12. Februar 2020 / 09:31 Uhr

HSC-Trainer Löw macht sich keine Abstiegssorgen: "Fighten bis zum Schluss"

HSC-Trainer Löw macht sich keine Abstiegssorgen: "Fighten bis zum Schluss"

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Handball-Trainer Thomas Löw glaubt an den Klassenerhalt der HSC-Frauen.
Handball-Trainer Thomas Löw glaubt an den Klassenerhalt der HSC-Frauen. © Debbie Jayne Kinsey
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Drei Spiele haben die Handballerinnen des Hannoverschen SC in diesem Jahr absolviert – und mit mindestens neun Toren Unterschied verloren. Zum rettenden Ufer in der 3. Liga Nord sind es bereits fünf Punkte für den Tabellenletzten. Ans Aufgeben verschwendet Trainer Thomas Löw aber keine Gedanken, wie er im Interview verrät.

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Warum wird der HSC nicht absteigen?

Weil wir mehr Punkte holen als in der Hinrunde. Ich bin fest davon überzeugt, dass in den entscheidenden Spielen die Leistungssteigerung reichen wird, die wir seit Saisonbeginn zeigen.

Noch mal konkret nachgefragt: Warum kommt zum ersten HSC-Jahr in der 3. Liga noch ein zweites?

Es kommt einfach. Weil alle so fest an einem Strang ziehen und alle so fest daran glauben. Wir werden in den Rückspielen anders auftreten als in der Hinrunde: deutlich besser.

Gibt es einen Punkteplan für den Klassenerhalt?

Ich vermute, dass man mindestens 14 Punkte haben muss, um Drittletzter zu werden.

Das wären noch fünf Siege aus acht Spielen.

Es wird eng da unten, das ist einfach so. Es kann sein, dass die Oldenburger Reserve mit uns am letzten Spieltag um den Abstieg kämpft. Und dann wird bei den Gastgeberinnen aus der Ersten wahrscheinlich alles auflaufen, was auflaufen kann.

Was wäre, wenn es doch zurück in die Oberliga geht?

Der Kader würde sich nicht groß verändern. Alle wissen, was auf uns zukommt, alle wissen, dass die Gefahr besteht. Die vergangenen Jahren haben gezeigt, dass der Aufsteiger aus Niedersachsen immer sofort wieder runtergegangen ist. Es gibt keine Spielerin, die den Verein wegen Auf- oder Abstieg verlassen will. Die wollen alle hierbleiben, aber berufliche oder andere Veränderungen gibt es natürlich immer wieder mal.

Bilder vom Regionalligaspiel zwischen dem TV Hannover-Badenstedt und dem HSC Hannover

Volle Hütte am Salzweg: Trotz der Handball-EM-Halbfinalspiele der Männer war die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt. Zur Galerie
Volle Hütte am Salzweg: Trotz der Handball-EM-Halbfinalspiele der Männer war die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt. ©
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Welchen Unterschied gibt es in sportlicher Hinsicht?

Der größte Unterschied und das größte Defizit ist, dass wir in Hannover in den letzten Jahren immer ohne Haftmittel trainieren und spielen mussten. In der 3. Liga ist die Haftmittelnutzung zwingend vorgegeben. Mit und ohne Haftmittel – das sind zwei Welten, das sind zwei unterschiedliche Sportarten. Das ist immer noch ein Manko, das wir versuchen aufzuholen. Das war am Anfang viel, viel schlimmer. Und mit das Gravierendste ist die Körperlichkeit, die hier von den Schiedsrichtern erlaubt wird. Gegenüber der Oberliga sind das Welten.

Und finanziell?

Das sind knapp 20 000 Euro mehr, die uns die 3. Liga an Fahrten, Schiedsrichtern und Zeitnehmern kostet. Wir haben das Glück, dass wir Spielerinnen haben, die aus Eigeninteresse mitziehen, ohne Forderungen zu stellen. Die kommen teilweise aus Göttingen hier hoch gefahren, um zu trainieren und zu spielen. Sie bekommen dafür keinen Cent, keine Unterstützung, kein Fahrtgeld. Selbst Trainingsanzüge haben die Spielerinnen selbst gekauft.

Dieser Einsatz kann ja auch ein Vorteil sein, oder?

In jedem Fall. Die Mädels fighten bis zum Schluss, unterstützen sich gegenseitig. Das ist halt der Unterschied gegenüber Mannschaften, in denen Spielerinnen für Geld spielen. Da kommt die Emotionalität häufig nicht so raus wie bei uns. Bei uns gibt es eine Klubidentität, das ist natürlich auch schön und dankbar für mich als Trainer.

Sie sind jetzt im fünften Jahr beim HSC. Wie geht es für Sie weiter?

Das hat in jedem Fall nichts mit der Spielklasse zu tun. Als Trainer möchte ich immer versuchen, Leute weiterzuentwickeln. Wenn wir absteigen sollten, sind wir immer noch ein Team – und ich gehöre genauso dazu wie jeder andere auch. Ich habe nicht vor zu gehen, aber man weiß ja nie. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Man muss einfach gucken, wie es insgesamt weitergeht. Aber ich möchte dem Damen- und Mädchenhandball gerne noch ein bisschen erhalten bleiben.

Das ist kein Nein, aber auch kein Ja – was denn nun?

Ich gehe davon aus, dass ich hier Trainer bin. Aber es gibt halt auch Dinge, die ich nicht beeinflussen kann.

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Wo steht der HSC in fünf Jahren?

Wenn der HSC die Entwicklung so weiterführt, gerade auch, was das Ehrenamt angeht, kann ich mir gut vorstellen, dass wir uns in der 3. Liga etablieren.

Also hinter dem TV Badenstedt die Nummer zwei in Hannovers Frauenhandball zu sein?

Ja, das ist unser Ziel. Badenstedt gönne ich den Aufstieg in die 2. Liga. Weil ich es für wichtig erachte, dass die Talente hier in Hannover bleiben können. Und dahinter muss es ein Team auf Drittliga-Niveau geben.

Wie steht es um eine mögliche Kooperation mit anderen Vereinen?

Ich glaube, das muss gar nicht so auf der Ebene von Vereinsführungen sein. Es gibt viele Trainer, die erkennen, dass das Wohl der Spielerinnen im Vordergrund stehen muss. Das Thema Zweitspielrecht ist beispielsweise ein Thema, bei dem man in Hannover langfristig noch kooperativer miteinander umgehen kann.

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