09. Januar 2019 / 06:01 Uhr

Deutscher Handball-Star Uwe Gensheimer vor der Heim-WM: "Der Titel spornt mich an"

Deutscher Handball-Star Uwe Gensheimer vor der Heim-WM: "Der Titel spornt mich an"

Jens Kürbis
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Im Angriffsmodus: DHB-Kapitän Uwe Gensheimer spricht im Interview über den möglichen Titel bei der Handball-Weltmeisterschaft.
Im Angriffsmodus: DHB-Kapitän Uwe Gensheimer spricht im Interview über den möglichen Titel bei der Handball-Weltmeisterschaft. © Verwendung weltweit
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Deutschlands Kapitän Uwe Gensheimer fiebert der Heim-WM entgegen, die am 10. Januar startet. Im exklusiven SPORTBUZZER-Interview spricht der Handball-Star über den Traum vom Wintermärchen, die Wundertüte Korea und das neue Verhältnis zu Trainer Christian Prokop.

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Für Linksaußen Uwe Gensheimer (32) beginnt am Donnerstag die dritte Handball-WM als Kapitän. Er ist der einzige deutsche Nationalspieler, der bei einem ausländischen Topklub spielt – im millionenschweren Starensemble von Paris Saint-Germain. Er ist deutscher und französischer Meister, holte mit den Rhein-Neckar Löwen den EHF-Pokal. Was ihm fehlt, ist ein großer Titel mit Schwarz-Rot-Gold, der der Mannschaft übrigens eine Prämie von 450.000 Euro bringen würde. 2016, als die „Bad Boys“ zu EM-Gold stürmten, war er verletzt.

SPORTBUZZER: 2007 verzauberten die deutschen Handballer ein ganzes Land, holten bei der Heim-WM Gold. Wie haben Sie diese Wochen damals erlebt?

Uwe Gensheimer: Zum Teil am Fernseher. Am Finalwochenende waren wir aber mit der Junioren-Nationalmannschaft zu einem Trainerlehrgang, mussten bei einem Symposium als Testteam herhalten. Das Finale in Köln haben wir dann in der Arena erlebt. Die emotionalen Jubelbilder, wie die Mannschaft vom Publikum zum Titel getragen wurde, sind immer noch in meinem Kopf. Es war schön, dabei zu sein – aber diesmal möchte ich das als Spieler erleben.

Ist das Wintermärchen wiederholbar?

Ja natürlich, das wollen wir schaffen. Wir wollen die Menschen im Land mitnehmen, einen Hype erzeugen, die Begeisterung für unsere Sportart auf eine andere Ebene heben, aus dem Sportinteressierten einen Handball-Fan machen. Ich glaube, die Zuschauer sind bereit, mit allem, was sie haben, uns auch diesmal nach vorn zu peitschen. Was ich mir wünsche, ist, dass sie uns in Phasen helfen, wenn es nicht optimal läuft.

Handball-WM 2019: Das ist der 16er-Kader der deutschen Nationalmannschaft

Die DHB-Stars Patrick Wiencek (l.) und Uwe Gensheimer (r.) sind bei der WM 2019 dabei, das entschied Bundestrainer Christian Prokop (Mitte).   Zur Galerie
Die DHB-Stars Patrick Wiencek (l.) und Uwe Gensheimer (r.) sind bei der WM 2019 dabei, das entschied Bundestrainer Christian Prokop (Mitte).   ©
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Spürt man bei einer Heim-WM einen besonderen Druck?

Es ist eher ein Riesenprivileg, so ein Turnier zu Hause spielen zu dürfen. Jeder von uns hat Teamkollegen, die so etwas schon erlebt, davon geschwärmt haben. Und so wollen wir es sehen: als etwas Besonderes, dass es ein geiles Erlebnis wird. Das ist dann eher Rückenwind statt zusätzlicher Druck.

Wann ist die WM für Sie ein Erfolg?

Wenn wir alle unser Potenzial abrufen, das in uns steckt, haben wir gute Möglichkeiten, ins Halbfinale zu kommen. Wir alle haben den Anspruch, und der ist auch realistisch. So selbstbewusst können wir sein. Sind wir dann erst einmal in Hamburg, ist alles möglich.

Also auch der Titelgewinn?

Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass mir dieser Gedanke noch nicht durch den Kopf gegangen ist. Das Ziel spornt mich an.

Was wissen Sie über Korea?

Ehrlich: Bis vorige Woche wusste ich nichts über den Gegner. Es bleibt eine Wundertüte. Wichtig ist, dass wir gut starten. Jeder schaut auf uns, jeder erwartet einen Sieg. Dieser Rolle müssen wir gerecht werden, um danach frei aufzuspielen.

Wie sehen Sie ihre Rolle als Kapitän?

Es macht mich stolz, Kapitän der Mannschaft zu sein. Und klar: Ich will mit Leistung vorangehen, meine Erfahrung an jüngere Spieler weitergeben.

So ticken die deutschen Handball-Nationalspieler

Torhüter - Andreas Wolff: EM-Held von 2016; Kraftraum-Junkie, aber so beweglich, dass er das Bein bis zur Latte biegen kann; Stunde vor dem Spiel nicht mehr ansprechbar; liebt Pfannkuchen; Spitzname: „Andi“ Zur Galerie
Torhüter - Andreas Wolff: EM-Held von 2016; Kraftraum-Junkie, aber so beweglich, dass er das Bein bis zur Latte biegen kann; Stunde vor dem Spiel nicht mehr ansprechbar; liebt Pfannkuchen; Spitzname: „Andi“ ©

Ist der Draht zu Christian Prokop ein anderer als zur EM vor einem Jahr?

In jedem Fall. Wir haben im Frühjahr viele Dinge angesprochen, die nicht so positiv gelaufen sind, daraus unsere Lehren gezogen. Geholfen hat auch, dass Christian mich in Paris besucht hat. Wir haben da mehrere Stunden gesprochen. Das war sehr produktiv. Ein Ergebnis ist, wenn mir etwas auffällt, kann ich es jetzt ansprechen, ohne dass er es falsch aufnimmt. Wir wissen, was der Trainer von uns erwartet, Christian weiß noch mehr, was wir von ihm erwarten. Wir sind jetzt besser aufeinander eingespielt.

Die EM 2018 lief auch für Sie persönlich schlecht ...

... und das über mehrere Spiele hinweg. Das hatte ich noch nie erlebt, bis dahin habe ich mehr als ein Jahrzehnt meine Leistung abgerufen. Ich bin mir sicher, dass mir das nicht noch mal passiert.

Wie schaut man in Frankreich auf Deutschland, auf die WM?

Die Franzosen haben immer den Anspruch, unter die Top 4 zu kommen. Auch ohne Nikola Karabatic haben sie genügend Qualität. Wir spielen ja in einer Vorrundengruppe, werden da schon als stärkster Konkurrent wahrgenommen.

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