14. Januar 2022 / 13:03 Uhr

Die neuen "Bad Boys"? Warum vor der Handball-EM Erinnerungen an 2016 wach werden

Die neuen "Bad Boys"? Warum vor der Handball-EM Erinnerungen an 2016 wach werden

Thorsten Storm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Kolumnist Thorsten Storm fühlt sich vor dem Turnierstart der deutschen Mannschaft an den Coup 2016 erinnert.
SPORTBUZZER-Kolumnist Thorsten Storm fühlt sich vor dem Turnierstart der deutschen Mannschaft an den Coup 2016 erinnert. © IMAGO/Annegret Hilse
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steigt am Freitagabend in die Europameisterschaft ein. Wie schon vor dem Triumph 2016 hat das DHB-Team niemand auf dem Zettel. Ex-Handball-Manager und SPORTBUZZER-Kolumnist Thorsten Storm fühlt sich an die "Bad Boys" erinnert.

So richtig hat niemand die Deutschen auf dem Zettel. Titelhamster Dänemark, Gastgeber Ungarn oder Schweden sind die Favoriten. Und Bundestrainer Alfred Gislason nimmt sogar bewusst Druck von seinen Spielern, wenn er die Auswahl öffentlich als Perspektivkader für die Heim-EM 2024 bezeichnet. Intern hat die Mannschaft sicher andere Ziele – die Stimmung beim DHB ist sehr gut, wie ich hörte. Man muss ja nicht gleich vom Titel träumen …

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2016, beim Überraschungscoup der "Bad Boys" bei der EM in Polen, war es ähnlich. Auch damals waren die Erwartungen gering, kaum jemand außerhalb der Szene kannte einen Andreas Wolff, den ich zusammen mit Alfred Gislason bereits lange vor dem Turnier zum THW Kiel transferiert hatte. Seit der Endrunde 2016 jedoch gilt er als einer der besten Torhüter der Welt. Vielleicht können dieses Mal Spieler wie Sebastian Heymann oder Julius Kühn in eine ähnliche Rolle schlüpfen, selbstbewusst wie in der Bundesliga aufspielen und den internationalen Durchbruch schaffen.

Fürs deutsche Team wird neben der Corona-Problematik das Thema Belastung entscheidend sein. Die Bundesliga ist nicht nur die stärkste Liga der Welt, sondern auch die einzige mit 18 Mannschaften. Entsprechend sind die DHB-Stars häufiger auf höchstem Niveau gefordert als die anderer Nationen. Die Gefahr ist leider oft, dass sie jetzt, wenn sich ausnahmsweise die deutsche Sportnation für Handball interessiert, körperlich die Quittung dafür bekommen.


Zur Handball-EM in Ungarn und der Slowakei ist Thorsten Storm (57) SPORTBUZZER-Kolumnist. Storm war Manager der großen Drei in der Handball-Bundesliga (SG Flensburg-Handewitt, Rhein-Neckar Löwen, THW Kiel). Heute ist er Inhaber von zwei Marketingagenturen.