmesser. Eine Medaille muss das Ziel sein."

Vier Heim-Turnier in fünf Jahren

Der Verband erhofft sich durch das Jahrzehnt des deutschen Handballs mit der Junioren-WM 2023 (Schober: "Ein Fest für die Regionen"), der Männer-EM 2024, der Frauen-WM 2025 mit den Niederlanden und der Männer-WM 2027 (dann mit 32 Mannschaften) einen Handballboom. "Es ist nachweislich so, dass wir durch Veranstaltungen in Deutschland oder den sportlichen Erfolg, optimalerweise beides gleichzeitig, mehr Menschen für den Handballsport begeistern, an die Vereine binden sowie Fans und Interessierte gewinnen können", sagt Schober.

Die großen Turniere sollen dem DHB auch die Kasse füllen. "Denn wir wollen unsere großen Projekte finanzieren", sagt Michelmann und meint neben der Mitgliederentwicklung vor allem die Entwicklung eines "lukrativen Frauenhandballs". Auch für Schober ist da "Riesenpotenzial". Ein erster Schritt ist, dass im Mai ein neuer, attraktiverer Spielbetrieb von der ersten bis zur dritten Liga beschlossen wird. Eine weitere Säule soll die Errichtung von bis zu vier bundesweiten Akademien sein, ähnlich wie in den Niederlanden und Frankreich.

"Hier sollen Spielerinnen unter der Woche zentral ausgebildet werden und am Wochenende in ihren Vereinen spielen", erklärt Schober. Michelmann hat für das große Ganze 2028 im Visier: "Dann wollen wir alle vier Züge über die Ziellinie bringen." Heißt: Männer- und Frauen-Teams (Halle und Beach) sollen dann bei den Großevents um die Medaillen spielen.

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