27. Januar 2019 / 16:04 Uhr

Handball-WM: Deutschland nach Pleite gegen Frankreich Vierter - Heinevetter: "Fader Beigeschmack"

Handball-WM: Deutschland nach Pleite gegen Frankreich Vierter - Heinevetter: "Fader Beigeschmack"

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Die deutschen Torhüter Silvio Heinevetter und Andreas Wolff klatschen sich nach der Niederlage gegen Frankreich ab.
Die deutschen Torhüter Silvio Heinevetter und Andreas Wolff klatschen sich nach der Niederlage gegen Frankreich ab. © imago/Agentur 54 Grad
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat im Spiel um den dritten Platz ein Erfolgserlebnis verpasst. Gegen Europameister Frankreich gab es in Herning eine Niederlage in letzter Sekunde.

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Christian Prokop wirkte angefasst. Der Druck, die Anspannung, die zweieinhalb Wochen Dauer-Adrenalin sie waren plötzlich weg. Doch die finale Krönung einer tollen Handball-WM, sie war ausgeblieben. Blech statt Bronze. Deutschlands Handballer hatten das Spiel um Platz drei gegen Noch-Weltmeister Frankreich mit 25:26 (13:9) verloren. In letzter Sekunde. Der Videobeweis hatte es manifestiert: Die „Kugel“, der Wurf von Nikola Karabatic, er war innerhalb der regulären Zeit im deutschen Tor gelandet.

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Der Bundestrainer warf wütend seine Wasserflasche aufs Feld. „Das ist sehr, sehr bitter. Wir wollten diese Medaille. Die clevere Mannschaft hat heute gewonnen“, sagte er wenige Minuten später. Und dabei rang der 40-Jährige mit müdem Blick und kleinen Augen um angemessene Worte: „Wir sind traurige Verlierer, aber richtig stolz. Bis auf das Endergebnis ist alles so gelaufen, wie wir uns das in unseren Träumen vorgestellt haben.“ Man habe die Fans begeistert, für eine Welle der Euphorie gesorgt. Auf die Frage, ob das Ende den Hype stoppe, antwortete er spontan, fast trotzig: „Niemals!“

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Uwe Gensheimer, Andreas Wolff und Silvio Heinevetter gehören zu den Topverdienern der deutschen Handball-Mannschaft. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Gehälter der DHB-Stars. Zur Galerie
Uwe Gensheimer, Andreas Wolff und Silvio Heinevetter gehören zu den Topverdienern der deutschen Handball-Mannschaft. Der SPORTBUZZER zeigt die Gehälter der DHB-Stars. ©

Enttäuschung aus dem Norwegen-Spiel wirkt nicht nach

Doch diese Titelkämpfe, sie enden für Deutschlands Handball-Helden mit einem Kater. „Das war eine geile WM, aber jetzt mit zwei Niederlagen hinten raus, hinterlässt das einen faden Beigeschmack“, meinte Keeper Silvio Heinevetter. Mit einer Parade hatte er kurz vor Schluss das Tor zum Sieg, der ersten WM-Medaille seit dem Gold 2007 aufgestoßen. Deutschland hatte noch zehn Sekunden für den letzten Angriff, doch ein Pass von Matthias Musche an den Kreis kam nicht an. „Das war die Chance zum Lucky Punch. Und der wäre mehr als verdient gewesen“, meinte Prokop.

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Denn seine Jungs hatten ein gutes Spiel gezeigt, gerade in den ersten 30 Minuten. Mit einem starken Keeper Andreas Wolff, der bis zur Pause mehr als die Hälfte der Bälle pariert hatte (12 insgesamt). Mit einer guten Abwehr, einem Angriff, der Lösungen fand und einem starken Kapitän Uwe Gensheimer (8 Würfe/7 Treffer). Offensichtlich: Im Spiel der Enttäuschten, der Halbfinal-Verlierer, wollten es die Deutschen anfangs mehr. In Zahlen las sich das so: 13:9 zur Pause. „Doch dann hat uns offensiv der Mut verlassen, wir waren da auch nicht so clever“, fand Prokop.

Deutschland verpennt Wiederbeginn nach der Pause

Nach einem 1:6-Negativlauf war das Spiel gedreht (14:15). Und es wurde noch schlimmer: Patrick, die Wand, Wiencek sah nach der dritten Zeitstrafe die Rote Karte (39.), die Franzosen bekamen sogar Bälle im dritten Nachwurf. Gensheimer & Co. waren am Boden. Doch sie standen wieder auf. Sie steckten sogar krasse Fehlentscheidungen der überforderten Portugiesen-Schiris weg, wie den Siebenmeter für Luc Abalo plus Zeitstrafe gegen Gensheimer in der Schlussminute. „Sorry, aber das war keiner“, meinte Heinevetter, „auch bei den Zeitstrafen wurde mit zweierlei Maß gemessen.“

Die proppevolle Mixedzone, da, wo sich Sportler hinter Metallgittern an Journalisten vorbeischlängeln, war so eine Zone der Wut und Enttäuschung. „Im Halbfinale waren wir die schlechtere Mannschaft. Doch jetzt haben wir die Medaille weggeworfen“, sagte Patrick Groetzki. Stolz über die tolle WM wollte sich bei ihm nicht einstellen. „Sorry, das kann ich jetzt nicht.“ Auch Kai Häfner nicht: „Das war eine Riesen-WM. Es fühlt sich aber gerade sehr, sehr beschissen an.“

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DHB-Vize Bob Hanning war beim Team. „Fäth und Weinhold waren verletzt, Pekeler dann auch. Alle haben aber trotzdem gespielt – das ist der Geist dieser Truppe und deswegen schmerzt es so sehr. Das sind ehrliche Tränen.“ Es gebe auch keinen Grund von der Vision 2020, dem Auftrag Olympia-Gold in Tokio, abzurücken. Hanning: „Wir sind dafür gut aufgestellt.“ Für Prokop bleibt dabei „die Mannschaft der Star. Wir werden nie über Superstars kommen, immer über Einsatz und Teamgeist.“ Deshalb rückte die Mannschaft am Abend bei einem gemeinsamen Essen in Herning noch einmal zusammen, ehe es noch in der Nacht nach Hamburg ins Hotel ging. „Wir werden noch einmal anstoßen auf diese tolle Weltmeisterschaft“, sagte Prokop. Und jetzt überwog auch der Stolz in seiner Stimme.