13. Januar 2021 / 14:39 Uhr

Kommentar zu Corona bei der Handball-WM: Hausgemachte Probleme können fatale Folgen haben

Kommentar zu Corona bei der Handball-WM: Hausgemachte Probleme können fatale Folgen haben

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
SPORTBUZZER-Redakteur Jens Kürbis beschreibt die aktuelle Situation bei der Handball-WM in Ägypten.
SPORTBUZZER-Redakteur Jens Kürbis beschreibt die aktuelle Situation bei der Handball-WM in Ägypten. © dpa/Pixabay/Montage
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Noch bevor bei der Handball-WM in Ägypten der erste Anpfiff ertönt ist, versinkt das Turnier im Corona-Chaos. Die Probleme sind zum Teil hausgemacht und könnten fatale Folgen haben, meint SPORTBUZZER-Redakteur Jens Kürbis.

Die USA und Tschechien haben die Corona-Reißleine gezogen und verzichten. Auch aus den Teams der Kapverden und Brasiliens werden Infizierte gemeldet. Noch vor dem ersten Wurf drohen die Handball-Weltmeisterschaften in Ägypten im Corona-Chaos zu versinken. Und noch sind nicht einmal alle Teams da und getestet. Verdient die viel zitierte WM-Blase noch ihren Namen? Macht es Sinn, diese Titelkämpfe durchzupeitschen? Die Zweifel, die Sorgen und die Fragen mehren sich.

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Sicher, es gibt viele Gründe, die für diese WM sprechen. Da ist die mediale Präsenz, das Hallo, wir leben als Sportart noch. Da sind die wirtschaftlichen Folgen. Ein Verzicht wäre für viele Nationen, auch die Gastgeber finanziell fatal. Den Weltverband IHF würde es auch treffen. Denn er füllt den Topf durch diese WM mit rund 30 Millionen Euro an TV-Geldern, nimmt dadurch vor allem die Entwicklungsländer an die Hand.

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Doch die Gründe dagegen häufen sich, zumal die Probleme zum Teil hausgemacht sind. Thema Anreise. Wenn Teams, wie WM-Neuling Uruguay über Florida, Madrid und Rom in Kairo per Linie einfliegen, ist die Gefahr der Infizierung ungleich höher. Diese Handball-Verbände haben nun mal nicht den finanziellen Hintergrund, wie Deutschland und Österreich, die per Charterflug anreisten.

Zu viele Widersprüche

Es spricht auch nicht für die viel beschworene Handball-Familie, wenn der europäische Verband kurz vor der WM für Qualifikationsspiele kreuz und quer über den Kontinent fliegen lässt und den Verbänden so die Möglichkeit einer frühen Isolation nimmt. Und wie sicher ist die Blase, wenn die Nachrücker Schweiz und Nordmazedonien aus dem Urlaub in sie eintauchen? Vom sportlichen Wert einer WM mit immer mehr Ersatzteams ganz zu schweigen.


Ins fragile Bild passt, dass ausgerechnet in Pandemie-Zeiten eine erstmals auf 32 Teams aufgeblähte WM durchgedrückt wird. Gar widersinnig wird es aber, wenn die Gastgeber, die als Land nicht im Lockdown sind, dann noch mit kulturellen Trips zu ihren Sehenswürdigkeiten locken. Da nützt es nichts, wenn die Deutschen auch in kleinen Dingen immer wieder nachjustieren, so auf separate Essensräume drängen.

Verheerende Folgen

Die Gefahr, dass die Blase mit einem riesigen Knall platzt, ist real. Nur: Die Folgen wären verheerend. Und das nicht nur in der Außenwirkung, auch auf die 2021 noch folgenden Höhepunkte, wie die Fußball-EM und die Olympischen Spiele. Selbst die nationalen Ligen, die die Profis in Lohn und Brot bringen, wären betroffen. Im schlimmsten Fall drohen neben erkrankten Spielern und Staff dann Insolvenzen. Diesen Preis will keiner zahlen. Und alles nur für ein zu leichtfertiges Spiel mit einem tödlichen Virus.