25. Januar 2023 / 16:21 Uhr

Handball-Stars am Fließband und jedes Jahr Top-Favorit: Was macht DHB-Gegner Frankreich so gut?

Handball-Stars am Fließband und jedes Jahr Top-Favorit: Was macht DHB-Gegner Frankreich so gut?

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Die Franzosen Nikola Karabatic (l.) und Dika Mem gehören zu den größten Stars im Welthandball.
Die Franzosen Nikola Karabatic (l.) und Dika Mem gehören zu den größten Stars im Welthandball. © IMAGO/PanoramiC/East News (Montage)
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Jahr um Jahr gehört Frankreich im Handball zu den größten Favoriten auf den Titel bei Welt- und Europameisterschaften oder den Olympischen Spielen. Auch im WM-Viertelfinale gegen Deutschland wäre alles andere als ein französischer Triumph eine Überraschung. Der SPORTBUZZER erklärt das Erfolgsgeheimnis der Handball-Nation. 

Rekordweltmeister Weltmeister, Olympiasieger – Frankreich ist seit Jahrzehnten im Handball eine Macht, bis auf wenige Ausnahmen immer dabei, wenn es um die Medaillen geht. Die Grande Nation marschiert auch erfolgreich durch diese WM. Und das, obwohl der Triumphzug von "Les Bleus" in der Heimat aktuell von einem Skandal überschattet wird. Bruno Martini, Weltmeister von 1995 und 2001 und aktuell Präsident der nationalen Handball-Liga wird unter anderem wegen der "Aufnahme von kinderpornografischen Bildern" strafrechtlich verfolgt. Das enthüllte France-Info am Tag des WM-Viertelfinals zwischen Frankreich und Deutschland.

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Der Skandal trifft die Sportnation auch auf politischer Ebene. Denn Handball ist der Sport, mit dem sich Frankreichs Politiker eigentlich gern verbinden lassen. Die Erfolge sind zum Teil auch ihr Werk, denn der Staat ist ein großer Finanzierer des Sportbetriebs. Die "Fédération Française de Handball" erhält per anno vom Staat acht Millionen Euro (der deutsche Verband eine Million Euro), nimmt zudem acht Millionen Euro über Sponsoren und Partner sowie acht Millionen Euro über Mitgliedsbeiträge ein. Auch hat der Deutsche Handballbund (DHB) nur eine Million Euro. "Da ist eine ganze andere finanzielle Basis da. Und in Frankreich ist der Handball ganz anders im Schulsport verankert als bei uns", sagt DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Martin Heuberger, U21-Bundestrainer, sieht in den "ganz anderen, den besseren Strukturen" den Grund für den Erfolg: In regionalen Sportzentren (Pole Espoir), die aus einer Quelle von rund 1500 gesichteten Talenten schöpfen können, werden Hoffnungen ab 15 Jahre besonders gefördert. "Und das von hauptamtlichen Trainern. Sie trainieren die Woche über im Zentrum, sind an den Wochenenden in den Vereinen." Mehr als 600 Talente werden so unter dem Verbandsdach gefördert. In der nächsten Stufe bilden die Vereine der ersten und zweiten Liga in eigenen Akademien (Centre de Formation) die Talente weiter aus. "Da sind dann 18- und 19-Jährige schon Leistungsträger in den Vereinen", sagt Heuberger.

Der Unterschied zu Deutschland: "Auch wir bilden gut aus, aber beim Sprung von den Junioren in den Männerbereich fehlt die Anschlussförderung. In der ersten und zweiten Liga wird da aufgrund des hohen Erfolgsdrucks in den spielentscheidenden Momenten auf arrivierte Spieler oder Ausländer gesetzt. Training ist das eine, aber die Talente entwickeln sich nur weiter, wenn sie Stresssituationen im Spiel bewältigen."

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Den Vorwurf, dass die Deutschen auf zu viel Taktik und zu wenig in individuelle Ausbildung setzen, lässt Heuberger nicht gelten: "Das individuelle Training ist jetzt sogar der Hauptbestandteil unserer Arbeit, unterstützt durch Athletik-Trainer und Leistungsdiagnostik."

Unterm Strich bleibt aber: Das Frankreich seit Jahrzehnten um Titel mitspielt und Superstars wie Nikola Karabatic, Dika Mem oder Ludovic Fabregas fast am Fließband produziert, ist kein Zufall.

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