22. Januar 2020 / 22:30 Uhr

Nur Torwart Bitter stark: Deutschland schließt EM-Hauptrunde mit zähem Sieg gegen Tschechien ab

Nur Torwart Bitter stark: Deutschland schließt EM-Hauptrunde mit zähem Sieg gegen Tschechien ab

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Torwart Johannes Bitter hat Deutschland zum Sieg gegen Tschechien geführt.
Torwart Johannes Bitter hat Deutschland zum Sieg gegen Tschechien geführt. © dpa
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat die Hauptrunde der Handball-Europameisterschaft mit einem Sieg abgeschlossen. Gegen Tschechien erreichte das DHB-Team einen knappen 26:22-Erfolg. Nur Torwart Johannes Bitter überzeugt mit einer Glanz-Leistung.

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Pflicht erfüllt! Deutschlands Handballer besiegten Tschechien zum Abschluss der EM-Hauptrunde mit 26:22 (13:10). Und das erneut dank Johannes Bitter. Der 37-jährige Torhüter war in einer durchwachsenen Partie wie schon bei der Gala gegen Österreich der große Rückhalt und wurde als „Man of the match“ geehrt.

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„Heute war es etwas mit Handbremse. Aber wir sind cool geblieben“, meinte Bundestrainer Christian Prokop im ZDF-Interview. „Am Ende zählt nur der Sieg.“ Für die Olympia-Qualifikation Mitte April in Berlin nehme er „ein gutes Mannschaftsgefühl mit. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Lust auf Handball hat. Wir gehen in die richtige Richtung.“ Bitter stellte fest, dass das DHB-Team "lockerer als sonst" gewesen sei. "Es war auch schwierig in so einem Spiel, in dem es um nichts mehr geht, die Spannung hochzuhalten. Wichtig war, dass wir das gute Wien-Gefühl nicht weggeworfen haben", so der starke Schlussmann.

Nach Kritik an Bundestrainer Christian Prokop: Beim deutschen Team rumort es

Jetzt heißt es: Servus Wien, välkommen Stockholm. In Schwedens Hauptstadt treffen Uwe Gensheimer & Co. am Samstag im Spiel um Platz fünf auf Portugal (16 Uhr). Das Spiel ist für die Deutschen indes das „unnötigste dieser Europameisterschaft“, wie es der Kieler Hendrik Pekeler formulierte. So sieht es offenbar auch die ARD, das die Partie aus der ersten Reihe verbannte, auf den TV-Sender One verlegte. „Wir wollen die EM mit einem guten Gefühl abschließen. Das sind wir uns und allen Fans schuldig“, erklärte Uwe Gensheimer. Im Halbfinale stehen indes vier andere Nationen. Am Freitag spielen Topfavorit Norwegen und Kroatien sowie Titelverteidiger Spanien und Slowenien erstmals in der EM-Geschichte das Halbfinale in einem Fußballstadion aus, der 22.000 Zuschauer fassenden „Tele 2“-Arena.

Zurück zu den Deutschen. Vor dem Spiel hatte Bundestrainer Christian Prokop vom Deutschen Handballbund (DHB) eine Jobgarantie bekommen – zumindest bis zu den Olympischen Spielen im Sommer. Allerdings muss sich das Team im April in Berlin noch für Tokio qualifizieren. Trotz des Schulterschlusses rumort und brodelt es aber weiter. Nach der Kritik von Ex-Welthandballer Daniel Stephan im SPORTBUZZER-Interview an Prokop, nahm jetzt Christian Schwarzer DHB-Vize Bob Hanning ins Visier. „Zuerst macht er eine Trainerdiskussion auf, am nächsten Tag will er davon nichts mehr wissen und fühlt sich angeblich falsch verstanden“, sagte Schwarzer im Tagesspiegel-Interview. „Bob legt es immer so aus, wie er es gerade braucht, das ist seine große Stärke, und damit stellt er die ganze Handball-Welt auf den Kopf.“

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Johannes Bitter überragt bei Deutschland-Sieg gegen Tschechien

Das deutsche Team zeigte sich von all dem unbeeindruckt. Gegen Tschechien, das auf sechs Profis aus der 2. Bundesliga setzte, tat es sich zwar schwer, gewann aber schnell die Kontrolle (6:3/15.). Tolle Spielzüge und sehenswerte Tore gingen dabei aber einher mit Ballverlusten und Fehlwürfen. Lediglich 54 Prozent der Würfe fanden in Halbzeit eins ihr Ziel. Dürftig! Dafür stand die Defensive mit einem guten Johannes Bitter dahinter (14 Paraden) und hielt die Tschechen auch nach der Pause trotz eines kurzen Tiefs (13:14/36.) in Schach.

Auch in der Partie zeigte sich, dass diese EM auch für die Deutschen ihre Gewinner hat. Da ist Johannes Bitter, der mit 37 Jahren sein Comeback feierte. Der 2007er Weltmeister ist nicht nur als Einpeitscher von der Bank, erfahrener und gelassener Ruhepol ein Eckpfeiler im Team, sondern auch als Rückhalt.

Da ist Philipp Weber. Der Leipziger spielte sich in die EM hinein, erfüllte in der Offensive die Rolle des torgefährlichen Spielmachers mit jeder Minute mehr und verdrängte so den Berliner Paul Drux. Gegen Tschechien war er mit fünf Treffern auch bester Werfer. „Wichtig war, dass wir uns heute ordentlich nach Stockholm verabschiedet haben“, sagte Weber. Mit der bisherigen Bilanz „können wir ganz gut leben“.

Die Handball-Europameister seit 1994

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Deutschland bericht schon am Donnerstagmorgen zum Spiel um Platz fünf auf

Und da ist der Hannoveraner Flügelflitzer Timo Kastening, der bei seinem EM-Debüt bis dato die meiste Einsatzzeit (281 Minuten) erhalten hatte, nicht nur als listiger Meisterdieb überzeugte, sondern mit 25 Treffern auch bester Torschütze ist. Und das mit einer beachtlichen Effektivität. 86 Prozent seiner Würfe haben ihr Ziel gefunden. Gegen Tschechien gewährte Prokop ihm allerdings eine Atempause, brachte ihn erst ab der 45. Minute (1 Wurf/1 Tor).

Am Donnerstag geht es um 11 Uhr mit dem Flieger nach Stockholm. Doch das auf der letzten Rille. Das siebte Spiel in 14 Tagen hat seine Spuren hinterlassen. Auch das war gegen Tschechien zu sehen.