17. Januar 2021 / 19:02 Uhr

Nach Absage von WM-Spiel gegen Kap Verde: DHB-Stars erleichtert - doch Restrisiko gegen Ungarn bleibt

Nach Absage von WM-Spiel gegen Kap Verde: DHB-Stars erleichtert - doch Restrisiko gegen Ungarn bleibt

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
 Die deutschen Handballer wollen mit vollem Fokus gegen Ungarn spielen – bei allem Restrisiko.
Die deutschen Handballer wollen mit vollem Fokus gegen Ungarn spielen – bei allem Restrisiko. © imago images/Bildbyran
Anzeige

Die Hauptrunde bei der Handball-WM in Ägypten hat Deutschland nach der Corona-bedingten Spielabsage gegen die Kap Verde erreicht. Gegen Ungarn muss die DHB-Auswahl im letzten Gruppenspiel aber nochmal ran. Und die haben vorher schon gegen Kap Verde gespielt – ein Spiel mit dem Risiko.

Anzeige

Abstandsregeln, Quarantäne, CT-Wert. Axel Kromer ist im Team der deutschen Handballer so etwas wie der Virus-Experte. Doch das eher unfreiwillig. Denn in den Tagen der umstrittenen WM in Ägypten hält das Thema den Delegationsleiter und DHB-Sportvorstand in Atem - und das rund um die Uhr. Mal sind es eingeforderte Nachbesserungen im Hotel, dann eine beim Weltverband hinterlegte Protestnote. Und seit Samstagabend, seit dem Anruf des Weltverbandes IHF, der ihn über zwei positiv getestete Kap-Verde-Spieler informierte, ist es nun auch noch eine Spielabsage. Sieben Stunden vor dem Anwurf wurde die dann endgültig bestätigt. Das zweite deutsche Gruppenspiel fällt aus. Historisch: Es ist die erste Absage bei einer WM überhaupt.

Anzeige

Die Vorgeschichte: Im Trainingslager in Lissabon hatten sich sechs Spieler und vier Offizielle der Kap Verde mit Corona infiziert. Der WM-Neuling entschied sich dennoch, die Mission "Zehn Inseln, ein Traum" anzutreten. Nach der Einreise in Kairo wurden vom Rumpfteam nochmals vier Spieler positiv getestet. Der Weltverband IHF hob nach negativen Tests dennoch den Daumen. Die Afrikaner bestritten so ihren WM-Auftakt gegen Ungarn (27:34), wohnen seitdem auch im Teamhotel der Deutschen.

Mehr vom SPORTBUZZER

Nach der Partie wurden aber zwei weitere Spieler positiv getestet. Die Afrikaner hatten so nur noch neun gesunde Spieler. Laut IHF-Regularien braucht es aber zehn (inklusive Torhüter), um spielfähig zu sein. Die Partie wird nun mit 10:0-Toren für die deutsche Mannschaft gewertet, die somit bereits in der Hauptrunde ist. Kap Verde – auch das geben die Regularien her – bleibt aber im Turnier, will mit nachnominierten Spielern am Dienstag gegen Uruguay sich den Traum von der Hauptrunde erfüllen.

Das Corona-Chaos aber bleibt. Tobias Reichmann, der aufgrund einer Außenmeniskus-Verletzung bereits wieder nach Deutschland zurückgereist ist und durch Patrick Groetzki ersetzt wird, äußerte sein Unverständnis: "Ich halte es für grob fahrlässig, dass da bei Kap Verde zwei positive Spieler rausgezogen werden und der Rest trotzdem spielt." Nach der Absage war das Aufatmen auf dem deutschen Hotel-Flur groß: "Natürlich sind die Spieler alle erleichtert. Alle hatten die Gefahr einer möglichen Infektion im Hinterkopf. Die Entscheidung ist die einzig richtige Lösung", erklärte Kromer im Gespräch mit den SPORTBUZZER.


Fokus auf finales Gruppenspiel am Dienstag

Der Fokus gilt nun Ungarn, dem finalen Gruppenspiel am Dienstag (20.30 Uhr, ZDF). Doch selbst für die Partie "bleibt ein mulmiges Gefühl. Kap Verde hat ja schon gegen Ungarn gespielt. Keiner weiß, wie infektiös die zwei Spieler sind", sagte Kromer. 20 Stunden später hörte sich das auf SPORTBUZZER-Nachfrage entspannter an: "Die CT-Werte der beiden Spieler sind weit über 30, so hoch, dass sie in Deutschland nicht mehr gemessen worden wären. Die Ungarn können sich sicher fühlen, nicht infiziert worden zu sein. Wir haben auch für unsere Spieler jetzt keine große Angst mehr, dass es gefährlich wird."

Nur: Bei der Handball-EM der Frauen im Dezember gab es einen ähnlichen Fall, als der deutsche Auftaktgegner Rumänien einen positiven Test hatte. Kromer stellte damals den deutschen Frauen frei, ob sie mitspielen. Ein ähnliches Angebot will er Gensheimer & Co nicht explizit machen. "Jeder, der hier ist, ist freiwillig hier. Und jeder, bei dem die Sorge überwiegt, kann zu mir kommen. Ich muss das Angebot nicht extra aussprechen." Er sei sich sicher, dass jeder Spieler auch spielen wolle.

Mehr vom SPORTBUZZER

Die WM-Blase ist für ihn noch intakt: "Sie ist im Hotel stabil." Die infizierten Spieler seien isoliert. Eigenes Büffet, eigenes Essenszimmer, eigener Koch – alle deutschen Wünsche wurden auch umgesetzt. "Wir treffen auch immer weniger Menschen ohne Trainingsanzug und ohne Maske. Die Voraussetzungen, sich sicher zu fühlen, sind gegeben." Doch ein Restrisiko will auch Kromer nicht wegdiskutieren. Patrick Groetzki, der am Montag zum Team stößt und per Linie in Kairo einfliegt, "ist natürlich auch ein Risiko. Jeder, der von außerhalb in die Blase kommt, ist eine Gefahr."

Die Mannschaft nutzte die freie Zeit, um zu trainieren. Das Thema Corona nervt sie nur noch. "Wir wollten eigentlich keine Fragen mehr zu Corona beantworten", erklärte Trainer Alfred Gislason, "und uns auf Handball konzentrieren." Doch das fällt bei dieser WM schwer.