16. Januar 2021 / 12:40 Uhr

Kommentar zum einseitigen WM-Start: Der Handball wird der Lächerlichkeit preisgegeben

Kommentar zum einseitigen WM-Start: Der Handball wird der Lächerlichkeit preisgegeben

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Der deutliche Sieger Paul Drux (Deutschland, links) und der Neuling Guillermo Millan Flores (Uruguay, rechts) hatten allen Grund zur Freude. Viel Spannung kam im Duell bei der Handball-WM aber nicht auf.
Der deutliche Sieger Paul Drux (Deutschland, links) und der Neuling Guillermo Millan Flores (Uruguay, rechts) hatten allen Grund zur Freude. Viel Spannung kam im Duell bei der Handball-WM aber nicht auf. © imago images/Bildbyran/Montage
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Die Handball-WM im XXL-Format hat für reichlich Diskussionen gesorgt. Das einseitige Auftaktspiel der Deutschen gegen Underdog Uruguay verdeutlicht für SPORTBUZZER-Redakteur Jens Kürbis vor allem eines: Der Handball wird in diesem Modus der Lächerlichkeit preisgegeben - bei allem Respekt vor den qualifizierten Mannschaften.

Der deutsche Start in die umstrittene WM lässt sich mit einem Wort umschreiben: Mühelos. Uruguay war nur ein Spielball, das 43:14 der zweithöchste Sieg in einem deutschen WM-Eröffnungsspiel, nur getoppt vom 46:4 gegen Luxemburg im Jahr 1958. Die Südamerikaner gehören zu jenen Exoten, die alle paar Jahre wieder bei Handball-Weltmeisterschaften zu bestaunen sind. Aktuell mehr denn je. Denn der Weltverband IHF hat seine Meisterschaften – wie im Fußball – ausgeweitet, auf XXL-Format mit 32 Mannschaften. "Klassischer Selbstmord", so hatte es DHB-Vizepräsident Bob Hanning schon vor Jahren bezeichnet. Und er hat Recht.

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Sicher, alle qualifizierten Nationen verdienen eine faire Chance und Respekt. Der Weltverband will im Bemühen, den Handball auch in den letzten Winkel der Erde zu tragen, Entwicklungsländern eine große Bühne geben. Doch ob das die richtige ist, darf bezweifelt werden, wenn Mannschaften wie Uruguay vorgeführt werden.

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So wird der Handball der Lächerlichkeit preisgegeben. Denn der IHF geht es mit noch mehr Spielen - und das gehört ebenfalls zur Wahrheit - auch um noch mehr Kommerz. Eine Alternative wäre gewesen, in diese Verbände direkt zu investieren. Uruguay kämpft seit Jahren um einen festen Standort für Beach und Halle. Eine B- oder C-WM würde auch helfen.

Das bisherige Format der Titelkämpfe (vier Gruppen mit sechs Teams, danach K.o.-Runde) hatte sich bewährt. Bemitleidenswerte Teilnehmer waren da die Ausnahme. Aktuell sind Neulinge wie Uruguay nur Kanonenfutter für das Establishment, ohne Einfluss auf das sportliche Ergebnis. Es sei denn, sie werfen als Corona-Schleuder andere Nationen ins Aus. Die deutschen Sorgen vor dem nächsten Spiel gegen das trotz mehrerer Fälle zur WM gereisten Kap-Verde-Team sind berechtigt.