22. April 2021 / 15:23 Uhr

Talentschmiede ohne Perspektive: Warum ein Aufstieg für den TV Badenstedt so wichtig wäre

Talentschmiede ohne Perspektive: Warum ein Aufstieg für den TV Badenstedt so wichtig wäre

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Frauen des TV Badenstedt spielen nur in der 3. Liga, sodass Top-Talenten wie Merja Wohlfeil und Nieke Kühne (links eingeklinkt) irgendwann die Perspektive fehlt. Davor warnt Trainerin Nadine Große (rechts eingeklinkt).
Die Frauen des TV Badenstedt spielen nur in der 3. Liga, sodass Top-Talenten wie Merja Wohlfeil und Nieke Kühne (links eingeklinkt) irgendwann die Perspektive fehlt. Davor warnt Trainerin Nadine Große (rechts eingeklinkt). © Debbie Jayne Kinsey / DHB / privat
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In schöner Regelmäßigkeit bringt der TV Hannover-Badenstedt Jugendnationalspielerinnen hervor. Die hervorragende Nachwuchsarbeit zahlt sich im Frauenbereich aber nicht aus, ein Aufstieg in die 2. Liga war bisher zu kostspielig. Dadurch gehen die besten Talente. A-Jugend-Trainerin Nadine Große hofft, dass der Sprung 2022 klappt.

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Seit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft in der B-Jugend im Jahr 2012 gilt der TV Hannover-Badenstedt im Mädchen-Handball als Topadresse in Deutschland. Jahr für Jahr bringt der Klub seitdem Jugendnationalspielerinnen hervor. Jüngst bekamen Merja Wohlfeil und Nieke Kühne die Einladung zur Sichtung der deutschen U17.

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Für die Ausbildung des Nachwuchses wird in Badenstedt sehr viel getan. Zwölf Trainer kümmern sich um die Mannschaften, mit Nadine Große ist eine A-Lizenz-Inhaberin für die A-Jugend verantwortlich. Was fehlt, ist die sportliche Perspektive nach dem Übergang in den Erwachsenenbereich. Genannt seien nur Ka­thrin Pichlmeier, Isabelle Dölle, Tina Wagenlader, Mieke Düvel, Alina De­fayay und zuletzt Mia Lakenmacher – die Liste der Talente, die in den vergangenen Jahren den TVB verließen, um 1. oder 2. Liga spielen, ist lang.

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Zweimal souveräner Erster in der 3. Liga

Um die besten zumindest länger halten zu können, wäre es von großer Bedeutung, dass die Frauen die Rückkehr in die 2. Bundesliga schaffen, wo man von 2016 bis 2018 spielte. 2019 und 2020 führte der TVB souverän die Tabelle der 3. Liga an. Es fehlten jedoch die erforderlichen finanziellen Mittel, so dass der Vorstand jeweils darauf verzichtete, die Lizenz zu beantragen.

Als Anfang März die Meldung für die Aufstiegsrunde abgegeben wurde, schien es im dritten Versuch endlich die Chance auf den Aufstieg zu geben, doch drei Wochen später erfolgte die Rolle rückwärts. Durch die im Sommer des vergangenen Jahres geschlossene Kooperation mit TuS Vinnhorst ruhten die Hoffnungen auf dessen Mäzen Martin Weiß. Der ist aus persönlichen Gründen aber seit Ende des Jahres nicht zu erreichen.

2022 droht bei Nicht-Aufstieg der nächste Aderlass

Der erneute Verzicht ist ein Rückschlag. „Für die kommende Saison hat das für die Entwicklung unserer Talente noch keine Auswirkungen. Es bringt sie schon weiter, überhaupt bei den Frauen zu spielen“, sagt Große. Wenn der Sprung in die 2. Liga auch in der kommenden Saison nicht gelingen sollte, wäre die Situation 2022 eine andere. Dann müssten nach ihrer Einschätzung zwei oder drei Spielerinnen Badenstedt verlassen, um sich an anderer Stelle weiterzuentwickeln. Die Trainerin trägt diese wenig erfreuliche Aussicht mit Fassung: „Der Sport funktioniert halt so. Ich kann nur meinen Job ma­chen.“ Große lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass es „ein perfekter Zustand“ für den Frauenhandball in der Landeshauptstadt wäre, wenn Badenstedt in der 2. Liga spielte.

Auch beim Handballverband Niedersachsen bedauert man es, dass Badenstedt drittklassig bleibt. „Aus leistungssportlicher Sicht hätte es uns natürlich gefreut, wenn sie den Aufstieg versucht hätten“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Markus Ernst. Durch die Möglichkeit des Stützpunkttrainings und den Besuch des Sportinternates seien die Bedingungen für die Talente hervorragend. Da Kaderspielerinnen im Gegensatz zu den Vereinen trainieren dürfen, konnte man am Stützpunkt trotz des Lockdowns viel machen. Für die Top-Top-Talente bedürfe es perspektivisch allerdings einer Anbindung an die 2. Liga, stellt Ernst klar.

Standort Hannover bleibt attraktiv für Talente

Trotzdem gelang es zu Jahresbeginn, Badenstedts Neuzugang Liv Greger vom HSC Ehmen („Für meinen Traum, Nationalmannschaft zu spielen, muss ich mich weiterentwickeln“) von den Vorteilen des Standortes zu überzeugen. „Das zeigt, dass wir attraktiv arbeiten“, freut sich Ernst. Die finanziellen Voraussetzungen bleiben gegeben. Hannover bleibt bis zum 31. Dezember 2024 durch den Landessportbund geförderte Stützpunktsportstandort.